Die Grafik zeigt die Karte Hessen mit den drei Verkehrsverbünden des Landes.

Wer ist eigentlich für den öffentliche Nahverkehr zuständig, wer finanziert die Busse und Bahnen, wer ist für welche Strecken verantwortlich? Fragen über Fragen. Hier die Antworten.

Millionen Pendler nutzen jeden Tag den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Hessen. Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Finanzierung, Verantwortlichkeiten und Strukturen.

Wer ist für den ÖPNV verantwortlich?

Für die Organisation des regionalen Bahn- und Busverkehrs sind in Hessen die Landkreise, kreisfreien Städte und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern zuständig. Dafür haben sie lokale Nahverkehrsgesellschaften und übergreifende Verkehrsverbünde gegründet: den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV). Damit ist ganz Hessen bis auf den Kreis Bergstraße abgedeckt. Dort ist der in Mannheim ansässige Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zuständig.

Zu den Gesellschaftern und Trägern gehört auch das Land Hessen. Zum Gebiet des RMV gehören mehr als 1.000 Linien, knapp 400 Bahnhöfe und 12.000 Bushaltestellen. Er befördert jeden Tag 2,5 Millionen Fahrgäste. Zusammengerechnet umrunden alle Busse und Bahnen im RMV jedes Jahr 5.000-mal die Erde.

Was machen die Verkehrsverbünde?

Sie planen und organisieren den Bedarf an Verbindungen und Fahrten von Regionalzügen, S-Bahnen, Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen, teilweise werden diese Aufgaben von den Nahverkehrsgesellschaften übernommen. Mit der Umsetzung beauftragen sie externe Verkehrsunternehmen. Alleine für den RMV sind über 160 Verkehrsunternehmen tätig.

Dazu zählen Stadtwerke und Busbetriebe sowie Betreiber auf der Schiene wie die Hessische Landesbahn (HLB) und die Deutsche Bahn, die unter anderem den S-Bahn-Verkehr unterhält. Die Verkehrsverbünde sind außerdem für die Finanzierung der Bus- und Bahnleistungen zuständig.

Woher kommt das Geld für den ÖPNV?

Im Jahr 2017 fielen beim RMV Aufwände in Höhe von 1,6 Milliarden Euro an. Davon sind 56 Prozent durch Fahrkartenverkäufe gedeckt. Beim NVV liegt der Kostendeckungsgrad durch Tickets bei 34 Prozent. Der andere Teil der Finanzierung kommt vor allem vom Bund: Er stellt den Ländern Regionalisierungsmittel bereit, die an die Verkehrsverbünde weitergegeben werden. Hinzu kommt Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich, außerdem bezuschusst das Land Hessen den Nahverkehr mit jährlich rund 124 Millionen Euro. Insgesamt erhalten die Verkehrsverbünde so seit 2017 rund 800 Millionen Euro pro Jahr. Das sind rund 20 Prozent mehr als in den Vorjahren.

Wie setzen sich die Kosten für eine Fahrt zusammen?

Anschaffung und Instandhaltung von Fahrzeugen sowie das Personal in Bussen und Bahnen verursachen rund die Hälfte der Kosten. Weitere 20 Prozent fallen als Trassenpreise für die Nutzung der Infrastruktur an. Dazu kommen noch Energiekosten, Umsatzsteuer und Stationskosten im Schienenverkehr. Um Kostensteigungen wie etwa bei Personal und Energie auszugleichen, erhöhen sich die Fahrpreise jedes Jahr im Schnitt um etwa 1,5 Prozent.

Wer ist für die Infrastruktur zuständig?

90 Prozent des gesamten Schienennetzes in Deutschland werden von der DB Netz AG betrieben. Verkehrsunternehmen dürfen die Infrastruktur nutzen, müssen aber Trassenpreise an die Bahn zahlen. Die Bahn ist für Wartung und Reparaturen wie etwa an Signalen, Weichen oder Stellwerken zuständig. Außerdem bezahlen die Verkehrsunternehmen Stationsentgelte an die DB Station & Service AG für das Halten an Bahnhöfen. Instandhaltung und Ausstattung sind Aufgabe der Bahn.

Wer ist für die Züge verantwortlich?

Die Züge werden von den Schienenverkehrsunternehmen bereitgestellt und betrieben. In Verträgen mit den Verkehrsverbünden ist genau geregelt, wie häufig die Verkehrsunternehmen eine Strecke bedienen und wie viele Zugwagen jeweils unterwegs sind, um den Bedarf an Fahrgästen zu decken.

Fallen Züge aus, sind durch eigenes Verschulden verspätet oder haben weniger Wagen als vereinbart, sind die Betreiber der Bahnlinien dafür verantwortlich. Sie müssen dann Strafzahlungen an die Verkehrsverbünde leisten, so genannte Malus-Zahlungen. Im Busverkehr können sich die Verkehrsunternehmen sogar Bonuszahlungen für besonders zuverlässige Leistungen verdienen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 13.12.2018, 19.30 Uhr