Keltenfürst am Glauberg
Ein Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes ist beim Keltenfürst postiert. Bild © picture-alliance/dpa

Peinliches Ärgernis bei der feierlichen Eröffnung des neuen Keltenmuseums: Das Land Hessen beauftragte einen privaten Sicherheitsdienst - zwei der Wachmänner stammen aus der Neonazi-Szene. Die Opposition im Landtag fordert Aufklärung.

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2011 - in dem neu errichteten Museum auf dem Glauberg wurden die in den 1990er Jahren ausgegrabenen, als sensationell gefeierten Funde aus der Keltenzeit ausgestellt. Darunter ist auch der berühmte Keltenfürst vom Glauberg.

An der feierlichen Eröffnung nahm unter anderem der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier teil. Noch während der Feierlichkeiten wurden zwei angebliche Neonazis unter dem Sicherheitspersonal entdeckt. Die Museumsleitung reagierte unmittelbar und forderte den Sicherheitsdienst auf, diese beiden Mitarbeiter sofort abzuziehen. Einer der beiden Wachmänner war im Landesvorstand der rechtsextremen NPD tätig, der andere ist in der rechten Szene aktiv.

Gegenüber dem hr betonte die damalige Museumsleiterin, Katharina von Kurzynski, dass das Museum gerade einen solchen Zusammenhang vermeiden wolle. Alles Keltische war vor allem für die SS von großer Bedeutung. Germanische und keltische Runen ebenso wie Symbole mit Bezug zum Nationalsozialismus werden von rechtsextremen Gruppen genutzt. Außerdem begannen die archäologischen Ausgrabungen am Glauberg in der Nazi-Zeit zwischen 1933 und 1939.

"Kultur- und Kunstgüter dürfen in Hessen nicht von Neonazis bewacht werden", teilte das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst in einer Stellungnahme mit. "Die beiden angeblich der NPD angehörenden Wachmänner, die bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt sind, wurden auf Intervention von Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann und der Museumsleitung unmittelbar und noch während der Eröffnungsveranstaltung abgezogen. Die Museumsleitung will beiden Hausverbot erteilen." 

Opposition fordert Aufklärung

Die Landtagsfraktion der Grünen forderte die Landesregierung auf, die Vorwürfe aufzuklären. "Die Landesregierung muss sich darüber informieren, an wen sie solche Aufträge vergibt", hieß es in der Mitteilung.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Landtag, Günter Rudolph, verlangte ebenfalls eine Klärung, wie es dazu kommen könne, dass zwei in der Region bekannte NPD-Mitglieder den staatlichen Keltenschatz bewachten. "Das gibt doch ein skandalöses Bild, wenn sich zwei ausgewiesene Neonazis neben der Figur eines Keltenherrschers postieren und gleichzeitig der Ministerpräsident, der Landtagspräsident und das halbe Kabinett die Museumseröffnung feiern", sagte Rudolph.

Die LINKE begrüßte die rasche Reaktion der Museumsleitung. Man hielt es aber für notwendig, "sich in den Räumen des Museums kritisch mit der Instrumentalisierung der keltischen Geschichte durch neonazistische Gruppen zu beschäftigen." Mit einer Schautafel könne das den Geschichtsmissbrauch durch die Nazis verurteilen.