Spaziergänger im Nationalpark Kellerwald-Edersee
Unesco-Weltnaturerbe: Der Nationalpark Kellerwald-Edersee Bild © picture-alliance/dpa

Galapagos, Grand Canyon, Kellerwald: Die UNESCO hat den nordhessischen Nationalpark zum Weltnaturerbe erklärt. Die Buchen am Edersee stehen nun in einer Reihe mit den bekannten Naturwundern.

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Die UN-Organisation würdigte den Kellerwald bei ihrer Tagung in Paris am Samstag als herausragendes Beispiel für den Buchenwald der Mittelgebirge. Er steht damit auch auf einer Stufe mit Naturwundern wie der Serengeti im Norden Tansanias, dem Grand Canyon in den USA oder den Galapagos-Inseln. 

Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) bezeichnete die Ernennung des Kellerwalds zum Weltnaturerbe als großen Erfolg. "Die wertvollsten Waldbereiche unseres hessischen Nationalparks Kellerwald-Edersee erfahren mit der Einschreibung in die Welterbeliste eine weltweite Würdigung", erklärte sie am Samstag in Wiesbaden.

Das sei eine Anerkennung für die vielen Beteiligten vor Ort, aber auch eine Verpflichtung, dem Schutz dieses wertvollen Buchenwaldes auch in Zukunft hohe Priorität einzuräumen. Auch der Leiter des Nationalpark-Verwaltung Kellerwald-Edersee, Manfred Bauer, sprach von einem unglaublichen Erfolg. Man sei sehr stolz, nun zur weltweiten Familie herausragender Schutzgebiete zu zählen.

Besonders geschützt

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Insgesamt erklärte die UNESCO am Samstag fünf deutsche Buchenwälder zum universellen Erbe der Menschheit. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur billigte damit den Antrag der Bundesregierung. 

Als Unesco-Weltnaturerbe stehen alle fünf Gebiete künftig unter besonderem Schutz. Zudem ergänzen sie das schon bestehende Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten" in der Slowakei und Ukraine. Das war bereits 2007 eingeschrieben worden.

Experten waren nicht einig

Zu den neu aufgenommenen Gebieten zählen neben Hessens Nationalpark Kellerwald-Edersee der Buchenwald Grumsin in Brandenburg, der Nationalpark Hainich in Thüringen, der Nationalpark Jasmund in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark. Die Entscheidung über ihre Aufnahme war am Freitagabend vertagt worden, nachdem die Beratungen nicht beendet werden konnten.

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Nationalpark Kellerwald

Das Gebiet Kellerwald-Edersee mit den Urwaldresten der Buchenwälder wurde am 1. Januar 2004 zum Nationalpark. Auf einer Fläche von knapp 6.000 Hektar schützt er südlich des Edersees einen der großen Rotbuchenwald-Bestände Mitteleuropas. Nach Angaben des Nationalparkamtes sind 90 Prozent des Waldes nutzungsfreier Raum. Dafür hatte die Internationale Naturschutzunion IUCN dem Gebiet im März das Zertifikat als naturnaher Nationalpark verliehen - als erstem Nationalpark in Deutschland.

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Die Aufnahme der deutschen Wälder in die Unesco-Liste war umstritten. Experten kritisierten, dass weitere schützenswerte Buchenwälder in Ländern wie Bulgarien oder Rumänien nicht aufgenommen werden, weil diese Staaten bislang gar keine Anträge eingereicht hatten. 

BUND will besseres Schutzprogramm 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte, Buchenwälder in Deutschland besser zu schützen. Bislang seien erst wenige Prozent der Buchenwälder von der Holznutzung ausgenommen. Ein Zehntel der gesamten Waldfläche Deutschlands müsse aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden. Beispiele seien etwa der Nationalpark im Steigerwald oder das nutzungsfreie Kerngebiet mit naturnahen Buchenwäldern im Biosphärenreservat Rhön.