Schulleiterin Margarita Kaufmann auf der Pressekonferenz
"Erschüttert und beschämt": Schulleiterin Margarita Kaufmann auf der Pressekonferenz Bild © picture-alliance/dpa

Die Odenwaldschule in Heppenheim veröffentlicht Details über die Missbrauchsfälle an der Reformschule. "Was wir gelesen und gehört haben, hat uns verstummen lassen", so die Schulleiterin.

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"Wir haben die ehemaligen Schüler um Vergebung gebeten", sagt die Direktorin des Internats, Margarita Kaufmann, auf einer Pressekonferenz in der Odenwaldschule. "Die Schule hat große Schuld auf sich geladen." Nichts könne das Leid ungeschehen machen. Kaufmann berichtet, dass sich bis jetzt 33 ehemalige Schüler gemeldet und von Missbrauch berichtet hätten. "Was wir gelesen und gehört haben, hat uns verstummen lassen", so Kaufmann. Die Schulleitung geht davon aus, dass die Übergriffe zwischen 1966 und 1991 stattfanden. Insgesamt acht ehemalige Lehrer sollen sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben. Die Namen habe man der Staatsanwaltschaft übergeben, alle hätten ab sofort Hausverbot.

"Aktiver Täterschutz" des Ex-Schulleiters

aufmann sagt, eine ehemalige Schülerin habe beispielsweise erzählt, sie sei als Zehnjährige von ihrem Musiklehrer missbraucht worden, der sie zu "Proben" in seine Wohnung bestellt habe. Schwere Anschuldigungen erhebt Kaufmann gegen den Leiter der Odenwaldschule von 1971 bis 1985. So habe sich ein heute 39-jähriger ehemaliger Schüler bei ihr gemeldet und berichtet, dass er von dem damaligen Leiter missbraucht worden sei. Er habe die Kinder oft in sein Schlafzimmer kommen lassen, wenn sie nach Hause telefonieren wollten. Danach, so der Altschüler, hätte der Ex-Leiter ihn ausgezogen, berührt und sich währenddessen selbst befriedigt. Kaufmann wirft ihrem Vorgänger aber noch mehr vor: So habe er Schülern, die wegen Misshandlungen durch andere Lehrer bei ihm Hilfe suchten, nicht beigestanden. Er habe also "aktiven Täterschutz" betrieben.

Gespräche mit Psychologen

Kaufmann berichtet auch darüber, dass es bereits Monate zuvor regelmäßige Gespräche zwischen Lehrern und betroffenen Altschülern gegeben habe, die von einem Psychologen moderiert worden seien. Sie habe sich dafür eingesetzt, dass die Gespräche von einer Journalistin dokumentiert wurden, sagte Kaufmann. Doch die Journalistin habe keinen Produzenten für den Film gefunden. "Es gab kein Medieninteresse für das Thema", so Kaufmann und fügt hinzu: "Jetzt kann sie sich einen Produzenten aussuchen."

Neues Einstellungsverfahren geplant

Um in der Zukunft sexuelle Übergriffe an Schülern zu verhindern, plant die Odenwaldschule ein neues Einstellungsverfahren für Lehrer. Außerdem werde die Schule einen Ethik-Kodex erstellen, an den sich jeder Mitarbeiter halten müsse, sagt Kaufmann. Um zu klären, ob es in der jüngsten Zeit immer noch sexuelle Übergriffe gegeben habe, werde außerdem eine anonymisierte Umfrage unter den jetzigen Schülern gestartet.