Auf der Suche nach Funklöchern: die Müllabfuhr hilft

Der Handyempfang ist in Hessen besonders auf dem Land oft schlecht. In der Wetterau will man mit Hilfe der Müllabfuhr herausfinden, wie es um die Netzabdeckung bestellt ist.

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hs
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In den vergangenen Wochen hatten die Müllautos, die in der Wetterau die gelben Säcke einsammeln, eine zweite Aufgabe. Müll abholen und gleichzeitig das Handynetz messen, lautet der Auftrag.

Neun baugleiche Smartphones, mit einer speziellen Software bespielt, liegen dafür in einer Tasche verpackt während der Fahrt auf dem Armaturenbrett. Über den Zigarettenanzünder werden die Geräte mit Strom versorgt und messen permanent die Signalstärke der drei großen Netzbetreiber in 2G, 3G und LTE.

Viele rote Punkte = Funkloch

Die Messergebnisse lassen sich die Experten der schwedischen Firma Iqmtel direkt auf einer Karte anzeigen. Grüne, gelbe, rote Punkte - die roten Punkte stehen für schlechten Empfang. "Gibt es an einem Ort mehrere rote Punkte, spricht das für ein Funkloch", erklärt Björn Meschenmoser. Er leitet die deutsche Niederlassung von Iqmtel in München und hat das Pilotprojekt initiiert.

Die Müllfahrzeuge nutze man, weil die überall vorbei kommen, selbst auf dem kleinsten Dorf und das auf festen, wiederkehrenden Routen. Für eine standardisierte Erhebung sei die Methode also ideal.

Messung statt Berechnung

Zur Mobilfunkabdeckung gibt es eigentlich Karten, die von den Netzbetreibern erstellt werden. Diese seien aber nicht immer exakt, erklärt Meschenmoser: "Die Karten der Netzbetreiber sind berechnet, das sind also Simulationsdaten." Die Realität lasse sich aber nicht hundertprozentig berechnen.

Bäume, hohe Gebäude oder Täler könnten den Empfang stören. Dadurch komme es immer mal wieder vor, dass ein Netzbetreiber von gutem Empfang in einem Ort ausgeht, es in der Realität aber ganz anders aussieht.

Ein solcher Fall ist Bindsachsen, ein Ortsteil der Gemeinde Kefenrod (Wetterau). Die Messungen haben ergeben, dass der Ort in einem Funkloch liegt. Der Mobilfunkanbieter geht laut eigener Karte jedoch von einer guten Netzabdeckung aus. Nur über Messungen lässt sich herausfinden, wo genau der Empfang gut oder schlecht ist.

Funklöcher aufspüren und beseitigen

Die Messungen der vergangenen vier Wochen zeigen, was viele Wetterauer Bürger durch eigene Erfahrung schon wissen: Besonders auf dem Land, im östlichen Teil der Wetterau, ist der Empfang oft schlecht. Diese Erkenntnis gibt es nun auch schwarz auf weiß - standardisiert erhoben und damit vorzeigbar. Die Politik könne den Netzbetreibern so auf Augenhöhe gegenübertreten, erklärt Björn Meschenmoser.

Das ist das Ziel der Mess-Aktion, betont der Kreisbeigeordnete Matthias Walther (CDU). Walther ist Dezernent für die Entwicklung des Wetteraukreises und damit auch für die Mobilfunknetzabdeckung zuständig. "Wir versuchen mit den Messungen die Funklöcher zu finden, um sie dann beseitigen zu können." Besonders von Gewerbetreibenden bekommt Walther viele Beschwerden.

Mit gutem Netz in die Zukunft

Dabei geht es ihm vorerst nicht einmal um den neuen Standard 5G. Für viele Bürger sei es grundsätzlich wichtig, verlässlich mobil telefonieren zu können. Für den Wetteraukreis wünscht der Dezernent sich eine vollständige Netzabdeckung. Zusammen mit dem Breitbandausbau sei das ein großer Standortvorteil und wichtig für die Zukunft der boomenden Region.

Das Ergebnis der vierwöchigen Pilotphase in der Wetterau wird auf dem hessischen Gigabitgipfel am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt. Auch andere Regionen haben Interesse an der Methode. Gemessen wird momentan auch im Rheingau-Taunus-Kreis und im bayerischen Lichtenfels.