David Grossmann
David Grossmann bedankt sich für den Friedenspreis Bild © picture-alliance/dpa

Für sein Engagement für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ist der israelische Schriftsteller David Grossman am Buchmesse-Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden.

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"Er erhält den Friedenspreis dafür, dass er sich unverdrossen weigert, Teil einer Vergeltungsmechanik zu sein", sagte der Bürgerrechtler und frühere Stasi-Beauftragte Joachim Gauck in seiner Laudatio. Grossmans Vorbild lehre uns: "Menschen sind nicht dazu verurteilt, Opfer ihrer Umstände zu sein. Menschen haben eine Wahl." Gauck betonte, Grossman sei dem Staat Israel loyal. "Doch Grossmans Loyalität ist keine kritiklose Unterordnung."

Er und andere Intellektuelle in Israel zeigten, dass neben Solidarität auch die Meinungsfreiheit und der Streit den Staat ausmachten, der als verteidigenswert gelte. "Loyalität und Kritik sind keine Gegensätze, recht verstandene Loyalität und Kritik bedingen einander", sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Das sei wie bei einer Freundschaft. Nur wenn sie ernsthaft und tief sei, könne man auch Kritik am Freund äußern. Am Ende seiner Laudatio rief er dem Friedenspreisträger zu: "Danke David! Du stehst vor deinem Goliath, dem alltäglichen Hass - nicht einmal mit einer Steinschleuder. Aber du bist David."

Wer nicht an den Frieden glaubt, ist schon besiegt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dankesrede von David Grossman

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In seiner Dankesrede wünschte sich Grossman für sein Heimatland einen Neubeginn. "Ich wünsche mir, dass mein Land - Israel - die Kraft finden wird, seine Geschichte noch einmal neu zu schreiben", sagte der 56-Jährige. "Dass es lernen wird, seiner Geschichte und seiner Tragödie auf eine neue Art und Weise zu begegnen und sich aus ihr heraus noch einmal neu zu erschaffen." Die Menschen in seiner Heimat sehnten sich nach dem Gefühl einer gefestigten Existenz. Aber viele Menschen in Israel glaubten schon nicht mehr an die Möglichkeit eines echten Friedens: "Das Wort Friede ist für viele ein Synonym für Halluzination", erklärte er. Sie wagen es nicht einmal, sich vorzustellen, wie ein Leben in Frieden sein könnte. "Aber jemand, der nicht mehr an die Möglichkeit des Friedens glaubt, ist schon besiegt worden." Deutschland sei ein Beispiel dafür, wie ein Land aus der Zerstörung und der Zerschlagung der Humanität wieder erstehen und seine Jugend im Geist des Friedens erziehen könne. "Nur der Friede wird Israel eine Heimstatt und eine Zukunft geben", sagte Grossman. Dafür müssten Israelis und Palästinenser erkennen, dass beide Völker sich einander anerkennen und das Gleiche zugestehen müssten.

Dem Krieg nicht das letzte Wort überlassen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Porträt von David Grossman

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Der Börsenverein danke dem Autor mit dieser Ehrung "für ein Werk, das von Hoffnung spricht, weil es sich weigert, dem Krieg in seinem Land, dem Krieg in aller Welt und dem Krieg in uns das letzte Wort zu überlassen", sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, zu Beginn der Veranstaltung. David Grossmans Gabe sei wahrhaftig nicht gering. Er habe mit der Kraft des Wortes versucht auszuloten, welchen Weg es in seiner Heimat zu einem friedlichen Miteinander gebe, so Honnefelder.

Höhepunkt zum Ende der Buchmesse

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gilt als eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen in Deutschland. Seit 1950 wird er alljährlich am Sonntag während der Frankfurter Buchmesse überreicht. Die Verleihungsfeier in der Paulskirche gilt als Höhepunkt der Bücherschau. Ausgezeichnet wird laut Statut eine Persönlichkeit, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat". Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Ein Stiftungsrat wählt die Preisträger aus. Seine elf Mitglieder entscheiden mit einfacher Mehrheit. Selten sei eine Wahl des Stiftungsras so einhellig begrüßt worden wie die von Grossman, sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, am Freitag. Der Buchhandel ehre einen Schriftsteller, der sich aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetze. Seine Bücher zeigten, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden könne.