Getreideähren auf einem Feld. Wegen der Hitze haben Bauern weniger geerntet
Getreideähren auf einem Feld. Wegen der Hitze klagen die Bauern über Ernteausfälle Bild © picture-alliance/dpa

Die hessischen Bauern schlagen Alarm. Sie klagen über dramatische Ernteeinbußen. Werden Milch und Kartoffeln jetzt teurer? Wie wirkt sich die Hitze auf die Qualität der Produkte aus? Was macht die Politik? Fragen und Antworten.

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Priska Hinz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landwirtschaftsministerin: "Wir sind nicht am schlimmsten betroffen"

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In Berlin berieten am Dienstag Vertreter von Bund und Ländern über die Folgen der Trockenheit für die Landwirtschaft. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte bereits an, dass sich gegebenenfalls der Bund an der Seite der Länder an den Hilfen für die Landwirte beteiligen werde.

So sieht die Situation derzeit in Hessen aus.

Wie wirkt sich die Dürreperiode auf die Ernte in Hessen aus?
Welche Unterstützung fordern die Bauern?
Wie reagiert die Politik auf die Forderungen?
Wird es für Verbraucher teurer?
Wie sieht es mit dem Obst aus? Oder: Warum schmecken die Erdbeeren nicht?
Wie wird der Wein?

Wie wirkt sich die Dürreperiode auf die Ernte in Hessen aus?

Bei der Gerste hat es nach Angaben des hessischen Bauernverbands Ernteeinbußen von 10 bis 15 Prozent gegeben. Die Weizenente lag 20 bis 25 Prozent niedriger als im Vorjahr. Bei Raps sind es 15 bis 20 Prozent weniger. "Generell waren Betriebe im Norden Hessens stärker betroffen, als die im Süden", sagt Marie-Christin Mayer vom hessischen Bauernverband. Besonders betroffen sei der Werra-Meißner-Kreis. 

Die Bauern befürchten eine niedrige Kartoffelernte
Die Bauern befürchten eine niedrige Kartoffelernte Bild © picture-alliance/dpa

Auch bei den noch ausstehenden Ernten - Zuckerrübe, Kartoffel und Mais etwa - rechnet der Bauernverband mit Einbußen. Die Hitze zwingt inzwischen so manchen Landwirt zu außergewöhnlichen Arbeitszeiten: So wird ein großer Betrieb rund um Rödermark (Offenbach) in der Nacht zum Mittwoch seinen Mais ernten. Gehäkselt werden kann laut dem Bauern nur nachts, wenn der Mais etwas abgekühlt ist. Das wird schlafsuchende Anwohner kaum freuen.

Welche Unterstützung fordern die Bauern?

Betriebe, die durch den Ernteausfall von der Existenz bedroht sind, sollen nach einer Forderung des Bauernverbands finanzielle Hilfen erhalten. Probleme gibt es auch bei der Futterversorgung, da der dritte Grasschnitt vielerorts wegen der Hitze ausgefallen ist.

"Um die Futterversorgung zu verbessern, fordern wir von den Behörden, dass brachliegende Ackerflächen zu Futterzwecken gemäht werden können", sagt Mayer vom Bauernverband. Diese ökologischen Vorrangflächen werden normalerweise nicht geerntet.

Wie reagiert die Politik auf die Forderungen?

Das Land unterstütze Bauern im Hinblick auf steuerliche Möglichkeiten, sagt die Sprecherin des hessischen Landwirtschaftsministeriums, Julia Stoye: Landwirte könnten entsprechende Anträge mit Verweis auf die aktuell schwierige Lage stellen. Die Finanzämter würden dann schnell entscheiden und im Rahmen der gegebenen Ermessensspielräume die besondere Situation berücksichtigen.

Stoye weist darauf hin, dass in drei Landkreisen - nämlich Kassel, Schwalm-Eder und Werra-Meißner- die Brachen ohne gesonderte Genehmigung zu Futterzwecken genutzt werden dürfen. In den anderen Kreisen seien die zuständigen Bewilligungsstellen angewiesen, die Nutzung in begründeten Einzelfällen zu erteilen.

Wird es für den Verbraucher teurer?

Wie sich die Ernteeinbußen auf die Preise auswirkten, ist noch unklar. Der Bauernverband geht derzeit nicht von steigenden Preise aus. "Vor allem regionale Produkte könnten aber teurer werden", sagt Peter Klingmann, Geschäftsführer von "Gutes aus Hessen", das Agrarmarketing im Auftrag des Landes betreibt.

Es könne auch sein, dass bestimmte Produkte nicht mehr so lange im Handel verfügbar seien. "Kartoffeln aus der Region sind dann vielleicht nur bis März und nicht bis Mai zu kaufen", so Klingmann.

Wie sieht es mit dem Obst aus? Oder: Warum schmecken die Erdbeeren nicht?

Erdbeeren
Die Erdbeerernte war üppig - nicht aber die Qualität Bild © Pixabay

Die Hitze hat das Obst schnell reifen lassen und zu üppigen Ernten geführt. So sind in diesem Jahr in Hessen rund 5.900 Tonnen Erdbeeren gereift, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtet. Mehr als im vergangenen Jahr. Doch: Die Qualität stimmt nicht.

"Viele haben mich gefragt, warum die Erdbeeren nicht schmecken. Das liegt daran, dass es zu heiß war", sagt Marcel Trapp, Obstbauberater im Landesbetrieb Hessen. Probleme gebe es auch bei Beerenobst, das in der Sonne verbrennt, Zwetschgen, die trauern und ihre Blätter abwerfen und Äpfel, die stressbedingt ihre Reife nur vortäuschen. "Gerade Apfelbäume brauchen viel Wasser. Sonst fehlen den Äpfeln die Nährstoffe und damit die Qualität", erklärt Trapp.

Wie wird der Wein?

Weintrauben
Rebstöcke müssen derzeit richtig gut gegossen werden Bild © picture-alliance/dpa

Noch vor einigen Tagen sah es so aus, das die hessischen Winzer die großen Gewinner der Hitze werden könnten. Dass der Jahrgang 2018 besonders gut wird, ist auch weiterhin nicht ausgeschlossen. "Wir können ganz tolle Weine bekommen. Alles ist noch offen. Entscheidend sind die kommenden Wochen bis zur Lese", sagt Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauenverbandes.

Doch inzwischen mache die Hitze auch den Rebstöcken zu schaffen. Betroffen sind vor allem Junganlagen, bei denen die Wurzeln noch nicht so tief in der Erde reichen. Gute Bewässerung ist da nötig: "Derzeit müssen die Weinstöcke mit rund 60.000 Litern Wasser pro Woche und Hektar begossen werden", erklärt Seyffardt.

Erste Probleme gibt es auch in Südhessen: "Vor allem auf Sandböden, die wenig Wasser halten, verfärbt sich das Laub", sagt Gerhard Weiß, Kellermeister der Bergsträßer Winzer eG. Ganz wichtig sei, dass es bald wieder ein bisschen regne - nicht so viel: Denn dann könnten die Trauben faulen und anfällig für Schädlinge werden.