Wintershall-Mitarbeiter vor einem Öl- und Gasförderturm
Wintershall-Mitarbeiter vor einem Öl- und Gasförderturm. Bild © hr

Wintershall und Dea wollen sich zu Europas größtem Öl- und Gasproduzenten zusammenschließen - und fast ein Viertel der Belegschaft einsparen. In der Wintershall-Zentrale in Kassel stehen rund 200 Jobs auf der Kippe. Die Gewerkschaft hält das für unmöglich.

Videobeitrag

Video

zum Video Protest bei Wintershall

Ende des Videobeitrags

Die vor der Fusion stehende BASF-Tochter Wintershall und der Öl- und Gaskonzern Dea wollen knapp ein Viertel ihrer Stellen streichen. Von den insgesamt weltweit 4.200 Stellen sollen rund 1.000 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden, wie Wintershall am Donnerstag mitteilte.

Mit 800 Jobs entfällt der Löwenanteil auf Deutschland. Allein am Sitz der Konzernzentrale von Wintershall in Kassel sollen nach hr-Informationen mehr als 200 Arbeitsplätze wegfallen. In Norwegen seien rund 200 Stellenstreichungen geplant.

Gewerkschaft spricht von Vertragsbruch

Die Gewerkschaft IG BCE wirft Wintershall Vertragsbruch vor. Für sie ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sowohl die Zahl der zu streichenden Stellen als auch der Zeitraum des Abbaus gehörten noch einmal auf den Verhandlungstisch, forderte Michael Winkler, der für die IG BCE im Wintershall-Aufsichtsrat sitzt.

Audiobeitrag
Wintershall-Zentrale in Kassel

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stellenabbau bei Wintershall angekündigt

Ende des Audiobeitrags

Es sei klar gewesen, dass es durch den beabsichtigten Zusammenschluss Überschneidungen geben werde, sagte Winkler: "Die heute vorgelegten Pläne jedoch sprengen jeden Rahmen." Hinzu komme, dass der Stellenabbau binnen 18 Monaten zwischen dem Vollzug der Fusion und dem geplanten Börsengang über die Bühne gehen soll. "Das wäre ohne betriebsbedingte Kündigungen gar nicht machbar", glaubt Winkler.

Betriebsbedingte Kündigungen seien durch eine im Fusionsverfahren vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende Juni 2020 ausgeschlossen. Gleichzeitig habe der Arbeitgeber zugesagt, diese Garantie auch über den Zeitraum hinaus wirken zu lassen.

Konzern will jährlich 200 Millionen Euro einsparen

Die Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen, auf den sich Wintershall und Dea im September 2018 geeinigt haben. Der Vorstand rechnet damit, dass die Fusion im Laufe des ersten Halbjahres 2019 unter Dach und Fach kommt. Damit würde Wintershall Dea zu Europas größtem unabhängigen Gas- und Ölproduzenten.

Der Konzern wird zunächst zu 67 Prozent zu BASF und zu 33 Prozent zu Letter One gehören, einer Dachgesellschaft des russischen Oligarchen Michail Fridman. Später soll der BASF-Anteil auf 72,7 Prozent steigen. Das neue Unternehmen will die Öl- und Gasproduktion bis 2023 um 40 Prozent von 575.000 auf 800.000 Barrel Öläquivalent steigern und 200 Millionen Euro pro Jahr bei Betrieb, Investitionen und Personal einsparen.

Mittelfristig soll das Unternehmen an die Börse gebracht werden. Der Wert von Wintershall Dea wurde zuletzt auf bis zu 20 Milliarden Euro veranschlagt. 2017 kamen Wintershall und Dea zusammen auf 4,7 Milliarden Euro Umsatz, ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 2,8 Milliarden und einen Nettogewinn von 740 Millionen.