New York will eine City-Maut einführen. Die Technologie dafür könnte aus Hessen kommen.

Elektrifizierte Highways in Kanada oder ein City-Maut-System in New York. Bei der Nordamerika-Reise von Ministerpräsident Bouffier loten hessische Mittelständler ihre Chancen aus. Und profitieren dabei von ihrem Know-how in Sachen Nachhaltigkeit.

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Wer aus Hessen nach Kanada kommt, kann von der Weite des Landes überwältigt werden. Über 7.000 Kilometer erstreckt sich der Highway, der West- und Ostküste miteinander verbindet. Die Strecke mit einem Elektroauto zurückzulegen, ist derzeit unmöglich: es gibt keine Möglichkeit, die Batterien zu laden. "Sie kommen momentan nicht von Toronto nach Winnipeg mit dem E-Auto", sagt der junge Ingenieur Dennis Burkov. Das wird sich demnächst ändern - mit Hilfe hessischer Technologie. 

Speicher für kanadische Highways

Die Firma Bender aus dem mittelhessischen Grünberg kooperiert mit der kanadischen eCamion aus Toronto und elektrifiziert demnächst eine 3.000 Kilometer lange Strecke des Highways. Die Idee ist so simpel, dass man sich wundert, warum noch niemand früher darauf gekommen ist: viele kleine Stromspeicher entlang der Route, an denen die Batterien aufgeladen werden können. Sie speisen sich aus dem  vorhandenen Stromnetz, so dass keine aufwendige, neue Stromtrasse gebaut werden muss.

Den Strom ziehen die Speicher dann, wenn gerade viel vorhanden ist, so dass als Nebeneffekt auch noch das Netz stabilisiert und der Verbrauch ausgeglichen werden kann. Autobatterien werden innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten aufgeladen. Die Firma Bender steuert das Know-how zu, wie diese Speicher isoliert werden können und so zum Beispiel Stromstöße verhindert werden.

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Diese Sicherheits-Technologie wird seit 80 Jahren in Industrie und Krankenhäusern eingesetzt und jetzt auf die Elektromobilität übertragen, erklärt Markus Schyboll von der Firma Bender mit Hauptsitz in Grünberg (Gießen) der hessischen Delegation von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stolz. "Wenn wir das in Kanada hinkriegen, können wir das auch nach Deutschland bringen", sagt Schyboll. Und Ministerpräsident Bouffier findet: "Wenn hessische Mittelständler hier erfolgreich sind, dann sichert das auch Arbeitsplätze bei uns zu Hause."

City-Maut für den Big Apple

Deshalb hat er in seiner Delegation eine Reihe von hessischen Unternehmern, die sich neue Kontakte verspechen und die darauf setzen, dass die Politik ihnen Türen öffnen kann. Daniel Scholz-Stein von der Firma Vitronic zum Beispiel will in New York in ein Großprojekt einsteigen. Seine Firma mit Sitz in Wiesbaden ist ein führendes Unternehmen in der Bildverarbeitung. Wem das wenig sagt, dem dürfte vor allem ein Produkt der Firma bekannt sein: die Blitzersäulen, die Temposünder erwischen.

New York plant derzeit, eine Citymaut einzuführen. Die Großstadt leidet wie fast alle anderen Städte unter zu viel Verkehr. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hatte, machten sich viele amerikanische Städte den Klimaschutz zu eigen, darunter New York. Nun soll der öffentliche Nahverkehr unter anderem dadurch gestärkt werden, dass die Autos, die nach Downtown New York wollen, eine Maut bezahlen müssen.

Sympathie für deutsche Nachhaltigkeit

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Vitronic hat darin große Erfahrung, weil seine Technik auch im deutschen Mautsystem steckt. Das haben die Wiesbadener ihren Konkurrenten voraus. Doch das New-York-Projekt ist begehrt, noch ist nichts entschieden.  Bei einem Termin der hessischen Delegation in der New Yorker Verkehrsbehörde lässt der Direktor für Nachhaltige Initiativen, Projjal Dutta, seine grundsätzliche Sympathie für deutsche Nachhaltigkeit erkennen. Von seinem Besuch in Deutschland sind ihm vor allem die Bewegungsmelder in guter Erinnerung, die das Licht ausschalten, wenn es niemand mehr braucht. In der Stadt, die niemals schläft, offenbar weitgehend unbekannt.

Zu den Chancen von Vitronic will er im laufenden Verfahren nichts öffentlich sagen. Doch Daniel Scholz-Stein ist zufrieden nach den Gesprächen. Die Erfahrungen der Firma mit dem deutschen Mautsystem werden geschätzt, er hat mehr über den Stand des Projekts erfahren und konnte neue Kontakte knüpfen. Könnten die Wiesbadener in New York dabei sein, wäre das ein "dicker Fisch" für das Unternehmen.

Die Erkenntnis der Delegationsreise: ob New York oder Frankfurt, ob kanadische Highways oder Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet - die Herausforderungen gleichen sich. Und hessische Unternehmen haben die Ideen und die Technologien, um die Probleme hier wie da zu lösen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.7.2019, 19:30 Uhr