Unter den Opfern ist Blumenhändler Enver Simsek (oben links)

Enver Simsek, Blumenhändler aus Schlüchtern, war im Jahr 2000 das erste Opfer der rechtsterroristischen Mordserie. Elf Jahre lang rätselte seine Tochter Semiya über die Täter. Dass es offenbar Rechtsradikale waren, kann sie nur schwer akzeptieren.

Videobeitrag

Video

zum Video Rechtsextreme Terroristen verantwortlich für Mordserie?

startbild-nsu
Ende des Videobeitrags

Semiya Simsek und ihre Familie hatten sich 9. November, einem Freitag, auf einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher gefreut. Der Tee war gekocht, der Anpfiff des Fußballspiels Türkei gegen Kroatien stand bevor. Dann kam ihr Bruder ins Zimmer und sagte: "Schaltet mal die Nachrichten ein" - und ein Sprecher las Semiya Simsek vor, wer vor elf Jahren ihren Vater mit acht Schüssen hingerichtet haben soll. 

"Ich bin aufgewühlt. Jetzt kommt alles hoch", schildert Semiya Simsek in hr3, was sie seit dieser Nachricht bewegt. Der Blumenhändler Enver Simsek war das erste Opfer in der Mordserie an neun türkisch- oder griechischstämmigen Kleinunternehmern. Er wurde am 9. September 2000 an seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg niedergeschossen. Da war seine Tochter noch ein Teenager. 

Ein Psychopath - das wäre einfacher gewesen 

Am Freitag hatten die Behörden berichtet, dass hinter den Serienmorden offenbar eine rechtsextreme Terrorzelle steckt. "Ich hätte nie gedacht, dass es Neonazis waren", sagt die 25-Jährige, die in Hessen lebt. Es sei für sie nur schwer zu akzeptieren, dass hinter dem Mord Rechtsextreme steckten. Ein Psychopath als Täter - daran hatte sie über die Jahre geglaubt. Sie sagt, es wäre für sie die einfachere Wahrheit gewesen. 

Semiya Simsek erinnert sich, wie sie damals nach Nürnberg fuhr und ihren Vater auf der Intensivstation sah. Nur scheibchenweise hatte man dem Mädchen die Wahrheit über den Zustand des Vaters gesagt. Später gerieten zeitweise auch ihre Mutter und ihr Onkel in Verdacht. 

Polizei meldet sich erst am Montag 

Eigentlich hätte sie gerne von der Polizei erfahren wollen, dass ihr Vater vermutlich von einer Neonazi-Gruppe umgebracht worden war. Doch zunächst meldete sich niemand bei ihr. "Gleich am Samstag habe ich beim Bundeskriminalamt (BKA) angerufen", sagt Semiya. "Doch ich wurde abgewiesen und darauf hingewiesen, dass ich mich doch in den Medien informieren sollte." Am Montag habe sie dann einen Anruf von der Polizei in Nürnberg erhalten Aber das war nach Meinung von Semiya "zu spät".