"Azubis gesucht" steht auf einem Banner am Stand beim Forum Berufsstart Mitteldeutschland.

Einen guten Einstieg in die Berufswelt zu finden, ist schon schwer genug - in Corona-Zeiten umso schwieriger. Tipps und vor allem gute Informationsquellen können helfen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bildungsmesse hilft bei Berufseinstieg

Das Wort Ausbildung wird auf einen Zettel geschrieben.
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Der Übergang von der Schule in die Berufswelt ist für junge Menschen derzeit eine enorme Herausforderung. Wegen der Corona-Pandemie verläuft die wichtige und wegweisende Phase der Berufsorientierung anders als sonst, vor allem schwieriger: Berufsinformationszentren (BiZ) sind geschlossen, Info-Messen finden nicht statt - und wenn dann nur online, wie jüngst in Fulda. Job-Berater können ebenso wenig in die Schulen kommen. Sinnvolle Praktika sind angesichts von Homeoffice-Regelungen kaum möglich.

Hinzu kommt: Laut Arbeitsagentur hat sich die Lage auf Hessens Ausbildungsmarkt deutlich verschlechtert. "Aktuell wollen weniger Betriebe ausbilden als noch im letzten Jahr", sagte Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.

Bewerber-Zahl gesunken

Auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber sei gesunken. So hätten sich im Februar 22.681 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen gemeldet - 15,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen sank um fast 13 Prozent auf 25.113.

Der Vergleich mit einem Blick auf die Situation im Vorjahr hinkt dabei. Martin erklärt: "Beim ersten Lockdown im März 2020 hatten bereits viele Jugendliche ihre berufliche Orientierung abgeschlossen, und viele Bewerbungsprozesse waren weit vorangeschritten oder sogar abgeschlossen."

Nun sind Politik, Verbände und Firmen gefordert. Die zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, warnte bereits: "Wir müssen eine Generation Corona unter allen Umständen verhindern." Die Auswirkungen könnten verheerend ausfallen: Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz, und für die Unternehmen spitzt sich der Fachkräfte-Mangel zu.

Vielen freie Stellen

Doch Schulabgängern bieten sich bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im Spätsommer noch viele Optionen. Martin betont: "Aktuell findet man allein in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit noch viele freie Ausbildungsstellen in Hessen."

hessenschau.de hat Tipps für die Suche nach Informationen und Anlaufstellen zur Berufsorientierung zusammengestellt:

  • Am Besten starte man, indem man die eigenen Interessen und Stärken betrachtet, rät Angela Köth von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Es müsse Klarheit her, in welche Richtung es gehen soll: duale Ausbildung, Studium, freiwilliges soziales/ökologisches Jahr oder etwa Bundeswehr?
  • Hilfe bietet die Seite AusbildungKlarmachen. Sie bündelt Infos und Angebote: von Tipps für die Berufswahl und dem Online-Erkundungstool "Check-U" über das persönliche Gespräch mit der Berufsberatung – etwa per Video. Zudem gibt es dort weiterführende Links und Checklisten. Themen und Termine - etwa für Online-Vorträge, virtuelle Ausbildungsmessen und digitale Speed-Datings - gibt es hier.
  • Tipps und Tricks gibt es in Artikeln und Berufswahl-Magazinen auf planet-beruf.de. Die Arbeitsagentur bietet auch ein Filmportal rund um Berufe an. Bei Berufenet findet man Grundlagen zu unterschiedlichen Tätigkeiten. Als Info-Quelle auf dem Handy bietet sich die App AzubiWelt an.

IHK bietet virtuelle Besuche an

Das Problem der durch Corona erschwerten Berufsorientierung hat auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) erkannt. Um ein praxisnahes Angebot zu schaffen und gleichzeitig den Aufwand für Unternehmen und Schulen gering zu halten, finden bis zu den Sommerferien in einer Pilotphase virtuelle Betriebsbesuche statt.

Jeden Donnerstag von 10 bis 11 Uhr wird jeweils ein Unternehmen aus den IHK-Regionen Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden einen Besuch anbieten. Schulklassen, einzelne Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und Interessierte können sich in die Veranstaltung einwählen. Hier gibt es eine Termin-Liste.

Interaktive Landkarte als Orientierung

Die IHK hat auch eine interaktive Landkarte erstellt, auf der man mit wenigen Clicks zum passenden Beruf oder Ausbildungsplatz kommen soll.

Die Berufsinformationsmesse in Fulda wurden vor Kurzem erstmals online veranstaltet. Der Zuspruch war allerdings durchwachsen. Während sich sonst mehr als 10.000 junge Menschen in der Esperantohalle tummelten, wollte online nur ein Viertel der bisherigen Teilnehmer mitmachen.

Lethargie macht sich breit

Anni Bindewald von der Stadtverwaltung Fulda hat eine Erklärung für die Zurückhaltung. Die Schülerschaft sei durch die Corona-Pandemie und das Hin und Her der Öffnungen und Lockdowns enorm verunsichert. "Es macht sich eine Lethargie bei den Schülern breit. Aus dieser Unsicherheit heraus ist oftmals gar keine Motivation vorhanden, sich darum zu kümmern und zu bemühen."

Sendung: hr4, 23.04.2021, 15.30 Uhr