Simulation des Neubaus für die Pfungstädter Brauerei

Sitzt das kriselnde Traditionsunternehmen Pfungstädter mit seinen Plänen für "die modernste Brauerei der Welt" einem Betrüger auf? Am vorgestellten Investor gibt es arge Zweifel - doch ohne ihn droht dem Betrieb womöglich das Aus.

Videobeitrag

Video

zum Video Neubaupläne für Brauerei

hs
Ende des Videobeitrags

Seit Bekanntwerden der Pläne für einen Neubau der Pfungstädter-Brauerei auf dem Gelände des stillgelegten Schwimmbads und für ein Wohnquartier auf dem bisherigen Brauerei-Areal mehren sich die Zweifel an der Seriosität des präsentierten Investors. Richard Kramer, Vorsitzender der Unabhängigen Bürger Pfungstadt (UBP), der zweitgrößten Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, war bei der Vorstellung der geplanten Großinvestition in der vergangenen Woche dabei. Seinen Eindruck fasst er auf Anfrage von hessenschau.de so zusammen: "Der verspricht einem das Blaue vom Himmel herunter."

Nicht allein, dass der Geschäftsmann aus dem Rhein-Main-Gebiet (Name der Redaktion bekannt) der seit Jahren unter rapide sinkendem Bierabsatz leidenden Brauerei das Betriebsgelände im Stadtzentrum abkaufen möchte und im Naherholungsgebiet eine hochmoderne neue Brauerei mit Erlebnisgastronomie errichten und somit bis zu 100 Arbeitsplätze erhalten wolle. "Er sagte auch noch, er spendiere der Feuerwehr ein neues Fahrzeug mit Drehleiter und gebe dem Dachverband Schwimmen einen Zuschuss von 500.000 Euro", berichtet Kramer.

Am 16. Dezember sollen die Stadtverordneten entscheiden

Der Dachverband Schwimmen bemüht sich seit Jahren, das brachliegende Schwimmbad zu reaktivieren, und müsste bei einem erfolgreichen Deal mit dem Investor plötzlich für ein anderes Areal planen. Hauptsächlich aus diesem Grund wenden sich die Grünen vom Ortsverband Pfungstadt gegen die Pläne von Bürgermeister und Investor. "Es gibt doch freie Flächen im Gewerbegebiet Nordwest, aber es hieß, der Investor bestehe auf dem Schwimmbadgelände", sagt der örtliche Grünenpolitiker Klaus Marake. Ein Brauereineubau am idyllischen Waldrand bringe aber zu viele ökologische Probleme mit sich.

Was den in Aussicht stehenden Investor angehe, seien auch die Grünen skeptisch - jedoch gemeinsam mit den UBP in der Stadtverordnetenversammlung in der Minderheit. Marake berichtet von der Sitzung des Planungsausschusses am Dienstagabend, wo Kritik an der Wahl des geplanten Geldgebers und am engen Zeitplan geäußert worden sei. Bereits am 16. Dezember sollen die Stadtverordneten ein Eckpunktepapier beschließen, auf dessen Grundlage die Brauerei und die Stadt konkret in die Detailplanungen gehen könnten. Wie man hört, drückt die Brauerei wegen der finanziellen Schieflage aufs Tempo.

"Was passiert, wenn der Investor nur die Rücklagen einsackt?"

Der ehrenamtliche Stadtrat Horst Knell (UBP) war ebenfalls bei der Präsentation der Pläne zugegen und meint: "Ein seriöser Investor würde niemals solche Aussagen wie die mit dem Feuerwehrauto und dem Schwimmverband machen." Er habe viel über den Investor recherchiert, sagt Knell: Vor einigen Jahren habe ein Gericht in Salzburg den Mann wegen Betrugs und Untreue zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, aktuell laufe in München ein Verfahren gegen ihn.

Knell arbeitete früher für die WestLB, die Landesbank in Nordrhein-Westfalen. Seine Sorge: "Die Pfungstädter-Brauerei hat nach eigenen Angaben eine Liquiditätsreserve für einige Monate. Doch was passiert, wenn der Investor nach seinem Einstieg diese Rücklage einsackt und nach einer eventuellen Insolvenz für einen Sozialplan für die Beschäftigten kein Geld mehr da ist?" Alle Beteiligten müssten in jedem Fall für die Beschäftigten Sorge tragen.

Eine Agentur suchte den Investor aus

Über Gerichtsverfahren wegen unrechtmäßig abgezweigter Millionen von Firmenkonten, über mehrere insolvent gegangene Firmen und geplatzte Großprojekte berichteten das Darmstädter Echo (hinter Bezahlschranke) und die Rhein-Neckar-Zeitung.

Der Vorsitzende der stärksten Fraktion im Stadtparlament, Swen Klingelhöfer von der SPD, hegt trotz des üblen Leumunds des Investors "die große Erwartung auf ein tolles Projekt hier in Pfungstadt". Freilich müsse die Stadt im Eckpunktepapier sicherstellen, dass das Schwimmbadgrundstück, das sie im Falle eines Neubaus der Brauerei verkaufen würde, an die Kommune zurückfällt, falls der Deal doch platzt. Der Bürgermeister hat zugesichert, dass dies passieren werde.

Alles andere, so Klingelhöfer, sei Sache der Geschäftsführung von Pfungstädter, die ja eigens eine auf Investorensuchen spezialisierte Agentur in Mannheim beauftragt habe: "Die hat ja sicher ihr Prüfraster." Nur verrät die M&A-Agentur Imap dazu nichts: Eine Sprecherin sagt, man habe der Brauerei wie jedem anderen Kunden Vertraulichkeit zugesagt.

"Diese eine Chance müssen wir nutzen"

Der nun präsentierte Investor sei nicht der erste Interessent am Brauerei-Gelände, aber der erste, der der Stadt alle drei genannten Stadtentwicklungsziele ermöglichen wolle, berichtet CDU-Fraktionschef Eberhard Klüber: "Andere wollten sich das Areal sichern und die Brauerei schließen oder nur als kleine Hausbrauerei fortführen." Ob der Mann seriös sei, könne er nicht beurteilen. Doch: "Diese eine Chance gibt es jetzt, und die müssen wir nutzen, sonst ist die Brauerei futsch", sagt Klüber.

Bürgermeister Koch hat den Plan mit dem Investor bereits als alternativlos bezeichnet. Er setzt auf die Zustimmung der Stadtverordneten. "Wer dagegen stimmt, ist gegen die Brauerei", sagt er. Platz für ein Schwimmbad gebe es auch woanders.

Vom Investor hört man zu all dem nichts. Seine aktuellen Firmen, beide mit Sitz in München, werden im Handelsregister geführt, Internetseiten oder Telefonnummern dazu gibt es nicht. Mal wird der Wohnort des Investors mit Bad Homburg, mal mit Frankfurt, mal mit Hanau, mal mit einem Ort im Salzburger Land angegeben. Die Telefonanschlüsse eines früheren Geschäftspartners sind abgeschaltet.

Pfungstadts Bürgermeister Koch gibt sich trotzdem zuversichtlich. Die Stadt habe Vertrauen in den Investor, sagt er.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 04.12.2019, 19.30 Uhr