Der Marburger Hauptbahnhof bei Nacht.
Hier fährt nichts in der Nacht zu Sonntag: der Marburger Hauptbahnhof bei Nacht. Bild © Bodo Weissenborn (hr)

Der Bahnverkehr nördlich von Gießen läuft wieder nach Plan. Wegen Engpässen waren von Samstagabend an sämtliche Züge ausgefallen. Einen ähnlichen Fall gab es erst kurz zuvor in Darmstadt.

Aufatmen für Bahnkunden in Mittelhessen: Seit dem Morgen verkehren wieder Züge auf dem Teilstück der Main-Weser-Bahn von Gießen über Marburg nach Kirchhain (Marburg-Biedenkopf), wie ein Bahnsprecher mitteilte. Nachtschwärmer mussten von Samstagabend an schauen, wie sie an ihr Ziel gelangten, weil auf der Strecke von 21 Uhr am Samstag bis 6 Uhr am Sonntag keine Bahnen fuhren.

Als Grund hatte die Bahn "betriebliche Gründe" genannt. Ein Bahnsprecher präzisierte auf Anfrage von hessenschau.de: Es konnte kein Ersatz gefunden werden, nachdem sich der eingeteilte Fahrdienstleiter im Stellwerk Marburg krank gemeldet hatte. "Es wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft", sagte er. Fahrdienstleiter sind für ihre bestimmten Streckenabschnitte speziell geschult.

Neun Ersatzbusse und ein Lotteriespiel

In Gießen und Kirchhain standen nach Bahnangaben insgesamt neun Ersatzbusse bereit, die zur jeweils anderen Endstation fuhren, mit Halt an allen Unterwegsstationen. Die Busse bräuchten allerdings länger als die Züge und verfügten über geringere Kapazitäten.

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Diese Bahnhöfe sind betroffen

Auf der Strecke von Gießen nach Kirchhain hält die Bahn auch in: Gießen Oswaldsgarten, Lollar, Friedelhausen, Fronhausen, Niederwalgern, Niederweimar, Marburg Süd, Marburg Hauptbahnhof, Cölbe, Bürgeln, Anzefahr

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Die Abfahrtszeiten der Busse an den Unterwegshalten wurden demnach nicht auf der Homepage oder in der App angezeigt. Wer also beispielsweise von Marburg aus nach Frankfurt wollte, dem blieb das Lotteriespiel, in Marburg den Ersatzbus zu unbestimmter Uhrzeit zu erwischen und die Hoffnung, in Gießen einen Anschlusszug in Richtung Süden zu erreichen.

Ähnlich gelagerter Fall kurz zuvor in Darmstadt

Betroffen waren mindestens neun Züge in Richtung Norden und sieben Züge in Richtung Süden. Die Bahn forderte auf ihrer Website ihre Kunden auf, auch "andere Verkehrsmittel" zu prüfen. Auf dieser Strecke bedeutete das konkret: Wer keine Lust auf Radfahren oder Autostopp nachts bei Minustemperaturen hatte, dem blieben wohl nur Taxi und Fahrgemeinschaften.

Der Fall ist umso bemerkenswerter, weil die Bahn bereits am Freitagabend mitgeteilt hatte, dass an diesem Samstag zwischen 14 und 20 Uhr keine Fernzüge am Darmstädter Hauptbahnhof und an den Bahnhöfen Bensheim (Bergstraße) und Weinheim (Baden-Württemberg) halten könnten. Hier war eine kurzfristige Krankmeldung im Stellwerk Darmstadt-Eberstadt der Auslöser. Am Samstagvormittag dann hier zumindest die erlösende Nachricht: Die Lücke im Dienstplan konnte noch kurzfristig gefüllt werden.

Kritik und Unverständnis angesichts dünner Personaldecke

Viele Nutzer in den Sozialen Netzwerken reagierten auf die hessenschau.de-Meldung mit Kritik und Unverständnis. Ursächlich für die temporäre Tilgung der Fernverkehrshalte sei doch wohl nicht ein einzelner kranker Mitarbeiter, sondern die sträflich dünne Personaldecke der Deutschen Bahn infolge ihrer Sparpolitik, so der Tenor.

Sendung: hr1, 15.12.2018, 9:00 Uhr