Bier im Glas

Allmählich sinkender Bierkonsum - daran haben sich die Brauereien gewöhnt. Doch in der Corona-Krise bricht die Nachfrage dramatisch ein. Unternehmen in Hessen bleiben vor allem auf ihrem Fassbier sitzen.

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hesssenschau vom 19.05.2020
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Rund 100 Liter Bier trinkt der Durchschnittsverbraucher in Deutschland in einem Jahr. Das ist weniger als früher, reicht aber noch immer für einen Platz in der Weltspitze. Wegen der Corona-Krise rechnen die Brauer in Hessen nun mit drastischen Umsatzeinbrüchen. Geschlossene oder dünn besetzte Kneipen, keine großen Feste - das alles senkt den Bierabsatz enorm.

20 Prozent Einbuße - oder mehr

Obwohl das öffentliche Leben nach den strengen Ausnahmebedingungen langsam wieder anläuft, haben Brauer noch lange keine Aussicht auf Normalität. "Jetzt hat es die Delle gegeben und ich weiß nicht, wo ich Licht am Ende des Tunnels sehen soll", sagte Wolfgang Köhler, Vorsitzender des Brauerbundes Hessen und Rheinland-Pfalz, der Deutschen Presse-Agentur.

Deutschlandweit schätzt er derzeit die Umsatzeinbußen durchschnittlich auf rund 20 Prozent, in der Spitze könnten es bei Unternehmen aber auch bis zu 60 Prozent werden. Vor allem beim Fassbier gebe es Einbrüche.

"Sehr schwierige Situation"

"Wir werden es überleben, es ist aber eine sehr schwere Situation", sagte Emmanuelle Bitton-Glaab von der Geschäftsführung der traditionsreichen, kleinen Familienbrauerei Glaabsbräu in Seligenstadt (Offenbach). Gastronomen würden für die kommenden Monate mit Einbußen von 30 bis 40 Prozent beim Umsatz rechnen. In Hessen komme die Fünf-Quadratmeter-Regelung für jeden Gast erschwerend hinzu, deswegen würden einige Wirte erst gar nicht aufmachen.

Die kleine Brauerei, deren 16 Mitarbeiter mehrheitlich in Kurzarbeit seien, habe einen Fassbieranteil von 60 Prozent. "Wir haben das Glück, dass wir keinen Investitionsstau haben", sagte Bitton-Glaab mit Blick auf die erst 2015 fertiggebaute neue Brauerei.

Probleme verschärft

Vor genau diesem Investitionsstau stand die Pfungstädter Brauerei schon vor der Corona-Krise. Ein potenzieller Investor für die angeschlagene Pfungstädter Brauerei Hildebrand GmbH & Co. KG hatte sich im Februar aus dem Verkaufsprozess für das Traditionsunternehmen zurückgezogen.

Man sei guter Hoffnung im Sommer eine Lösung zu finden, sagte Geschäftsführer Stefan Seibold. Hinzu kommen jetzt die Probleme durch die Pandemie. Der Fassbierabsatz sei eingebrochen, die Hälfte des Unternehmens auf Kurzarbeit gesetzt. "Wir bauen darauf, dass es jetzt wieder anzieht."

Freibier statt Verfall

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bierbrauer in der Krise

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In der Zwischenzeit stehen bei Brauhäusern, Getränkehändlern oder Clubs noch unberührte Bierfässer im Keller, deren Haltbarkeit abläuft. Manche von ihnen werden in der Not erfinderisch - oder spendabel: Die Disco "Utopia" in Geismar (Waldeck-Frankenberg) verschenkte zuletzt Freibier. Zehn Liter pro Person so lange der Vorrat reicht, Interessenten mussten eigene Gefäße mitbringen.

In Trebur (Groß-Gerau) saß Getränkehändler Markus Manthey auf 1.000 Liter Bier, die er nicht mehr los wurde. Kuzrfristig lieh er sich eine mobile Zapfanlage und fuhr damit durch die Gemeinde, um frisch gezapftes Bier zu verteilen. Anwohner konnten sich den Bierwagen für 20 Minuten bestellen, damit die fahrende Kneipe vor der eigenen Tür halt macht.

Auch das Brauhaus in Willingen (Waldeck-Frankenberg) entschied sich Anfang Mai zu einer Gratis-Aktion, damit die Überproduktion nicht vernichtet werden muss. Mehr als 1.000 Bierflaschen wurden verschenkt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.05.2020, 19.30 Uhr