Zug der Hessischen Landesbahn

Fast täglich fallen auf den Regionalbahnstrecken im Rhein-Main-Gebiet Fahrten aus. Der Grund: Dem Betreiber, der Hessischen Landesbahn, fehlen schlicht die Lokführer. Die Gründe dafür sind zahlreich.

Wer als Pendler im Rhein-Main-Gebiet auf die Regionalzüge angewiesen ist, tut gut daran etwas Reservezeit einzuplanen. Fast täglich fallen derzeit Fahrten auf den Linien der Hessischen Landesbahn (HLB) aus. Am vergangenen Donnerstag etwa waren gleich vier HLB-Linien betroffen. Der Grund: Personalmangel.

Ein Fünftel der Lokführer krankgeschrieben

Der Landesbahn fehlen schlicht und ergreifend die Lokführer. Bereits seit Längerem beklagt die HLB, dass sie offene Stellen im Führerstand nicht besetzen kann. "Der Markt ist leergefegt", sagt HLB-Pressesprecherin Sabrina Walter. Etwa 30 Lokführer fehlen der HLB eigenen Angaben zufolge derzeit. Kommen dann wie im Moment verstärkt Krankmeldungen hinzu, lässt sich der Betrieb nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten.

Nach Angaben der HLB ist derzeit ein Fünftel ihrer Lokführer krankgeschrieben. Aus Sicht der Lokführer-Gewerkschaft GDL bewegt sich die Landesbahn in einer Art Teufelskreis. Weil so viele Stelle unbesetzt sind, müssen die Lokführer der HLB mehr arbeiten. "Sie sind an der Grenze der Belastbarkeit", sagt GDL-Sprecher Stefan Mousiol. Dies führe dann zwangsläufig zu häufigeren Erkrankungen.

Gewerkschaft und Landesbahn kommen beide zu dem Schluss, dass es derzeit schwierig sei, den Nachwuchs für den Beruf zu begeistern. "Viele junge Menschen scheuen vor Schichtdienst sowie Wochenend- und Feiertagseinsätzen zurück", sagt HLB-Sprecherin Sabrina Walter. Zudem sei die Ausbildung mit zweieinhalb bis drei Jahren vergleichsweise zeitaufwendig.

Gewerkschaft sieht auch Fehler der HLB

Ein Großteil der Probleme der HLB betrifft die gesamte Branche. "Man hat im Zuge des damals geplanten Börsengangs der Deutschen Bahn die Ausbildung extrem vernachlässigt", sagt GDL-Sprecher Mousiol. Zudem habe das "ständige Gerede" von automatisierten Fahrten den Eindruck erweckt, dass es den Berufsstand bald nicht mehr gebe..

Doch die Gewerkschaft sieht auch hausgemachte Probleme bei der HLB. So sei etwa die Dienstplangestaltung intransparent. Für Bewerber sei in der Jahresplanung nur schwer erkennbar, wann sie eingesetzt würden. Das mache die HLB als Arbeitgeber weniger attraktiv. Die Landesbahn hingegen verweist auf hr-Anfrage darauf, dass die Lokführer ihre Schichtpläne in der Regel mit zwei Monaten Vorlauf erhielten.

Einig hingegen sind sich GDL und HLB darin, dass sich der akute Mangel so schnell nicht wird beheben lassen. Für die Pendler in der Region heißt es also vorerst: Weiter mit Zugausfällen rechnen und etwas Extra-Zeit einplanen.