E-Scooter im Winter

Parkverbotszonen auf Weihnachtsmärkten, Sperren bei besonders miesem Wetter und neue wintertaugliche Roller - E-Scooter-Fahrer müssen sich in der kalten Jahreszeit etwas umgewöhnen. Hier die wichtigsten Änderungen.

Die gute Nachricht für alle E-Scooter-Fahrer vorweg: Auch in der kalten Jahreszeit wollen die Verleiher von E-Scootern ihre Roller anbieten. In Frankfurt und Wiesbaden werden Lime und Tier ihre Elektro-Roller verleihen. Außerdem wird Frankfurt noch von den Anbietern Circ und Bird versorgt. Letzterer allerdings will seine Flotte bis zum Frühjahr einmotten.

E-Scooter-Fahrer können also auch im Winter über die Fahrradwege und Straßen rollen - und doch wird sich für sie in der dunklen, kalten Jahreszeit einiges ändern. Der Überblick:

Werden im Winter genauso viele E-Scooter auf den Straßen sein wie im Sommer?

An den lauen Tagen dieses Sommers sah man sie in Frankfurt und Wiesbaden überall: Menschen, die auf E-Scootern unterwegs sind. Auch in der kalten Jahreszeit wollen die Anbieter prinzipiell ihren Betrieb aufrecht erhalten.

"Unsere Scooter bleiben ganzjährig auf der Straße", sagte etwa David Krebs, Sprecher der Vermieter-Firma Tier, hessenschau.de. In Frankfurt stünden rund 1.300 Roller von Tier, in Wiesbaden seien es rund 200.

Der Anbieter stelle sich aber darauf ein, dass es im Winter weniger Nutzer gebe. Aus anderen Ländern wisse man, dass Kälte weniger ausschlaggebend sei als Nässe. "Scheint die Sonne, werden sie genutzt, selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt", so Krebs. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Anbieters Lime: "Lime plant nicht, die Flotte im Winter zu verkleinern", sagte sie hessenschau.de.

Der E-Scooter-Verleiher Bird hingegen hat alle seine Elektro-Roller wieder eingesammelt. Das US-Unternehmen sagt: Im Winter seien die Roller zu gefährlich. Außerdem, würden sowieso weniger Leute welche ausleihen. Im Frühjahr sollen sie wieder verteilt werden.

Wie können die Anbieter den Verleih unterbrechen?

Da man eine App auf dem eigenen Smartphone braucht, um einen E-Scooter auszuleihen, können die Anbieter diesen Service kurzfristig sperren. Das könnte bei Blitzeis oder starkem Schneefall geschehen. "Die Scooter lassen sich aus der Ferne sperren", sagt die Lime-Sprecherin. In jeder Stadt, in der Lime präsent sei, gebe es einen Operations Manager, der darüber kurzfristig entscheiden könne.

Tier-Sprecher Krebs verweist ebenfalls darauf, dass das System abgeschaltet werden könne. "Das war in Wien im vergangenen Winter an fünf Tagen der Fall. Die Nutzer erhalten dann in der App eine Benachrichtigung", sagt er. Die Scooter - sofern sie auf der Straße stehen - seien dann nicht mehr ausleihbar. 

Gibt es Parkverbote auf Weihnachtsmärkten?

Die Anbieter können den Verleih nicht nur sperren, sie können auch Zonen festlegen, in denen die Scooter nicht abgestellt werden dürfen - weil die Fahrt dort dann nicht per App beendet werden kann. In der Weihnachtsmarkt-Saison kann es Einschränkungen in einigen Städten geben. So können in Frankfurt bei den Anbietern Tier und Circ die Roller im kompletten Bereich des Weihnachtsmarkts nicht geparkt werden. Bei Lime gibt es eine Parkverbotszone auf dem Römerberg. In den entsprechenden Apps sind die Zonen rot markiert. Auch in Wiesbaden gibt es Einschränkungen.

Sind E-Scooter überhaupt winterfest?

Wenn man die Anbieter fragt, prinzipiell schon. Lime ging vor vier Monaten mit einem Allwetter-Modell an den Start. Laut der Sprecherin hat der E-Scooter Gen3 breite Reifen, ein breites Trittbrett, helles Licht und das Gefährt wiegt knapp über 20 Kilogramm. "Es ist rutschsicher", sagt sie.

Der Anbieter Tier hat nach eigenen Angaben auch ein neues Scooter-Modell in Deutschland auf die Straße gebracht, das für die Nutzung bei schwierigen Straßenverhältnissen entwickelt wurde. Der neue Scooter hat laut Sprecher Krebs ein größeres Vorderrad, Hinterradantrieb und ein höheres Gewicht für bessere Bodenhaftung. Auch das Licht des Scooters sei heller und damit auf die dunkle Jahreszeit angepasst.

Laufen die Akkus noch bei Kälte?

Heutige Lithium-Ionen-Akkus haben mit Temperaturen bis zu minus 15 Grad keine größeren Probleme, wie Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge sagt. "Da während der Fahrt der Akku Wärme entwickelt, ist Fahren immer die ideale Situation im Winter." Teilweise gehen die Anbieter trotzdem von kürzeren Laufzeiten der Akkus aus, wenn die Temperaturen länger um den Gefrierpunkt bleiben.

Was können E-Scooter-Fahrer selbst tun?

Vorsichtig sein - und vor der Abfahrt prüfen, ob das Wetter scooter-tauglich ist. "Speziell in Bereichen mit Kopfsteinpflaster ist mit einem erhöhten Risiko bei Reif oder Glätte zu rechnen", sagt Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge. Der TÜV-Verband warnt außerdem vor nassem Laub.

Wenn es später hell und früher dunkel wird, ist es noch wichtiger, auf Sichtbarkeit zu achten. Die Polizei empfiehlt Rollerfahrern dasselbe wie Radfahrern: "Helle Kleidung und am besten eine Warnweste." Die Experten raten auch zum Helmtragen.

Was fordern Verkehrsexperten?

Der TÜV-Verband schlägt vor, E-Scooter-Vermieter sollten direkt beim Ausleihen Helme bereitstellen. Bei schlechtem Wetter sollten zudem die Mietangebote gesperrt werden - wie von den Anbietern versprochen. "Bei starker Glätte sollten Vermieter ihre E-Scooter umgehend sperren, um Unfälle zu vermeiden", sagte Frank Schneider, Mobilitäts-Experte des TÜV-Verbandes.

Generell fordert der TÜV-Verband aus Sicherheitsgründen Blinker an E-Tretroller anzubringen. "E-Scooter-Fahrer sollten die Hände unbedingt am Lenker lassen, um die Stabilität des Fahrzeugs nicht zu gefährden", sagte Geschäftsführer Joachim Bühler. Das Abbiegen im laufenden Verkehr führe häufig zu gefährlichen Verkehrssituationen.

Gab es im Herbst bereits mehr Unfälle als im Sommer?

Dazu macht die Frankfurter Polizei auf Anfrage keine konkreten Angaben. Da die kalte Jahreszeit erst begonnen habe, sei es noch zu früh für eine Bilanz, hieß es.

Weitere Informationen

Unfälle mit E-Scootern in Großstädten

Die neuen E-Roller sind in Deutschland seit Mitte Juni zugelassen. Die Polizei berichtet insbesondere in den Großstädten seitdem häufig über Verstöße durch die Nutzer. So wurden des öfteren betrunkene Fahrer erwischt. Auch zahlreiche Unfälle mit Verletzten wurden im Zusammenhang mit E-Scootern registriert.

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