Eine Frau steckt den Stecker eines Staubsaugers in die Steckdose.

Stromanbieter kaufen Strom an den Börsen günstig ein, doch diesen Preisvorteil geben nur wenige hessische Stromversorger an die Verbraucher weiter. Wer sparen will, muss meist den Anbieter wechseln.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darum kann sich ein Anbieterwechsel lohnen

Steffen Lorey hängt eine Lichterkette ans Fenster.
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Das Thema Strom hat Familie Lorey aus Linsengericht (Main-Kinzig) jahrelang kaum interessiert. Sie war in der Grundversorgung beim Stromanbieter vor Ort, den Kreiswerken Main-Kinzig. Mit denen fühlte man sich verbunden, aber dann wurde der Strom Jahr für Jahr teurer, erzählt Steffen Lorey: "Da haben wir uns am Ende entschieden, den Anbieter zu wechseln." Zumal die Preise nächstes Jahr weiter steigen.

Der Wechsel lohnt sich. Denn vorher hat Familie Lorey für den Strom im Jahr 1.680 Euro gezahlt. Jetzt sind es nur noch etwa 1.280 Euro. Ersparnis: 400 Euro. Gut für Familie Lorey, Pech für ihren alten Anbieter, meint Steffen Lorey: "Aber viele Unternehmen spekulieren ja genau darauf, dass ihre Kunden unwissend und träge sind."

Stromanbieter: "Höhere Netzentgelte"

Die erneute Strompreiserhöhung finden die Kreiswerke Main-Kinzig dabei durchaus gerechtfertigt. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "So steigen zum einen die Netzentgelte, also die Kosten, die dem Unternehmen dafür in Rechnung gestellt werden, dass es seinen Strom durch bestimmte Verteilnetze transportiert." Und um diesen Strom zu beschaffen, müssten die Kreiswerke Main-Kinzig auch mehr Geld ausgeben.

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zum hr-fernsehen.de Video Strompreise – warum sie eigentlich kräftig sinken müssten

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Natürlich kommt es immer darauf an, wann Unternehmen dafür an den Strombörsen zuschlagen. Allerdings wird der Strom für sie in der Tendenz immer billiger. Laut Statistischem Bundesamt sind die Einkaufspreise in den vergangenen zwei Jahren etwa um dreißig Prozent gesunken. An der Leipziger Strombörse kostet Strom aktuell sechs Cent je Kilowattstunde Strom, während Verbraucher dafür in Deutschland zuletzt im Schnitt knapp 32 Cent gezahlt haben. Das ist so viel wie in keinem anderen europäischen Land.

Experten: Genug Spielraum für Preisnachlässe

Experten fordern die Weitergabe dieser niedrigen Börsenpreise an die Verbraucher. Auch die Entlastungen bei der sogenannten EEG-Umlage müssten für Preissenkungen sorgen, erklärt Claudia Kemfert, Energie-Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die EEG-Umlage ist auch im Strompreis für Verbraucher enthalten. Über sie wird der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert.

Die EEG-Umlage soll nächstes Jahr ebenfalls sinken, auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde Strom. Das hat die Bundesregierung im Sinne der Verbraucher beschlossen und investiert dafür fast elf Milliarden Euro. "Doch obwohl EEG-Umlage und Beschaffungskosten sinken, geben die meisten Energieversorger diese Vorteile nicht weiter", kritisiert der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Udo Sieverding.

Manche zeigen, es geht doch!

Auch in Hessen verändern viele Stromanbieter an ihren Preisen erst einmal nichts. Dazu zählen etwa die Stadtwerke Gießen, die Stadtwerke Marburg und die Süwag. Nur vereinzelte Anbieter senken die Preise. Das tun etwa die Mainova und die Gemeindewerke Großkrotzenburg. Deren Leiter Horst Prey sagt, das könne man sich anders als andere deshalb leisten, weil man den Strom billig eingekauft habe und die Netzentgelte gesunken seien.

Diese Ersparnis reichen die Gemeindewerke Großkrotzenburg an ihre Kunden weiter. Die Folge: Die meisten Kunden seien ihrem regionalen Energieversorger über Jahre treu geblieben. Dagegen sind andere, wie Steffen Lorey, inzwischen immer wieder zum Wechseln bereit, wenn die Strompreise weiter steigen sollten.

Wechseln ist mittlerweile ein Kinderspiel

Wechseln können Verbraucher, indem sie ihre letzte Stromrechnung zur Hand nehmen und einen Blick auf ihren jährlichen Energieverbrauch werfen. Mit diesem Wert können sie sich dann zum Beispiel auf Vergleichsportalen einen guten Überblick verschaffen, wer beim Strom die besten Konditionen bietet. Sie sollten allerdings bei den Einstellungen zunächst alle Bonuszahlungen und sonstigen Rabatte herausfiltern, um die wirklichen Jahreskosten besser abschätzen zu können. Auch auf kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen sollte man achten.

Wenn man sich für einen Anbieter entschieden hat, übernimmt der die Kündigung des alten Stromvertrags. Ohne Strom wird nach so einem Wechsel niemand dastehen, denn im Zweifel muss immer der Grundversorger einspringen. Es gibt im Internet mittlerweile sogar Wechselhelfer, die einem die ganze Arbeit abnehmen. Obwohl ein Anbieterwechsel also gar nicht so kompliziert ist, hat laut Bundesnetzagentur etwa ein Viertel aller privaten Stromkunden trotzdem noch nie gewechselt.

Sendung: hr-iNFO, 9.12.2020, 17.20 Uhr