Zug mit Castor-Behältern am Bahnhof Biblis

Der Castor-Zug mit Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield hat sein Ziel in Südhessen ohne größere Probleme erreicht. Nur wenige Atomkraftgegner demonstrieren gegen den Transport.

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Der Castor-Zug mit hochradioaktivem Atommüll hat am Mittwochvormittag sein Ziel erreicht: das Zwischenlager am stillgelegten Kernkraftwerk Biblis (Bergstraße). Um kurz nach 8 Uhr war er am Bahnhof der Kleinstadt angekommen, gegen 0.50 Uhr hatte der Zug die hessische Landesgrenze überquert. Am Dienstagabend hatte er den Nordseehafen Nordenham (Niedersachsen) verlassen. Gesichert wurde der Transport nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit insgesamt rund 11.000 Polizisten, gestört wurde er kaum.

Bei Steinau an der Straße (Main-Kinzig) kontrollierten Polizisten nahe der Bahnstrecke einen Bus mit mutmaßlichen Aktivisten. Am Bahnhof Hanau-Wolfgang entfernten Beamte mehrere sogenannte Gleiskrallen, mit denen sich üblicherweise Aktivisten an Schienen festbinden, um die Durchfahrt eines Zuges zu blockieren.

Aktivisten blockieren die Gleise zum stillgelegten Kernkraftwerk Biblis

Auf dem letzten Teilstück vom Bahnhof Biblis zum Kraftwerksgelände sorgte eine Gleisbesetzung für eine kurzzeitige Verzögerung. Nach Angaben der Polizei blockierten fünf Menschen das Zufahrtsgleis - Beamte trugen sie weg, nachdem sie das Gleis nicht von selbst geräumt hatten. Eine Person aus der Gruppe widersetzte sich.

Das Bündnis Castor-stoppen teilte mit, dass sich an vielen Bahnhöfen spontan Menschen getroffen und die Durchfahrt des Zuges mit Protest begleitet hätten. Bei der Ankunft der Castoren in Biblis waren nur rund 30 Atomkraftgegner anwesend.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Castoren haben Biblis erreicht

Einsatzkräfte der Polizei bewachen den Castor-Transport in Biblis.
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"Mit der Zwischenlagerung der sechs Castoren in Biblis übernimmt Hessen seinen Teil der Verantwortung, bis das Endlager für hoch radioaktive Abfälle gefunden und der Atomausstieg damit endgültig besiegelt ist", sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Nach ihren Angaben befinden sich bereits 102 Castoren mit abgebrannten Brennelementen im Zwischenlager Biblis.

Über Bremen und Hannover

Die Castoren waren am Montagmorgen auf einem Frachtschiff aus dem britischen Sellafield in Niedersachsen eingetroffen. Die sechs jeweils 100 Tonnen schweren Atommüll-Behälter wurden danach auf den 600 Meter langen Zug geladen. Außer den Spezialwaggons für die Castoren bestand der Zug aus mehreren Diesellokomotiven sowie Wagen für die Polizei und anderes Begleitpersonal.

Etwa 50 Aktivisten haben am Dienstag in Biblis gegen den Castor-Transport demonstriert.

Der Transport nahm am Dienstagabend zunächst die überwiegend eingleisige Strecke nach Hude. Statt über Oldenburg ging es danach weiter in Richtung Bremen und Hannover. Der Zug fuhr weiter nach Osthessen, passierte Fulda und bog bei Hanau nach Süden ab, um Frankfurt zu umfahren und über Dieburg und Darmstadt nach Biblis zu gelangen. Der Zug wurde von Bundespolizisten geschützt, auch Hubschrauber, Diensthunde und -pferde waren im Einsatz.

Deutschland muss eigenen Atommüll zurücknehmen

Aufgrund internationaler Verpflichtungen muss Deutschland seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen. Atomkraftgegner halten den Transport jedoch für gefährlich. Sie kritisieren, dass der Transport stattfindet, obwohl es in Deutschland noch kein Endlager gibt. Zusätzliche Risiken bestünden für die Bevölkerung und die Polizei durch die Corona-Pandemie.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 04.11.2020, 19.30 Uhr