Die Frankfurter Altstadt gleicht einem großen Freiluft-Lokal, Gastronomen stellen Tische und Stühle nach draußen. Das ruft die Feuerwehr auf den Plan: Sie beansprucht den Platz für Löschfahrzeuge und geht gegen die Altstadt-Betreiber vor.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Feuerwehr will mehr Platz in Neuer Altstadt

Frankfurter Altstadt
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Die milden Spätsommertage lassen das Geschäft für die Gastronomen in der neuen Frankfurter Altstadt noch einmal brummen. Lokalbetreiber haben vor allem rund um den zentralen Hühnermarkt jede Menge Tische und Stühle nach draußen gestellt, und die Touristen lassen sich gerne dort nieder. So müsse es auch sein, sagt Sylvia Martinez, die in der Altstadt die Bar "Anno 1881" betreibt: "Ansonsten hätten wir kein Geschäft."

Feuerwehr: "Sommergärten auf Flächen für Feuerwehr"

Aber auch ihre Bar ist nun im Visier der Feuerwehr Frankfurt - so wie fast alle Lokale des neuen Vorzeigeviertels. Das geht aus einem Schreiben der Feuerwehr Frankfurt an die städtische Dom Römer GmbH hervor, die die Neue Altstadt entwickelt hat. Laut dem Schreiben hat die Feuerwehr bei Begehungen im August festgestellt, dass "Sommergärten auf Flächen für die Feuerwehr betrieben wurden".

Die Feuerwehr beansprucht große Teile des Hühnermarktes und des Krönungsweges zwischen Dom und Römer für den nötigen Brandschutz, als Zufahrt- und Aufstellflächen für Löschfahrzeuge. Sie beruft sich dabei auf Pläne, die Teil der Baugenehmigung für die Neue Altstadt gewesen seien. In ihrem Brief räumt die Feuerwehr der Dom Römer GmbH zwei Wochen Zeit zur Stellungnahme ein.

Dom Römer GmbH ist überrascht

Der Geschäftsführer der Dom Römer GmbH, Michael Guntersdorf, zeigt sich überrascht von dem Schreiben, das als "Anhörung" überschrieben ist. Würde die Brandschutzbehörde wirklich ernst machen, "dann bedeutet das tatsächlich einen weitestgehenden Rückbau der Möblierung auf dem Hühnermarkt." Mit anderen Worten: Freiluft-Gastronomie könnte nur noch in einigen Nischen stattfinden.

Trotzdem denkt Guntersdorf nicht daran, der Feuerwehr zu antworten. Denn er hält sich schlicht für nicht zuständig. Verantwortlich für den Straßenraum und die Frage der Bestuhlung sei das Amt für Bau und Immobilien. Doch das hatte seine Zuständigkeit schon vor Monaten zurückgewiesen. Weil die Straßen der Neuen Altstadt noch nicht öffentlich gewidmet seien, stünden die Eigentümer in der Verantwortung. Und: "Verwalter der Eigentümer ist die Dom Römer GmbH", hieß es damals in einer Mail an den hr.

Gastronomen sahen Konflikt längst als gelöst

Schon im Frühjahr wurde dieser Konflikt offenbar, aber Altstadt-Geschäftsführer Guntersdorf und mehrere Altstadt-Gastronomen hielten ihn schon für gelöst. Denn laut Guntersdorf hat es in der Zwischenzeit Ortstermine mit der Feuerwehr gegeben. Dabei habe man sich auf einen Kompromiss bei der Außenbestuhlung geeinigt, der weit über den Stand der Baugenehmigung hinausgehe.

Das sieht die Feuerwehr nun offenbar anders, wie aus ihrem Schreiben hervorgeht. Auf hr-Anfrage will sich die Feuerwehr nicht äußern. Wie die Pressestelle schriftlich mitteilt, "gibt die zuständige Fachabteilung aufgrund eines laufenden Verwaltungsverfahrens keine weitere Auskunft". Der Konflikt um die Außengastronomie geht damit in die nächste Runde.

Sendung: hr-iNFO, 05.09.2019, 19.34 Uhr