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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So vermeiden Sie Streit ums Geld

Ein Paar sitzt auf einer Couch, vor sich einen Laptop. Beide schauen angespannt.

Beim Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Aber gilt das auch für die Liebe? In vielen Partnerschaften gibt es Streit ums Geld. Ein Drei-Konten-Modell kann helfen und eine Frankfurter Therapeutin rät zu regelmäßigen Gesprächen.

Streit ums Geld, das kennt Paartherapeutin Nicole Keßel aus ihrer Arbeit sehr gut. In ihrer Frankfurter Praxis kommt dieses Thema sehr oft zur Sprache. "Geld ist in Beziehungen ein ganz häufiges Streitthema. Vor allem, wenn die Ressourcen ungleich verteilt sind." Sobald eine Paarhälfte deutlich mehr verdient als die andere, kann das ordentlich Zündstoff geben.

Eine junge Frau mit dunkelblonden Haaren und weißem Oberteil lächelt in die Kamera.

"Das Geld wird zum Streitthema, weil es natürlich viele Bereiche unseres Lebens bestimmt", erklärt Keßel. Das fange schon bei der Frage an, ob man zusammen Urlaub machen könne, oder gemeinsam etwas anschaffe. Häufig kommt es aber auch zu Konflikten wenn beide wenig verdienen. "Das ist wie mit allen Ressourcen: Je weniger Geld da ist, desto schwieriger ist es in einer Beziehung."

Ohne Kommunikation geht es nicht

Der wichtigste Tipp, den sie geben kann: "Offen und regelmäßig über Finanzen sprechen." Das stellt auch Finanzberater Mike Backat aus Rodgau in Gesprächen immer wieder fest: "Man merkt, das Paar hat über einige Dinge einfach noch nie richtig gesprochen."

Den meisten Paaren rät er zu einem Drei-Konten-Modell. Das sieht so aus: Beide zahlen auf ein gemeinsames Konto eine bestimmte Summe ein, von dem alle Kosten für gemeinsame Ausgaben wie Miete, Wocheinkauf oder den Streaminganbieter abgehen. Der Rest des Geldes bleibt auf dem eigenen Konto. "Da kann jede dann selbstbestimmt und nur für sich Käufe tätigen, oder auch irgendwelchen Hobbys nachgehen." Das vermeide Streit darüber, ob eine bestimmte Anschaffung jetzt wirklich nötig gewesen sei oder nicht.

Eigene Kosten vom eigenen Konto zahlen

Dieses Modell klappt bei Rebecca Vainstain und ihrem Mann Lukas gut. "Es gibt bei mir viele große Posten, die Lukas nicht treffen: Ich habe zum Beispiel ein Auto, er einen Firmenwagen. Außerdem habe ich ein Pferd und hohe Ausbildungskosten." Auch, wenn die 27-Jährige das alles selbst finanziert, hat sie ihren Partner bei allen Entscheidungen mit einbezogen.

"Wir hatten deshalb auch noch nie Streit wegen Finanzen", sagt die angehende Kinder- und Jugendtherapeutin aus Dietzenbach. Sie will finanziell unabhängig von ihrem Mann sein. Für sie bedeutet das, dass sich zwar beide gegenseitig finanziell unterstützen, aber auch beide ein eigenes Einkommen haben. Sie denkt dabei an die Zukunft: "Damit, wenn irgendwann mal was passieren sollte, keiner dasteht und kein Geld hat."

So gelingt finanzielle Unabhängigkeit

Gerade bei Frauen sei finanzielle Abhängigkeit ein großes Thema, weiß auch Psychologin Keßel. Besonders Frauen über 50 bekämen bei einer Trennung oft massive finanzielle Probleme. "Weil sie vielleicht wegen der Kindererziehung nie gearbeitet haben." Diesen Frauen fiele eine Trennung deshalb häufig schwer.

"Wenn ich in einer Beziehung bin, die vielleicht einfach an verschiedenen Ecken und Enden ein bisschen schwierig geworden ist, kann man vielleicht akzeptieren, aufgrund der finanziellen Situation in so einer Beziehung zu bleiben", meint die Expertin. "Wenn ich aber in einer Beziehung stecke, die mich psychisch oder auch physisch krank macht, dann ist es natürlich sehr, sehr schwierig."

Ein junger Mann mit blonden Haaren lächelt in die Kamera. Er trägt einen Anzug.

Mike Backat rät seinen Kundinnen deshalb, selbst für Altersvorsorge, Geldanlagen und Versicherungen aufzukommen. So können diese Dinge auch dann weiterlaufen, wenn die Beziehung nicht mehr existiere. Auch solle man bei sehr ungleichen Gehältern darauf achten, den Lebensstandard nicht zu hoch zu setzen, selbst wenn ein Part sich das leisten könne.

Also zum Beispiel lieber eine Wohnung mieten, die auch die Person, die weniger verdient im Zweifel alleine bezahlen kann. Mit dem vielen Geld, das dann übrig bleibe, könne man dann zusammen schöne Unternehmungen machen. Hilfreich sei es auch, wenn der Partner mit dem niedrigeren Einkommen alltägliche Dinge, wie Lebensmittel bezahle, da er diese Kosten im Falle einer Trennung auch weiterhin stemmen müsse. Dies sei eine gute Möglichkeit, um die tatsächlichen Lebenshaltungskosten nicht ausufern zu lassen.

App statt Haushaltsbuch

Einen guten Überblick über die Finanzen zu haben, sei vor allem dann wichtig, wenn in Beziehungen generell wenig Geld vorhanden sei. Wenn man gerade so die Lebenshaltungskosten stemmen könne, sei es sinnvoll, nur ein gemeinsames Konto zu haben. "Da müssen dann aber auch beide drauf achten und ganz deutlich besprechen: 'Was wollen wir in dieser Woche, oder diesem Monat ausgeben und wofür?'", meint der Experte.

Helfen könnten hier diverse Apps, die das Haushaltsbuch ersetzen: "So sieht jede gleich, was der oder die andere ausgibt." Transparenz und Kommunikation seien der Schlüssel sowohl zum Finanz- als auch Liebesglück.

Sendung, hr4, 06.04.2021, 11:14