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Audioseite Rowenta-Bügeleisenwerk in Erbach wird geschlossen

Eine Rowenta-Mitarbeiterin fertigt ein Bügeleisen im Werk in Erbach (Archivbild von 2007)

Die Traditionsmarke Rowenta schließt 2022 ihr traditionsreiches Bügeleisen-Werk in Erbach. Das Unternehmen teilt mit, der "drastische Rückgang der Nachfrage nach Bügeleisen" lasse ihm keine Wahl.

Vielleicht haben Sie selbst eines zu Hause, wenn auch womöglich seit langem nicht benutzt: ein Rowenta-Bügeleisen. Vielleicht wurde es in Erbach gefertigt. Doch aus dem Odenwald kommt bald kein neues Bügeleisen mehr. Das Werk soll zum 30. Juni 2022 geschlossen werden.

Davon betroffen sind alle rund 160 Mitarbeiter, wie die Rowenta am Freitag dem hr bestätigte. Der Grund: Die Nachfrage nach Bügeleisen sei seit mehreren Jahren "drastisch" rückläufig. Entsprechend sanken Absatz- und Umsatzzahlen kontinuierlich. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Hinzu komme der seit Jahren anhaltende Preisdruck durch die Billig-Konkurrenz auf dem für das Unternehmen wichtigen US-Markt.

Erbacher enttäuscht über Werksschließung

Die Entscheidung zur Werksschließung sei aus diesen Gründen "unumgänglich geworden", hieß es. Man sei bemüht, gemeinsam mit dem Betriebsrat Lösungen zu erarbeiten, "um die Auswirkungen auf jede Mitarbeiterin und Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten", teilte die Geschäftsführung mit. Das Odenwälder Echo hatte zuerst über die Pläne berichtet.

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Die Menschen in Erbach zeigten sich enttäuscht. Der Wegfall von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen sei natürlich schlecht für die Region, so der einheitliche Tenor. "Die Nachricht hat mich heute Morgen bedrückt", sagte ein Mann dem hr.

Ob sie selbst noch bügeln, darüber gingen die Aussagen der Befragten auseinander. "Ich habe nur Polo-Shirts, die ich dreimal schüttle", sagte ein Mann. "Natürlich bügle ich noch. Wir bräuchten mal ein neues Bügeleisen. Vielleicht kaufe ich noch eines von Rowenta", sagte ein anderer. Eine ältere Dame meinte: "Die jungen Leute bügeln nicht mehr."

Homeoffice und Lockdown als Bügeleisen-Killer

Aus Sicht von Rowenta verstärken die Corona-Pandemie und die zunehmende Nutzung des Homeoffice den sinkenden Bügeleisen-Absatz. Das können wohl alle, die selbst am heimischen Tisch in oftmals legerer Kleidung ihre Büroarbeit erledigen, nachvollziehen.

Mit dem Lockdown fällt auch die Kleiderwahl für den Abend leider weg. Und wenn tatsächlich mal ein knitterfreies Oberteil benötigt wird, nutzen viele den Reinigungsladen des Vertrauens um die Ecke. So kommt auch für Sandra Hartmann das Rowenta-Aus in Erbach nicht überraschend. Ihr Eindruck: "Viele Menschen lassen lieber den Profi ran, das geht schnell und ist ordentlich", sagt die gelernte Hauswirtschafterin aus Fulda.

"Das Bügeleisen wird nie ausgedient haben"

Während der Corona-Pandemie ging das Arbeitsaufkommen beim Bügeln für Hartmann und ihre Kolleginnen in einer Reinigung in der Fuldaer Innenstadt zwar etwas zurück. Die Menschen hätten sich wieder häufiger die Zeit dafür genommen. Aber das sei bei vielen "nach hinten losgegangen", weil das Endergebnis nicht wie gewünscht ausgefallen sei, hat Hartmann beobachtet.

Hartman sagt aber auch: "Das klassische Bügeleisen wird nie ausgedient haben." Das wird allerdings für die Rowenta-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in Erbach kein Trost sein.

Hauswirtschafterin und Reinigungsangestellte mit Bügeleisen

Rowenta wurde 1909 vom Offenbacher Industriellen Robert Weintraud ins Leben gerufen. Bis in die 1990er Jahre gab es auch ein Rowenta-Werk in Offenbach. Das Rowenta-Werk in Erbach gibt es seit über einem halben Jahrhundert. 2005 mussten dort über 200 von insgesamt 575 Mitarbeitern gehen. Die damalige Geschäftsleitung hatte beschlossen, vermehrt Billigbügeleisen in China produzieren zu lassen. Für das Werk in Erbach gab es zwar eine strategische Neuausrichtung inklusive Investitionen. Doch 2009 wurden weitere Stellen gestrichen. Seit 1988 gehört die Marke zur französischen SEB-Gruppe.

Sendung: hr4, 19.03.2021, 18.48 Uhr