Schutzmantelmadonna
Ein Besucher des Städel betrachtet die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren Bild © picture-alliance/dpa

Rund 40 Millionen Euro hatte das Städel für die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren geboten - zu wenig: Den Zuschlag erhielt ein süddeutscher Unternehmer. Er soll knapp 60 Millionen Euro gezahlt haben. Noch nie erzielte in Deutschland ein Gemälde einen so hohen Preis.

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Der baden-württembergische Unternehmer und Sammler Reinhold Würth kaufte die Holbein-Madonna. Über den Preis für das Werk von Hans Holbein dem Jüngeren (1497-1543) war nichts zu erfahren. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) handelte es sich aber "mit weitem Abstand um die höchste Summe, die jemals in Deutschland für ein Kunstwerk bezahlt wurde", Gerüchten zufolge zahlte Würth knapp 60 Millionen Euro für das Bild. 

Nach Angaben der Zeitung steht die Schutzmantelmadonna auf der nationalen Liste der zu schützenden Kulturgüter und darf nicht ausgeführt werden. Die Stadt verlassen darf das Gemälde aber schon. Und so war es zunächst noch in einer Städel-Präsentation zu sehen, bevor es ab Januar 2012 dauerhaft in die Kunstsammlung Würth (Schwäbisch Hall) integriert wurde. 

40 Millionen waren zu wenig 

Vergeblich hatte sich ein Konsortium um das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt für die Madonna interessiert. Schon Ende 2009 hatte man das Bild für 40 Millionen Euro erwerben wollen. Den bisherigen Eigentümern - der Erbengemeinschaft Hessen - war das allerdings zu wenig.Das Gemälde war seit 2003 im Frankfurter Städel Museum als Dauerleihgabe zu sehen, zuvor befand es sich in Darmstadt. Unternehmer Würth betonte, die Holbein-Madonna werde weiter für die Öffentlichkeit zugänglich sein - bevorzugt würden das Städel Museum in Frankfurt und das Landesmuseum in Darmstadt als Leihnehmer. 

"Guter Käufer" 


"Wir haben mit Bedauern zu Kenntnis genommen, dass ein deutlich höheres Gebot letztendlich den Vorzug bekommen hat", kommentierte der Chef der Städel-Administration, Nikolaus Schweickart, die Nachricht über den Verkauf des Bildes. "In den letzten Jahren hat das Städel Museum in enger Zusammenarbeit mit dem Land Hessen und weiteren Stellen alles in seiner Macht stehende versucht, um dieses wertvolle Kulturgut auch weiterhin im Frankfurter Bürgermuseum zeigen zu können." Man sei mit dem Angebot von 40 Millionen Euro an die "absoluten Grenzen gegangen", betonte Städel-Direktor Max Hollein. "Ein höherer Kaufpreis war für das Museum außerhalb des Machbaren." 

Reinhold Würth sei aber "ein guter Käufer", so Hollein weiter. "Angesichts der besonderen Verbindungen der Holbein-Madonna mit dem Land Hessen und den Städten Frankfurt und Darmstadt würden wir es sehr begrüßen, das Gemälde in Zukunft - zumindest temporär - wieder im Städel zeigen zu können." 

Bedauern beim Land Hessen

Die hessische Landesregierung hat den Verkauf der Holbein-Madonna unterdessen bedauert. "Es wäre schön gewesen, wenn die Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft unter Donatus Prinz von Hessen zum Erfolg geführt hätten", sagte Regierungssprecher Michael Bußer. 

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wünsche sich, dass das berühmte Renaissance-Werk künftig auch noch in Hessen gezeigt werde. Das Land hatte zehn Millionen Euro für die Madonna bereitgestellt. Mehr an Haushaltsmitteln sei aber nicht drin gewesen, sagte Bußer: "Es gibt Grenzen."