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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gegen Bundestrend: Arbeitslosenquote in Hessen im Dezember leicht gesunken

Die Grafik zeigt die Arbeitslosenquote, die sich für den Dezember 2020 bei 5,5% befindet.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Dezember trotz Corona-Pandemie und Lockdown leicht gesunken. Doch der Vergleich mit dem Vorjahr offenbart die drastischen Auswirkungen der Krise. In den kommenden Monaten könnte sich das noch verschärfen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Dezember minimal zurückgegangen, zum vierten Mal in Folge. Sie sank im Vergleich zum November um rund 860 auf 187.189, wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote verringerte sich damit um 0,1 Punkte auf 5,4 Prozent.

Ein leichter Rückgang der Arbeitslosenzahlen ist für den Dezember typisch, da im Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft anläuft und oftmals auch noch draußen gearbeitet werden kann. Doch ein Vergleich mit dem vergangenen Jahr zeigt, wie sehr die Krise schadet: Im Dezember 2020 war etwa ein Viertel mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahresmonat, so Frank Martin, Geschäftsführer der Regionaldirektion Hessen.

Insolvenzen und Personalabbau erwartet

Für das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 nannte die Direktion einen Durchschnittswert von rund 185.000 Arbeitslosen. Das war im Vergleich zu den 150.000 im Vorjahr eine Steigerung um 23 Prozent. "Wir haben einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit", so Martin, "aber das Ganze ist noch durch die staatlichen Programme nennenswert abgefedert worden."

Doch für viele Unternehmen werde die Situation mit jedem weiteren Tag des Lockdowns schwieriger. Bis Ende Januar ist die Insolvenzantragspflicht für krisengebeutelte Unternehmen noch ausgesetzt. "Ab Februar kann man aber davon ausgehen, dass die Zahl der Insolvenzen auf jeden Fall nach oben geht." Wie stark der Anstieg ausfallen wird, werde man dann erst sehen.

Die Krise sorge außerdem für einen strukturellen Wandel, der in einzelnen Branchen beschleunigt werde, in anderen erzwungen. Martin rechnet deswegen in einigen Bereichen wie der Automobilindustrie, der Luftfahrt, aber auch dem verarbeitenden Gewerbe mit einem Personalabbau in den nächsten Monaten und im gesamten Jahr 2021.

Problem Ausbildungsmarkt

Mit Sorge blickt Martin auch auf die Entwicklung des Ausbildungsmarkts in diesem Jahr. "Wir sind sicherlich im Herbst noch mal mit einem blauen Auge davongekommen, weil viele Verträge schon geschlossen wurden." Jetzt im Winter müssten eigentlich viele Praktika, Beratungs- und Vorstellungsgespräche für den kommenden Ausbildungsbeginn laufen, so Martin. Doch vieles sei nicht möglich. "Das wird uns, fürchte ich, in den nächsten Monaten noch große Probleme bereiten."

DGB besorgt über Entwicklung

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen blickt nach eigenen Angaben besorgt auf die gewachsene Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt. "Im zurückliegenden Corona-Jahr konnte massenhafte Arbeitslosigkeit vermieden werden. Dies ist allein dem Instrument der Kurzarbeit und einer stark aufgestellten Arbeitslosenversicherung zu verdanken", so der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph.

Sendung: hr1, 05.01.2020, 10 Uhr