Ruheständler von Condor gucken derzeit in die Röhre: Bis zur Eröffnung des Schutzschirmverfahrens, mit dem der Ferienflieger sich retten will, werden keine Betriebsrenten ausgezahlt. Für viele Ex-Mitarbeiter ist das ein ernstes Problem.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vorläufiger Betriebsrenten-Stopp bei Condor

Bldkombo Condor-Flugzeug, Betroffene
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Vor ein paar Tagen hat Roswitha Hardt Post vom Ferienflieger Condor bekommen. Das Schreiben ihres langjährigen Arbeitgebers hatte es in sich. Ab sofort, heißt es darin, könne wegen des vorläufigen Schutzschirmverfahrens keine Betriebsrente mehr gezahlt werden.

Außerdem steht da: "Erst mit der Verfahrenseröffnung tritt ein Sicherungsfall ein. Über die Eröffnung des Schutzschirmverfahrens entscheidet das Amtsgericht voraussichtlich am ersten Dezember."

"Dann haben Sie eine schlaflose Nacht"

Roswitha Hardt musste erst mal kräftig schlucken: "Sie gehen abends ins Bett, schlafen ruhig. Am nächsten Morgen oder nächsten Mittag kommt das Schreiben, und dann haben Sie eine schlaflose Nacht." 22 Jahre lang hat die 71-Jährige aus Raunheim in der Buchhaltung des Ferienfliegers Condor gearbeitet. Was jetzt passiert ist, hat sie kalt erwischt: "Ich war sehr überrascht. Weil ich überhaupt nicht damit gerechnet habe, dass wir Rentner jetzt betroffen sind."

Es ist eine Kettenreaktion: Zunächst hatte der britische Reisekonzern Thomas Cook Insolvenz beantragen müssen. Dadurch ist auch das deutsche Tochterunternehmen Condor in Schwierigkeiten geraten. Rettungsbemühungen laufen, in Form des Schutzschirmverfahrens: Anders als im härteren Fall einer Insolvenz bleibt die Geschäftsführung bei der Sanierung Herrin der Lage. Und Frau Hardt und andere Ex-Mitarbeiter warten auf ihr Geld, weil sie wie Gläubiger behandelt werden.

Die Betriebsrenten für September wurden schon nicht mehr ausbezahlt. Das weiß Roswitha Hardt von einer Ex-Kollegin. Sie selbst hat noch nicht auf ihr Konto geschaut. Bei ihr geht es monatlich immerhin um einige hundert Euro. Die entscheidende Frage für viele Condor-Ruheständler lautet nun: Wann kriegen wir unser Geld?

Schutzverfahren verhindert, dass Geld an Thomas Cook abfließt

Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit: "Die Betriebsrenten werden bis auf Weiteres in regulärer Höhe bezahlt, eine Auszahlung kann sich im Rahmen des aktuellen Schutzschirmverfahrens der Condor Flugdienst GmbH jedoch zeitlich etwas verzögern."

Wie lange? Das könne man derzeit nicht seriös sagen, erklärt eine Condor-Sprecherin auf Nachfrage. Das Schutzverfahren, das hier angewandt wird, ist eine Sonderform im Insolvenzrecht. In diesem Fall schützt es zum Beispiel davor, dass sich Thomas Cook bei den 380 Millionen Euro bedient, die das Land Hessen und der Bund der Konzerntochter Condor als Überbrückungskredit gewährt haben.

Die Ansprüche der Ruheständler schützt das Verfahren aber nicht, besser gesagt: noch nicht. Das zuständige Frankfurter Amtsgericht stellt klar, "dass Personen mit Anspruch auf Betriebsrente zurzeit nicht bessergestellt werden dürfen als andere Gläubiger des Unternehmens". Das bedeute, "dass diese im Rahmen des vorläufigen Schutzschirmverfahrens nicht bevorzugt werden dürfen".

Termin für Eröffnung des Hauptverfahrens ist offen

Besser sieht es für die Condor-Pensionäre erst aus, wenn ein Schutzschirm-Hauptverfahren eröffnet wird. Den von Condor genannten Termin am 1. Dezember bestätigt das Frankfurter Amtsgericht ausdrücklich nicht. Zunächst muss Lucas Flöther, der Rechtsanwalt, der sich im vorläufigen Schutzschirmverfahren die Finanzen der Condor anschaut, die nötige Vorarbeit leisten.

Beim Amtsgericht heißt es dazu: "Der Sachwalter überprüft zurzeit die wirtschaftlichen Daten des Unternehmens und wird dann einen Bericht an das Amtsgericht verfassen, welches danach auf Grundlage dieses Berichts über die Eröffnung des Schutzschirmverfahrens entscheiden wird. Dieser Prozess wird noch mehrere Wochen dauern."

Bis das Geld wieder fließt, kann es noch Monate dauern

Für alle, die Anspruch auf Betriebsrente von Condor haben, gilt: Je schneller, desto besser. Im Hauptverfahren würde der Pensionssicherungsverein in Köln für die Betriebsrenten aufkommen. Allerdings muss jeder einzelne Versorgungsanspruch geprüft werden. Und das dauert. In der Regel bis zu drei Monate.

Es kann also sein, dass Roswitha Hardt noch bis Februar oder März auf die wichtige Einnahmequelle verzichten muss. Auch wenn dann die Ansprüche aus diesem Herbst mit berücksichtigt werden – leicht fällt ihr das nicht: "Für mich ist es gravierend. Das hat mit meine Kosten gedeckt. Ich konnte besser leben, mir auch mal was gönnen. Das ist ein Einschnitt in meinem Leben, das muss ich schon sagen. Ich habe schon überlegt, mir eine Arbeitsstelle zu suchen."

Dabei sei ihre finanzielle Situation noch vergleichsweise komfortabel, sagt die 71-Jährige. Viele andere Condor-Ruheständler, etwa jene, die in Teilzeit beschäftigt waren, hätten an der Situation noch wesentlich härter zu knabbern.