Ein Mitarbeiter der ESWE Verkehrsbetriebe lässt den Wasserstoffbus links liegen.

Elf Wasserstoffbusse für Frankfurt, Mainz und Wiesbaden - so lautete der Plan für den öffentlichen Nahverkehr. Doch der Auftrag mit dem Lieferanten platzte. Jetzt wartet die eigens dafür gebaute Tankstelle auf Kundschaft.

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hs
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Schon im Sommer 2019 sollten die ersten städtischen Wasserstoffbusse durch Frankfurt und Wiesbaden rollen. Die beiden Städte hatten im September 2018 gemeinsam mit der Stadt Mainz insgesamt elf Busse mit elektrischem Wasserstoff-Antrieb verbindlich bestellt. Vier davon sollten im Wiesbadener Linienverkehr eingesetzt werden, drei davon in Frankfurt. So der Plan. Doch geliefert wurde bis heute kein Bus.

Al-Wazir Wiesbaden Wasserstofftankstelle

Anders steht es um die Wasserstoff-Tankstelle, die eigens für das hessisch-rheinland-pfälzische "H2-Bus Rhein-Main"-Projekt der drei Städte gebaut wurde. Die neue Tankstelle in Wiesbaden ist inzwischen betriebsbereit - nur fehlen Busse, die betankt werden müssen. Eingeweiht wurde die Wasserstoff-Tankstelle auf dem Betriebsgelände des Wiesbadener Mobilitätsdienstleisters ESWE Verkehr am Donnerstag dennoch mit einem Festakt, an dem auch Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) teilnahm.

Geplatzter Deal mit Lieferanten

Ein geplatzter Deal mit dem beauftragten Lieferanten sei der Grund, wieso es in Wiesbaden nun eine Tankstelle gibt, für die gar keine Nachfrage besteht. "Uns hat der Lieferant, um es mal ganz platt zu sagen, im Stich gelassen. Die Firma hielt dreimal zugesagte Liefertermine nicht ein", erklärt Christian Giesen, Sprecher von ESWE Wiesbaden.

Als Folge hätten die drei Städte den Liefervertrag mit dem Unternehmen Ebe Europa im Dezember 2019 aufgekündigt. Die Firma aus dem bayerischen Memmingen war nach hr-Informationen zum Zeitpunkt der öffentlichen Ausschreibung der einzige Bewerber.

Hessen und Rheinland-Pfalz haben rund zwei Millionen Euro in den Bau der neuen Wasserstoff-Tankstelle investiert.

Städte schreiben den Auftrag neu aus

Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ stieg nach der gescheiterten Lieferung aus dem Projekt aus. Die Stadt Frankfurt bemüht sich nun eigenständig um die Anschaffung von Wasserstoffbussen. Bis 2030 plant Frankfurt die gesamte Busflotte auf Elektrobusse umzustellen - zur Hälfte batterieelektrisch, zur Hälfte angetrieben mit Wasserstoff.

Aktuell befinden sich nach Aussagen von traffiQ rund 340 Busse zu Spitzenzeiten in Frankfurt im Einsatz. Rund 20 Wasserstoffbusse will die Stadt zunächst anschaffen, die ersten davon sollen auf den Linien 30 und 36 eingesetzt werden.

Auch in Wiesbaden soll der Auftrag zur Beschaffung von Wasserstoffbussen ein zweites Mal ausgeschrieben werden. Die neuen Busse sollen dann vor allem Strecken in die ländlicheren Vororte wie Kloppenheim oder Naurod übernehmen. Bis das so weit ist, könnten noch anderthalb Jahre verstreichen, heißt es. Das liege auch an der derzeitigen Situation des Marktes für Wasserstoffbusse.

Mehr Nachfrage als Angebot

Generell sei der Wirtschaftsmarkt in dieser Branche noch nicht auf die steigende Nachfrage aus der Logistikbranche vorbereitet, erklärt Caroline Schäfer von der Landes-Energie-Agentur (LEA). Es gebe noch zu wenig fertiggestellte Fahrzeuge. Auch die Wasserstoffproduktion und die dazugehörige Infrastruktur müsse noch dementsprechend umgebaut werden.

In Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg) besitzt ein Omnibusbetrieb bereits acht Wassserstoffbusse. Einer der Busse der Firma Winzenhöler fährt seit Frühjahr 2019 auf den Linien X71 und 671 des Rhein-Main-Verkehrsverbunds von Darmstadt in den Odenwald. Die anderen Busse werden im Werksverkehr des Industrieparks Frankfurt-Höchst eingesetzt. Dort gibt es auch bereits eine Wasserstoff-Tankstelle für Busse.

Wasserstoff-Tankstelle vorerst im Testbetrieb

Bis die Städte in Zukunft über eigene Wasserstoffbusse verfügen, gelte es, die neue Wasserstoff-Tankstelle in Wiesbaden in Stand zu halten und sich auf eine ordentliche Verkehrsplanung im Testbetrieb vorzubereiten, sagt Christian Giesen von der ESWE. Dazu habe man sich für ein Jahr einen Wasserstoffbus des Unternehmens Winzenhöler ausgeliehen. Dieser Bus, der am Donnerstag präsentiert wurde, soll nach einer Testphase und Schulungszeit für die Fahrer auf Linien mit einer längeren Strecke eingesetzt werden.

Wasserstofftank auf dem Gelände der Tankstelle in Wiesbaden.

Kapazität, Verbrauch und Tankdauer sollen zudem erhoben und das Fahrzeug testweise auf einigen Strecken eingesetzt werden. Die Wasserstoff-Tankstelle benötige zudem regelmäßige Betankungen zur Instandhaltung, damit sich nicht zu viel Druck aufbaue. Der Wasserstoff dafür komme aus dem Energiepark Mainz.

"Es ist im Grunde natürlich wenig Betrieb an der Tankstelle, das muss man fairerweise so sagen", bilanziert Giesen. Die Tankstelle abschalten oder herunterfahren, komme aber nicht infrage: "Das bedeutet einen größeren technischen Aufwand und vor allem auch Kosten." Die Tankstelle werde zukünftig für die Wasserstoff-Fahrzeuge der Städte Wiesbaden und Mainz genutzt, Frankfurt werde die Tankstelle im Industriepark Höchst nutzen - dort sei dann die Kapazität auch ausgeschöpft.

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Zum Wasserstoff-Antrieb

Wasserstoff-Busse, in der Fachsprache Brennstoffzellen-Busse genannt, werden mit umweltfreundlich erzeugtem Wasserstoff als Energiespeicher elektrisch angetrieben. Der Antrieb ist somit völlig emissionsfrei, so dass ein Teil des Öffentlichen Nahverkehrs ohne Schadstoffbelastung durchgeführt werden könnte. Nach Angaben von ESWE Verkehr Wiesbaden haben die Brennstoffzellen-Busse eine Reichweite von rund 300 Kilometern, das Betanken soll weniger als 15 Minuten dauern. Im Unterschied zur anderen elektrischen Alternative, dem batterieelektrischen Bus, kann der Brennstoffzellen-Bus ähnlich weite Strecken wie ein Dieselfahrzeug zürücklegen.

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Sendebezug: hr-fernsehen, hessenschau, 27.02.2020, 19.30 Uhr