Lebensmittelkontrolleur kontrolliert Vakuum in einem Gurkenglas

Wenn jemand für Arbeit unter hohen Hygienestandards ausgebildet ist, dann Lebensmittelkontrolleure. Problem: Es gibt viel zu wenige von ihnen. Mit Corona wird die Arbeit noch mehr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona verschärft die Lage für Lebensmittelkontrolleure

Lebensmittelkontrolleur untersucht ein Brathähnchen
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In Frankfurt hätten die Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr zu 6.536 Plankontrollen aufbrechen müssen. Tatsächlich schafften sie nur 3.104, das ist nicht einmal die Hälfte des Solls. Man habe zu wenig Fachpersonal, sagt Detlef Thiele, Leiter der Abteilung Veterinärwesen im Ordnungsamt: "Das ist natürlich nicht zufriedenstellend, das ist doch völlig klar."

Gerade einmal 17 Kontrolleure für rund 8.500 Betriebe

Über 17 Lebensmittelkontrolleure verfügt die Stadt Frankfurt. Sie müssen rund 8.500 Betriebe im Auge haben, und eigentlich sind es derzeit noch nicht einmal 17 Prüfer, wie Thiele erklärt: "Drei dieser Stellen sind mit Fortzubildenden besetzt, sie befinden sich in einer zweijährigen Ausbildung. Von den 14 fertig ausgebildeten Lebensmittelkontrolleuren arbeiten drei in Teilzeit."

Zwar fordere auch die Fachaufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, seit Jahren mehr Stellen, sagt der Veterinärdirektor. Das kostet. "Wir sind in Gesprächen mit dem Personalamt und der Stadtkämmerei, um die Situation anzupassen", sagt Thiele. Vier neue Stellen konnte er 2019 schon schaffen. Doch immer noch sind es zu wenige.

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Lebensmittelkontrolleure

Gaststätten, Bäckereien, Metzgereien und sonstige Lebensmittelbetriebe, Kosmetikhersteller und Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln nehmen sie unter die Lupe. Bei ihren unangekündigten Besichtigungen suchen sie nach Missständen, achten vor allem auf Sauberkeit. Und darauf, dass nur zulässige Zutaten sicher verarbeitet und richtig gekennzeichnet werden. Die Hygienebesuche sind vorgeschrieben.

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Auch im Lahn-Dill-Kreis ist die Lage angespannt. Fünf Prüfer-Stellen gibt es für rund 2.400 Betriebe, nicht alle Stellen sind voll besetzt. Mangels verfügbarer fertiger Lebensmittelkontrolleure, sagt Veterinärdirektorin Claudia Eggert-Satzinger, bilde der Kreis selbst aus. Das dauert.

Und: "Die Bewerber kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Weil in Hessen die Landkreise durch die Kommunalisierung aber unterschiedlich bezahlen, kommt es vor, dass Bewerber nach der aufwendigen Weiterbildung den Lahn-Dill-Kreis wieder verlassen."

Kontrolleure wegen Corona auf Stand-by daheim

Diese permanent prekäre Situation verschärft die Corona-Krise nun. Wegen des Kontaktverbots fanden in den vergangenen Wochen im ganzen Land nur stark eingeschränkte Kontrollen statt. Die Kommunen folgten damit auch einer Empfehlung der EU.

In Frankfurt verschlechterte sich die ohnehin maue Quote der Kontrollen noch. "Weil die Mitarbeiter nicht mehr raus sollten, blieben viele Lebensmittelkontrolleure im Stand-by-Modus daheim und fuhren nur noch bei Notfällen raus", schildert Abteilungsleiter Thiele. Gab es im März 223 Hygienebesuche, waren es im April 70. "Im Vergleich dazu hatten wir voriges Jahr im März 498 und im April 482 Kontrollen", sagt Thiele.

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Eingeschränkte Kontrollen

In der Stadt Offenbach können Kollegen mit Vorerkrankungen zurzeit nur im Innendienst arbeiten. Im Odenwaldkreis fanden bis 3. Mai keine Routinekontrollen statt, nur dringende Fälle wurden erledigt. Alle vier Lebensmittelkontrolleure der Kreisverwaltung Rheingau-Taunus waren im Homeoffice, das sie anlassbezogen verließen.
Im Hochtaunuskreis unterstützten die Mitarbeiter des Veterinäramts das Gesundheitsamt. Im Vogelsbergkreis wurden die Termine im Außendienst auf ein notwendiges Maß beschränkt, wie es hieß. Erst mit den Lockerungen des Kontaktverbots soll der Betrieb wieder normal laufen.

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Nun laufen die Routinekontrollen wieder an. Ziel ist natürlich die Wiederherstellung des Normalzustands. Aber neue Abläufe in den Kontrollen werden bleiben - und am 15. Mai dürfen die Gaststätten in Hessen wieder öffnen, eingeschränkt zwar, umso mehr sollte es mit rechten Dingen zugehen.

Neue Geschäftsmodelle, neue Abläufe

Die Kontrolleure müssen sich und die Mitarbeiter der Betriebe möglichst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen. Das bedeutet, dass sie Schutzkleidung und Masken tragen und noch mehr auf Hygiene achten müssen. Das kann auch bedeuten, dass sie die Kontrollen in die frühen Morgenstunden verlegen, weil dann im Supermarkt noch wenige Menschen sind.

Dazu kommt, dass Gastronomen in der Corona-Krise neue Geschäftsideen entwickelt, auf Lieferdienste und Take-away umgestellt haben. Auch das sollen die Kontrolleure absegnen. Lahn-Dill-Veterinärdirektorin Eggert-Satzinger: "Wir bekommen gerade viele Anfragen von Lebensmittelbetrieben zu Produktion und Abgabemöglichkeiten, zu Außer-Haus-Lieferung und zu Kennzeichnungsvorgaben."

Fingerspitzengefühl bei Kontrollen

Angst um die Kollegen hat der Frankfurter Veterinärdirektor Thiele nicht: "Lebensmittelkontrolleure sind aufgrund ihrer Ausbildung bestens auf die Arbeit in der Corona-Situation vorbereitet. Und sind jetzt mit Atemschutzmasken, Schutzhandschuhen und Desinfektionsmittel unterwegs."

Vielmehr rät Thiele den Kontrolleuren bei ihren derzeitigen Vor-Ort-Besuchen zu reichlich Fingerspitzengefühl. Es sei, sagt er, "natürlich auch so, dass die Betroffenen durch Corona sehr angespannt sind. Die Einnahmen sind weggebrochen." Kurzum: "Die Personen die wir kontrollieren, sind in keiner guten Verfassung." Zugleich können Kontrolleure im Sinne der Verbraucher schlechterdings mal ein Auge zudrücken. Ein Balanceakt.

Und eine Kraftanstrengung. Bereits in den kommenden zwei, drei Wochen wollen die Frankfurter Lebensmittelkontrolleure wieder 70 bis 80 Prozent von ihrem Pensum vor der Krise schaffen.

Sendung: hr-iNFO, 08.05.2020, 9.40 Uhr