Ein Kind in Badehose und Sonnenhut spielt an einem Rasensprenger auf einem grünen Rasen.

Die Temperaturen steigen, der Wasserverbrauch schnellt in die Höhe. Hessische Kommunen kämpfen mit Wasserknappheit und zu hohem Verbrauch. Um die Trinkwasserversorgung zu sichern, sind Investitionen und höhere Preise nötig. Drei Beispiele.

2022 ist bislang viel zu trocken. Januar und Februar waren noch regenreich, der April im üblichen Rahmen, das zeigen Daten des Deutschen Wetterdienstes. Aber März, Mai und bislang auch der Juni fielen zu warm und zu trocken aus. Die Folge: der Grundwasserpegel sinkt.

In Kronberg und Königstein wurde schon vor Wochen vor zu hohem Wasserverbrauch gewarnt. Im Vogelsberg und dem Main-Kinzig-Kreis darf kein Wasser mehr aus Flüssen, Bächen und Seen entnommen werden. Stadt und Landkreis Kassel verbieten die Wasserentnahme aus Bächen ab Samstag, 25. Juni. Das Regierungspräsidium Darmstadt bat die Bewohner des Main-Taunus-Kreises, der Landeshauptstadt Wiesbaden, des Rheingau-Taunus-Kreises und des Hochtaunuskreises darum, bei Niedrigwasser kein Wasser aus Bächen und Flüssen zu entnehmen. Die Landesregierung denkt darüber nach, den "Wasserpfennig" wieder einzuführen - allerdings als "Wassercent".  

Kaum Chancen auf steigenden Grundwasser-Pegel

Zu wenig Regen mindert die Chancen, dass sich in diesem Jahr noch viel Grundwasser neu bilden kann. Zwar bilanziert das Hessische Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) aktuell, dass "sich die Grundwassersituation im Vergleich zum letzten Jahr vielerorts leicht verbessert" habe. Die Defizite allerdings, die aus den trocknen Vorjahren resultieren, "konnten bisher nicht wieder ausgeglichen werden."  

In Hessen stammen 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser. Für viele Kommunen bedeutet das, dass sie sich bei der Trinkwasserversorgung stärker als bisher um Preise, Liefermengen, Investitionen und den Umgang mit Trinkwasser kümmern müssen. Drei Beispiele aus Grävenwiesbach (Hochtaunus), Frankfurt und Rüsselsheim.

Grävenwiesbach: Millionen für das Trinkwasser  

In Grävenwiesbach (Hochtaunus) haben drei heiße Sommer, die Corona-Pandemie und der Klimawandel den Investitionsplan verändert. Bürgermeister Roland Seel (CDU) rechnet vor, dass die Kommune für den Zeitraum von 2021 bis 2025 insgesamt 3,5 Millionen Euro investieren muss. Diese Summe reicht, um die Trinkwasser-Ringleitung für die sechs Ortsteile fertig zu bauen, sechs Hochbehälter zu vergrößern und nach neuen Wasservorkommen zu suchen. Das sei allerdings nur der Anfang, erklärt Seel.   

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Grävenwiesbach pumpt Geld in die Wasserversorgung

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Die Kommune kann sich zu 80 Prozent aus eigenen Wasser-Vorkommen versorgen, der Rest wird zugekauft. Aber der hohe Eigenanteil bedeutet auch, dass eigene Investitionen notwendig sind. Bürgermeister Seel verzeichnet einen "deutlich höheren Wasserbedarf für alle möglichen Zwecke" - und immer geht es um Trinkwasser. Seel hat für sich zwei Schlussfolgerungen gezogen. Erstens werden weitere Investitionen nötig sein. Und zweitens, sagt der Bürgermeister: "Der Verbrauch von Trinkwasser muss anders bewertet werden."   

Seel plädiert dafür, mehr Brauchwasser zu nutzen, beispielsweise Regenwasser. Oder Trinkwasser, das schon einmal genutzt wurde, wieder aufzubereiten. Er hofft, dass in den nächsten Jahren die Brauchwassernutzung zumindest für Neubaugebiete gesetzlich vorgeschrieben wird. In Grävenwiesbach gilt schon jetzt: "Kein neues Baugebiet, wenn nicht vorher die Wasserversorgung sichergestellt ist." 

Frankfurt: Die durstige Metropole 

Die Nutzung von Brauchwasser anstelle von Trinkwasser, das ist auch in Frankfurt Thema. Frankfurt verbraucht in der Rhein-Main-Region das meiste Trinkwasser und der Durst wird immer größer. Die Stadt wächst - immer mehr Menschen wollen immer mehr Wasser.  

Prognosen gehen davon aus, dass Frankfurt im Jahr 2030 rund 15 Prozent mehr Wasser benötigt als 2018. Gerade mal rund 25 Prozent seines Bedarfs deckt Frankfurt aus eigenen Grundwasser-Vorkommen. Der Großteil wird per Fernleitung aus dem Vogelsberg oder dem hessischen Ried geliefert. Dort stößt der wachsende Frankfurter Wasserbedarf auf Kritik. "Unsere Natur vertrocknet, während die Frankfurter unser Wasser die Toilette runterspülen", ist vor allem im Vogelsberg immer wieder zu hören.  

Brauchwassersysteme für Neubauten

Die Frankfurter Kommunalpolitik hat angekündigt, den Wasser-Import reduzieren zu wollen. Unter anderem durch die intensivere Nutzung von Brauchwasser. Im Koalitionsvertrag des Frankfurter Vierer-Bündnisses ist festgeschrieben, dass man "Brauchwassersysteme in Neubauten des öffentlichen Wohnungsbaus und im zweiten Schritt bei allen städtebaulichen Verträgen und Baulandvergaben zum Standard machen" will.  

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So kann man mit Brauchwasser Trinkwasser sparen

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Die konsequente Umsetzung allerdings ist schwierig. Ein zweites Leitungsnetz, getrennt von der Trinkwasserversorgung, Reinigungsanlagen zur notwendigen Aufbereitung des genutzten Trinkwassers - das kostet Geld. Geld, das Hauseigentümer und Mieter bezahlen müssten. Die Folge: Bauen und Wohnen würden in Frankfurt vermutlich noch teurer werden als jetzt schon.

Rüsselsheim: Spitzenpreise für Spitzenverbrauch 

In Rüsselsheim muss Hans-Peter Scheerer demnächst eine wenig erfreuliche Botschaft vermitteln. "Unsere Kalkulationen gehen davon aus, dass wir pro Person etwa fünf Euro im Jahr an höheren Kosten weitergeben müssen", fürchtet der Geschäftsführer der Stadtwerke Rüsselsheim. Das entspräche einer durchschnittlichen Preiserhöhung von knapp sechs Prozent.  

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In Rüsselsheim wird das Trinkwasser teurer

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Hintergrund ist ein neuer Versorgungsvertrag, den das Unternehmen Hessenwasser mit zahlreichen Kommunen im Rhein-Main-Gebiet abschließt. Hessenwasser versorgt als wichtigster Wasserlieferant der Region mehr als zwei Millionen Menschen. Und auch bei der Wasserversorgung spielt der Faktor Klimawandel eine immer größere Rolle. Wenn die Zahl der heißen Tage steigt, wollen Verbraucherinnen und Verbraucher besonders viel Wasser – zum Trinken, Duschen, aber auch für den Garten oder zum Befüllen des Pools. Der Bedarf steigt dann um rund 30 Prozent. Hessenwasser spricht von der "Spitzenlast".  

Strafpreise für Mengenüberschreitung

"In den vergangenen Jahren kam es zu einem starken Anstieg dieser Spitzenlast", schreibt Hessenwasser auf hr-Anfrage. Diese sei mit "besonderen Herausforderungen" verbunden. Und deshalb will der Versorger für diese Spitzenlast künftig mehr Geld. "Es gibt ein knallhartes Mengenlimit und wenn mehr Wasser bezogen wird als dieses Limit, dann wird es sehr teuer", erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Scheerer.  

Verträge, die Hessenwasser bereits mit anderen Kommunen abgeschlossen hat, zeigen, dass der Spitzentarif mitunter zweieinhalb- bis dreimal höher ist als der Tarif für den Grundbedarf. Hessenwasser argumentiert, die neuen Tarife deckten allein die Kosten für den erhöhten Aufwand. Aber man wolle auch zum Wassersparen animieren.  

Die Stadt Rüsselsheim wird den neuen Bedingungen wohl zähneknirschend zustimmen. Denn die Stadt verfügt über keinerlei Zugang zu eigenen Wasservorkommen. Die Rechte an dem Wasser aus Rüsselsheimer Boden hätten seit über 100 Jahren die Stadtwerke Mainz, erklärt Hans-Peter Scheerer. Und daran könne man auch nichts mehr verändern. 

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