Dispo Zinssätze

Die Umsätze rauschen in den Keller, es gibt Lieferengpässe, Mitarbeiter fallen krankheitsbedingt aus: Die Corona-Krise bringt viele Unternehmen in Schwierigkeiten. Es gibt zwar Finanzhilfen, aber ganz so einfach sind die auch nicht zu bekommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Staatshilfen sollen Unternehmen in der Coronakrise helfen

Ein "Geschlossen"-Schild an einer Buchhandlung in Kassel
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Thomas Zaun und seine Frau brauchen dringend finanzielle Unterstützung. Ihr Herzensprojekt steht auf der Kippe. Vor fünf Jahren haben sie eine Vereinsgaststätte im Landkreis Marburg-Biedenkopf umgebaut. Dort richten sie seitdem Hochzeitsfeiern und Firmenjubiläen mit bis zu 800 Gästen aus.

Doch solche Großveranstaltungen darf es seit dem Ausbruch des Corona-Virus nicht mehr geben. "Unser Unternehmen steht still, obwohl unsere Auftragsbücher gut gefüllt wären." Auch wenn der Firmengründer grundsätzlich optimistisch ist, die aktuelle Situation macht ihm zu schaffen: "Wir können selbst nichts daran ändern und nur hoffen, dass das Ganze am Ende für uns gut ausgeht."

Es fehlen bis zu 300.000 Euro

Seine einzige Mitarbeiterin, seine Ehefrau, hat Thomas Zaun mittlerweile in Kurzarbeit geschickt, seine 150 Minijobber bis auf Weiteres beurlaubt. Obwohl er keine Einnahmen hat, muss er weiter Rechnungen bezahlen, etwa für Strom und Gas. Auch laufende Kredite muss er weiter bedienen. Um das nächste halbe Jahr zu überstehen, braucht Familie Zaun bis zu 300.000 Euro extra. Helfen soll nun die eigene Hausbank, die VR-Bank Lahn-Dill.

Dort steht das Telefon nicht mehr still, berichtet Bankberater Uwe Posingies: "Ganz viele Kunden haben Existenzängste und bombardieren uns mit Fragen." In erster Linie geht es dabei um die Corona-Hilfen, die die Bundesregierung und die Förderbank KfW angekündigt haben. Um spezielle Förderkredite, die Unternehmer wie Thomas Zaun über die VR-Bank beantragen wollen.

Dafür müssen die Betriebe auf der einen Seite nachweisen, dass sie vor der Krise intakt waren, erzählt Bankberater Posingies: "Das ist relativ leicht." Es reicht, etwa per E-Mail Standard-Dokumente einzureichen, zum Beispiel den letzten Jahresabschluss.

Viele Unternehmen tun sich mit Anträgen schwer

Auf der anderen Seite sollen die Unternehmen berechnen, wie hoch der Förderkredit sein soll, damit sie damit die Corona-Krise überstehen. "Da wissen viele nicht, was sie wirklich brauchen und wie lange die Situation so bleiben wird", meint Posingies. Das stelle viele vor enorme Probleme.

Der Bankberater empfiehlt, dass sich die Unternehmer überlegen, wie sie bis zum Ende des Jahres durchhalten können. Auf einer DIN-A-4-Seite können sie formlos eine entsprechende Rechnung aufmachen. Die werde man nicht nachrechnen, sondern nur prüfen, ob sie plausibel sei, sagt Posingies: "Wichtig ist, dass die Unternehmen in der Lage sind, diese Kredite wieder zurückzahlen."

Hilfe innerhalb weniger Tage möglich

Es gibt Darlehen mit einer Laufzeit von fünf Jahren – zu einem Prozent Zinsen für kleine Unternehmen, bei größeren Unternehmen sind es zwei Prozent. "Sobald die Unternehmen alle erforderlichen Unterlagen eingereicht haben, kann das Geld bereits innerhalb weniger Tage auf ihrem Konto sein", sagt Posingies.

Nach Angaben der KfW sind speziell für die Corona-Hilfen bereits Anträge mit einem Volumen von über drei Milliarden Euro eingegangen. Die VR-Bank helfe ihren Kunden außerdem auch dadurch, dass sie bereits laufende Kredite vorübergehend aussetzt.

Sendung: hr-iNFO, 27.03.2020, 07.35 Uhr