Wilke Wurstwaren Twistetal

Dem insolventen Fleischhersteller Wilke geht auch das letzte Geld aus. Das Twistetaler Unternehmen kann nicht einmal mehr die laufenden Kosten bezahlen. Nun soll das Firmengelände zu Geld gemacht werden.

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Ein wenig stutzig könnte man angesichts des unverschämt günstigen Quadratmeterpreises schon werden: 65 Euro pro Quadratmeter soll der noch zu findende Käufer für einen Produktions- und Verwaltungskomplex in Twistetal-Bernsdorf (Waldeck-Frankenberg) hinblättern. Inklusive zweier Wohnhäuser und eines neuen Blockheizkraftwerks. In Frankfurt etwa kostet der Quadratmeter Wohnfläche im Schnitt das Achtzigfache. Das nur zur ungefähren Einordnung.

Kann man also bedenkenlos zuschlagen? Nicht unbedingt. Erstens sollten Interessenten das nötige Klein- bzw. Großgeld mitbringen, denn bei insgesamt 34.000 Quadratmetern Grundstücks- und 25.000 Quadratmetern bebauter Fläche summiert sich der Gesamtpreis auf stattliche 1,7 Millionen Euro.

Zweitens gab es in den vergangenen Monaten zahlreiche Berichte über ein Schimmelproblem beim Vormieter. Die Katze im Sack zu kaufen ist bei einem Kaufpreis in dieser Höhe eher nicht empfehlenswert.

Die Firma Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf

Selbst die laufenden Kosten sind nicht zu decken

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Der Vormieter ist in der Region kein Unbekannter: Es handelt sich um das insolvente Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren. Jenen ehemaligen Fleischerei-Riesen, dessen Listerienskandal 2019 die Schlagzeilen in Nordhessen beherrschte. Wilke-Waren werden mit drei Todesfällen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt.

Wie am Freitag bekannt wurde, geht Wilke derzeit auch das letzte Geld aus. Der Insolvenzverwalter habe die sogenannte Masseunzulänglichkeit angemeldet, erklärte das Amtsgericht Korbach. Das bedeutet, die Insolvenzmasse reicht nicht, um laufende Kosten zu decken. Darunter fallen beispielsweise Strom- und Mietkosten, die nach der Insolvenz entstanden sind. Solche Forderungen werden gegenüber regulären Gläubigern bevorzugt behandelt. Eine Versammlung der Gläubiger findet in der kommenden Woche statt.

Hoffen auf den Geldsegen

Laut dem Amtsgericht ist der Zustand der Masseunzulänglichkeit kein endgültiger. Theoretisch könnte wieder Geld reinkommen. Und auch wenn der Insolvenzverwalter sich dazu bislang nicht öffentlich äußert: In dieser Hinsicht besitzt der geplante Verkauf des Betriebsgeländes große Bedeutung für diejenigen, die auf ihr Geld warten.

Wie es um Interessenten bestellt ist, dazu will sich auch die zuständige Immobilienverwaltung nicht äußern. Dass Privatleute sich nicht um das Gelände in Twistetal reißen werden, liege auf der Hand, sagte der Anbieter auf Nachfrage des hr. Ob und wie viele Unternehmen ihr Interesse bekundet haben, darüber schwieg er sich aus. Sollte sich kein Käufer finden, könnte dieses bei einer Zwangsversteigerung unter den Hammer kommen. Zuvor hatte die HNA darüber berichtet.

Wilke seit Oktober dicht

Behörden hatten den Betrieb im Oktober geschlossen, nachdem ein Zusammenhang zwischen Wilke Wurstwaren und den Todesfällen hergestellt worden war. Im Zuge der Ermittlungen waren Aufnahmen verschimmelter Wurstwaren an die Öffentlichkeit gekommen. Die Restbestände des Unternehmens wurden entsorgt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 17.01.2020, 19.30 Uhr