RMV Kombo Bahn/ Fahrkartenautomat
Beim RMV werden viele Zehn-Minuten-Verspätungen reklamiert. Bild © picture-alliance/dpa/hr

Wie kann ein Mensch an vielen Orten gleichzeitig sein? Gar nicht. Trotzdem reklamieren viele RMV-Kunden eine Entschädigung für verspätete Fahrten, die gleichzeitig stattfanden. Der RMV spricht von Betrug und einem Schaden, der in die Hunderttausende geht.

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In wie vielen Bussen und Bahnen kann ein einzelner Kunde des Rhein Main Verkehrsverbundes (RMV) an einem Tag sitzen, ohne gleichzeitig an mehreren Orten zu sein? Einige Fahrgäste schaffen erstaunlich anmutende Quoten - jedenfalls wenn man die Zahlen zugrunde legt, die manch ein Kunde angibt, um sich die Entschädigungszahlung der RMV-Zehn-Minuten-Garantie zu sichern. Denn bei einer Verspätung von mehr als zehn Minuten am Zielort verspricht der RMV, Geld zurückzuerstatten.

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Zehn-Minuten-Garantie

Der RMV verspricht seinen Kunden, dass sie ihr Ziel mit weniger als zehn Minuten Verspätung erreichen, andernfalls können sie eine Entschädigung beantragen. Sie bekommen dann nach den Regeln der Zehn-Minuten-Garantie ihren Fahrpreis bis maximal sechs Euro erstattet. In besonderen Fällen werden die Kosten für eine Fahrt mit dem Taxi bezahlt.

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Für Betrüger ist das offenbar verlockend. "Zehn beantragte Verspätungsfahrten sind keine Seltenheit", sagt RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann. "Der Rekord liegt bei 40 beantragten Fahrten von nur einer Person an einem Tag." Das sei selbst mit verschiedenen Doppelgängern nur schwer zu schaffen.

Eine Flut von "nicht plausiblen Anträgen"

Der Schaden, den der RMV angibt, ist beträchtlich. Rehermann beziffert ihn seit der Einführung der Erstattungsmöglichkeit 2017 auf bis zu 250.000 Euro - der tatsächliche Betrag sei noch deutlich höher. Rund fünf Prozent aller Erstattungsanträge gelten als verdächtig, beim Verkehrsverbund nennt man das "nicht plausible Anträge".

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Anträge seit 2017

Seit Juni 2017 gibt es die Zehn-Minuten-Garantie, bis Februar 2019 wurden insgesamt 1,5 Millionen Anträge gestellt und 3,6 Millionen Euro Entschädigung gezahlt. Allein im Jahr 2018 waren es 760.000 Anträge und 1,9 Millionen Euro Entschädigung. Die Tendenz ist steigend: Im Jahr 2019 waren es bereits 434.000 Anträge, die zu Zahlungen in Höhe von rund einer Million Euro führten. (Zahlen: RMV)

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Hoher Personalaufwand erforderlich

Durch zusätzliche Prüfungen ist der Personalaufwand nach Angaben des RMV "extrem erhöht". Ein komplexes IT-System prüfe zunächst einmal automatisch alle Anträge. Wenn es Unstimmigkeiten gebe, müsse ein Mitarbeiter händisch die Plausibilität kontrollieren. Besonders dreist sei es dann, wenn Kunden Fahrten beantragten, die parallel an verschiedenen Orten stattfänden.

Immer häufiger fallen den RMV-Mitarbeitern Unstimmigkeiten auf, wie Rehermann feststellt. "Wir machen auch stichpunktartige Proben bei allen unauffälligen Anträgen. Auch diese Stichproben haben gezeigt, dass wir wesentlich mehr Verdächtige Anträge in den vergangenen Monaten zu verzeichnen haben als vorher."

Der RMV reagiert

Unter dem Missbrauch der Erstattungsmöglichkeit leiden auch die ehrlichen Antragsteller, die ihre Entschädigung berechtigterweise beantragen. "Sie müssen länger warten, bis sie ihre Bestätigung kriegen", sagt die RMV-Pressesprecherin.

Deshalb wird der RMV ab dem 31. März die Zahl der möglichen Entschädigungsfälle pro Tag auf drei begrenzen. Außerdem werden die Kunden, die mit einer Zeitkarte - also zum Beispiel mit einer Monatskarte - fahren, über die Zehn-Minuten-Garantie maximal ein Drittel des Kaufpreises zurückbekommen. "Die Betrügereien gehen eigentlich ausschließlich von unserem Zeitkarten-Kunden aus“, wie Rehermann weiß. Mit einer Zeitkarte könne man schließlich beliebig viele Fahrten machen.

Drei Verspätungsfahrten pro Tag sind für jeden Pendler immer noch zu viel, aber eben durchaus realistisch. Im Rhein-Main-Gebiet etwa kann das durchaus passieren, auch wenn man sich nicht per Doppelgänger vervielfältigt.