Blauer Himmel und Landschaft

Blauer Himmel, Sonne, kein Regen in Sicht: Seit Mitte März fiel kaum Wasser vom Himmel. Für die Landwirtschaft kann das zum Problem werden. Im Wald leiden vor allem junge Bäume.

Seit Tagen scheint in Hessen von früh bis spät die Sonne, von Regen keine Spur. Dabei war im Februar, bezogen auf das sogenannte hessische Flächenmittel, sogar mehr als doppelt so viel Regen gefallen wie im Schnitt, wie hr-Wetterexperte Ingo Bertram am Montag sagte.

Auch noch in der ersten Märzhälfte gab es so viel Niederschlag wie sonst im ganzen Monat. In Frankfurt fielen in den ersten zehn Tagen 43 Liter Regen pro Quadratmeter (im Mittel der Jahre sind im März 42 Liter), in Kassel waren es 42 Liter pro Quadratmeter.

Kein Regen mehr seit Mitte März

Seitdem hat es deutlich weniger und dann gar nicht mehr geregnet. Vom 11. bis 20. März waren es in Frankfurt vier und in Kassel sieben Liter pro Quadratmeter. In den letzten elf März-Tagen waren es in Frankfurt nur noch 0,5 Liter, in Kassel 0,7 Liter Regen pro Quadratmeter. In der vergangenen Woche fiel kein Regen, für die kommenden Tage ist kein Niederschlag in Sicht.

Was bedeutet der ausbleibende Regen für den Wald? Das Land Hessen ist auf rund 42 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt und damit Spitzenreiter unter den Bundesländern. Die Waldbesitzer beklagen bereits enorme Schäden durch die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre, den dadurch gestiegenen Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer und aktuell auch die Corona-Krise.

Hessen Forst macht sich noch wenig Sorge um ältere Bäume

Ein Sprecher des Landesbetriebs Hessen Forst sagte am Montag, für kürzlich gesetzte Pflanzen könnte das trockene Wetter Folgen haben: "Je nach Lage und Sonnenscheindauer leiden sie unter sogenanntem Trockenstress." Die Ostwindlage trage weiter zur Austrocknung bei. Hessen Forst hat seit dem Herbst nach Angaben des Sprechers drei bis vier Millionen Jungpflanzen im Staatswald gesetzt.

"Um die älteren Bäume mache ich mir weniger Sorgen", sagte der Sprecher weiter. Nach fast vier Wochen Trockenheit seien bei diesen Bäumen noch keine gravierenden Folgen zu erwarten. Sollte das trockene Wetter aber noch bis Mai oder Juni andauern, leide auch deren Vitalität, sagte er. Sie seien dann für Schädlinge empfänglicher, beispielsweise die Fichte für den Borkenkäfer. Bei warmem und trockenem Wetter vermehre sich dieser besonders gut.

Nach Auskunft des Grünflächenamts Frankfurt half der Regen Anfang des Jahres nicht ausreichend. Die Bäume seien wegen der extremen Trockenheit im Sommer 2018 bereits sehr geschwächt gewesen, viele Bäume würden noch absterben.

"Obere Bodenschicht gefährlich ausgetrocknet"

Für die Landwirte war die Regenpause zunächst günstig. Schließlich mussten sie Dünger ausbringen und Sommergetreide aussäen. Das wäre nach Angaben des Landesbauernverbands auf durchweichten Feldern schwierig.

Der Sprecher des Landesbetriebs Landwirtschaft sagte am Montag: "Wenn die Trockenheit weiter anhält, könnte der ausbleibende Niederschlag wieder zum Problem werden." Es gebe einen großen Wasserbedarf im Wachstum vieler ausgesäter Pflanzen. "Auch wenn in der Tiefe sicherlich noch reichlich Bodenwasser vorhanden ist, ist in der oberen Bodenschicht, in der gerade Keim- und Wachstumsprozesse vieler Kulturpflanzen ablaufen, gefährlich ausgetrocknet." In Südhessen werde auf den Feldern bereits gewässert, um die empfindlichen Keimlinge beispielsweise von Zuckerrüben nicht zu gefährden.

Dürre und Waldbrandgefahr erhöht

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt derzeit, dass der Oberboden (bis 25 Zentimeter Tiefe) in Hessen ausreichend durchfeuchtet ist. In 1,8 Meter Tiefe ist es anders: Für Teile Hessens weist der Monitor ungewöhnliche Trockenheit oder sogar moderate Dürre aus. Der Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt für Hessen durchweg die Stufe 3, in Teilen des Rhein-Main-Gebiets und Südhessens sogar Stufe 4 (1 entpricht sehr geringer Gefahr, 5 sehr hoher).

Bis März schaffte es der Regen, die Dürrefolgen in Hessen abzumildern. Die Grundwasserstände erholten sich. Nach der andauernden Trockenheit in den Sommern waren diese im Herbst auf ein niedriges Niveau gesunken. Mitte März hatte ein Experte des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gesagt, es sehe danach aus, dass die Ausgangssituation im Mai günstiger sein werde als im Vorjahr. "Käme dann ein erneut trockener und heißer Sommer, wären die Auswirkungen im Grundwasser nicht so gravierend wie im letzten Jahr", sagte er.

Am Montag erklärte eine Sprecherin des HLNUG zur langen Regenpause, das Grundwasser reagiere nicht so schnell auf fehlenden Niederschlag. Eine Bilanz des sogenannten hydrologischen Winterjahrs werde erst Ende April gemacht.

Sendung: hr-fernsehen, alle wetter!, 06.04.2020, 19.15 Uhr