Kanzlerin Merkel bei der Eröffnung
Bundeskanzlerin Merkel (2.v.r.) präsentiert mit Ministerpräsident Bouffier (r.) und Fraport-Chef Schulte (M.) ein Luftbild der neuen Landebahn. Bild © picture-alliance/dpa

Die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen ist am Freitag in Betrieb genommen worden. Eine Regierungsmaschine mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an Bord landete als erstes Flugzeug auf der Nordwest-Bahn.

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Trotz Nebels setzte die Maschine mit Merkel und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) fast pünktlich um 14.30 Uhr auf der Piste auf. In Empfang genommen wurden die hochrangigen Passagiere unter anderem von Ministerpräsident Volker Bouffier und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU). Auch zahlreiche Zaungäste, sowohl Anhänger als auch Flughafengegner, waren vor Ort. 

"Es ist uns eine große Freude, dass Sie die ersten sind", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte zur Begrüßung von Merkel und Ramsauer. "Mit dieser Landung ist eines der großen Infrastrukturprojekte in Deutschland abgeschlossen." Der Frankfurter Flughafen sei in Deutschland das Tor zur Welt.

Bouffier: "Herzmuskel dieser Region"

Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete die neue Landebahn als "Gewinn für den Flughafen, die Region und das ganze Land". Sie sei Ausdruck für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Regierungschefin lobte das dem Ausbau vorangegangene Vermittlungsverfahren (Mediation) als Vorbild für weitere Infrastrukturprojekte in Deutschland.

Auch Ministerpräsident Bouffier sprach von einem großen Tag, denn der Flughafen sei der "Herzmuskel der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region". "Der Flughafen schafft Wohlstand und Arbeitsplätze", so Bouffier. Lärmschutz bleibe aber ebenfalls eine Daueraufgabe. "Wir bleiben sensibel für die Anliegen der Bevölkerung", sagte der Ministerpräsident weiter. "Deshalb muss der Dialog fortgesetzt werden." Er dankte den Verantwortlichen des Ausbaus für ihre Arbeit, die es ermöglicht habe, dieses Großprojekt "ohne Gewaltexzesse und Dauerstörungen" zu bewältigen. 

Bouffier äußerte sich auch erstmals zum vorläufig verhängten Nachtflugverbot. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) habe keine inhaltliche Entscheidung getroffen, das werde erst das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig tun, sagte er. Es sei richtig gewesen, dass die Landesregierung Revision eingelegt habe. Das schaffe Rechtssicherheit. 

Frankfurts Oberbürgermeisterin Roth sagte, 17 Nachtflüge seien ein "guter Kompromiss". Sie hoffe, die Richter in Leipzig hielten nicht an dem vom VGH vorläufig verhängten Nachtflugverbot fest. 

Lufthansa: "Wir brauchen Nachtflüge" 

Wie die Fraport hatte auch die Lufthansa das vom VGH verhängte Nachtflugverbot scharf kritisiert. Lufthansa-Chef Christoph Franz machte in seiner Rede nochmal deutlich: "Die Fracht braucht die Nacht, damit wir uns gegen die Konkurrenten weltweit behaupten können. Wenn keine Nachtflüge mehr möglich sind, müssen wir uns überlegen, wie Deutschland noch vorne mitspielen will." 

Die Feier der "Erstlandung" im Festzelt war von Protesten begleitet - für die Festgäste allerdings nicht sichtbar.

Die hessischen Landtagsfraktionen stritten derweil weiter über den Ausbau. So reagierten die Grünen mit Ablehnung auf die Eröffnung der neuen Landebahn. Heute beginne die nächste Phase der Verlärmung, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Frank Kaufmann. Es sei kein guter Tag für die Region, sondern vielmehr ein Anlass zur Sorge, so die Grünen. Sie fordern ein striktes Nachtflugverbot. Auch die Linkspartei sieht in der Einweihung der Landebahn keinen Grund zum Feiern.

Anders dagegen CDU und FDP: CDU-Fraktionschef Christean Wagner nannte es den Beginn einer neuen Ära. Auch die FDP sprach von einem großen Tag. Die Eröffnung der Landebahn sei ein Garant für Arbeitsplätze und Wohlstand. 

Der SPD-Abgeordnete Günter Rudolph bezeichnete den Ausbau als "wichtigste Infrastrukturmaßnahme in der Region innerhalb des letzten Jahrzehnts", hielt der Landesregierung aber vor, sie habe durch ihren Wortbruch die Bevölkerung im Regen stehen lassen.

Landungen kleiner Jets vorgesehen 

Die neue Bahn soll die Kapazität des größten deutschen Flughafens um 50 Prozent steigern. Sie ist ausschließlich für Landungen kleiner und mittlerer Jets vorgesehen. In einem ersten Schritt geht die Zahl der am Gesamtflughafen möglichen Flugbewegungen von 82 auf 90 pro Stunde nach oben. In der Endstufe sollen 126 Starts und Landungen möglich sein. Das entspricht einer Kapazität von rund 90 Millionen Passagieren pro Jahr nach zuletzt 53 Millionen im Jahr 2010. Mit der neuen Piste wird es in Frankfurt zwei Start- und Landebahnen sowie jeweils eine Startbahn und eine Landebahn geben.