Nach Jahren der Flaute werden in Hessen wieder mehr Windräder gebaut. Die Daten zeigen aber: Noch ist viel Luft nach oben.

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Grünes Licht für mehr Windkraft-Anlagen im Odenwald

Windräder
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Spätestens 2045 soll Hessen CO2-neutral sein, um die Folgen des Klimawandels noch zu begrenzen. Wie in ganz Deutschland kommt der Windenergie dabei zentrale Bedeutung zu. Doch der Ausbau kommt hierzulande seit Jahren nur noch sehr langsam voran.

2016 sind mehr Windräder genehmigt worden als in den darauf folgenden fünf Jahren zusammen, wie eine hr-Datenauswertung zeigt. Von 2017 bis einschließlich 2021 wurden in Hessen 139 Windenergieanlagen genehmigt, im Jahr 2016 waren es noch 178. Das geht aus Daten des hessischen Umweltministeriums hervor.

Zuletzt zeigte sich immerhin ein kleiner Aufwärtstrend: Nach 25 genehmigten Windrädern im Jahr 2019 und 15 derer in 2020 stieg die Zahl 2021 auf 45. Sie hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

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Diesen positiven Aufwärtstrend gab es in allen drei hessischen Regierungsbezirken. In Kassel und Darmstadt konnte die Zahl der genehmigten Windräder im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um das Fünffache gesteigert werden. In der Region Kassel erfolgte innerhalb eines Jahres ein Anstieg von neun genehmigten Windrädern auf 15.

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Dramatischer Einbruch

Die Steigerungen sind nicht so üppig, wenn man das niedrige Ausgangsniveau bedenkt. "In ganz Deutschland hat es einen dramatischen Einbruch beim Ausbau der Windkraft gegeben. Hessen ist da keine Ausnahme", teilte das vom Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir geführte Wirtschaftsministerium des Landes dem hr auf Anfrage mit.

Als Ursache für den drastischen Rückgang sieht das Ministerium die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2017. Diese habe zugelassen, dass fast alle Ausschreibungen der Bundesnetzagentur im Jahr 2017 an sogenannte Bürger-Windräder gingen. Das sind Windräder, bei denen die Bürger sich beteiligen und vom Gewinn mit profitieren können.

Die Novelle habe es ermöglicht, dass Bürgerinnen und Bürger im Gegensatz zu Unternehmen ihre Vorhaben zum Bau von Windenergieanlagen nicht schon vorher genehmigen lassen. Das sollte den Prozess erleichtern. Bürger hatten außerdem viereinhalb Jahre Zeit, die Vorhaben umzusetzen. Unternehmen hatten lediglich zweieinhalb Jahre Zeit.

"Unrealistische Preise"

Laut Wirtschaftsministerium steckte hinter den 2017 genehmigten Bürger-Windrädern allerdings "ein einzelner Projektierer aus Ostdeutschland". Dieser habe vor Ort lokale Bürgergenossenschaften gegründet, um die Zuschläge für die Bürger-Windräder zu bekommen. "Er bot allerdings offenbar zu unrealistischen Preisen an", sagte ein Ministeriumssprecher.

Viele der Projekte wurden deshalb auch in den folgenden Jahren weder genehmigt noch realisiert. "Die Auswirkungen zeigen sich wegen des Planungsvorlaufs solcher Anlagen mit Verzögerung", hieß es. Das erkläre den Einbruch der Zahlen ab 2017.

Hinzu kommt laut Ministerium, dass die Novelle 2017 ungünstigere Bedingungen für Unternehmen bot. Deshalb hätten viele Firmen versucht, den Zuschlag für ihre Windräder bereits bei der Ausschreibung 2016 zu erhalten. "Das erklärt den Peak in 2016." Inzwischen sei das Gesetz überarbeitet worden - der Markt realisiere sich langsam wieder.

2021 schwaches Jahr für Windkraft-Ausbau

Doch auch 2021 war für den Ausbau der Windenergie bundesweit eines der schlechtesten Jahre seit der Jahrtausendwende, wie der SWR herausgefunden hat. Laut den Daten der Bundesnetzagentur gingen im vergangenen Jahr (Stand 21. Dezember) deutschlandweit 460 neue Windkraftanlagen an Land in Betrieb. Das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren.

Bisheriger Tiefpunkt war das Jahr 2019 mit 479 Anlagen gewesen. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland noch mehr als 2.000 neue Windräder in Betrieb genommen - viermal so viele wie im Jahr 2021.

1,89 Prozent der Fläche für Windenergie

Bundesweit wird der Ausbau der Windenergie heiß diskutiert. Die Ampelkoalition möchte künftig zwei Prozent der Landesflächen für Windenergie ausweisen. Der Städte- und Gemeindebund äußerte kürzlich seine Bedenken, ob dieses Ziel erreicht werden kann. Die Vorbehalte in der Bevölkerung seien zu groß. Auch in Hessen kommt es immer wieder zu Protesten - nicht selten von Umwelt- und Tierschützern.

In Hessen ist das Zwei-Prozent-Ziel bereits Teil der Koalitionsvereinbarung von CDU und Grünen. Nach Angaben des Wirtschaftsministerium werden aktuell schon 1,89 Prozent der Fläche in Hessen für Windenergie genutzt. "Damit ist das in der aktuellen Koalitionsvereinbarung bekräftigte Ziel nahezu erreicht", heißt es aus dem Ministerium.

Hintere Plätze für Hessen

Aber in absoluten Zahlen schneidet Hessen im Vergleich der Bundesländer eher schlecht ab. Mit seinen 1.126 aktiven Windrädern nimmt das Land den neunten Platz ein. Spitzenreiter ist Niedersachsen mit 6.391 aktiven Windrädern (Stand 21. Dezember).

Aussagekräftiger - und noch schwächer - fällt die Bilanz bei den Windenergieanlagen pro Quadratkilometer aus. Hier landet Hessen auf dem zwölften Platz - mit 0,05 Windrädern pro Quadratkilometer. Die meisten Windräder pro Fläche hat Bremen, mit 0,2 Windrädern pro Quadratkilometer. Letztes Bundesland im Ranking ist Berlin mit 0,01 Windrädern (Stand 31. Dezember).

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Die meisten Windenergieanlagen im Gebiet des Regierungspräsdiums Gießen stehen im Vogelsbergkreis (263), im Bezirk Kassel führt Waldeck-Frankenberg (149) die Liste an, im Bezirk Darmstadt hat der Main-Kinzig-Kreis (104) die meisten Windkraftanlagen.

Land hofft auf Maßnahmen der neuen Bundesregierung

Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden vom Bund gesetzt. "Hessen setzt sich seit Jahren auf Bundesebene für günstigere Rahmenbedingungen ein und hat auf Landesebene alles getan, was zur Förderung des Windkraftausbaus möglich und erforderlich ist", heißt es vom Ministerium. Zahlreiche Maßnahmen hätten deshalb bewirkt, "dass der Windkraftausbau in Hessen nach dem Einbruch von 2019 wieder Fahrt aufgenommen hat".

Das Land hoffe, dass die neue Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen trifft, wie vor allem die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren beim Windkraftausbau. Das könne dazu führen, "dass wir wieder an die hohen hohen Steigerungsraten früherer Jahre anknüpfen können".

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