Casper performt auf der Bühne in der Jahrhunderthalle

Vibrierender Bass, sensible Texte und ein eskalierendes Publikum: Für diese Mischung ist Casper verantwortlich. Der Rapper bringt Festival-Flair in die Frankfurter Jahrhunderthalle – und das in paradiesischem Setting.

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Casper-Konzert in Frankfurt: Wie hat es seinen Fans gefallen?

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Frankfurt hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Rapper Casper gab am Donnerstagabend in der Jahrhunderthalle sein viertes von insgesamt zwölf Konzerten während seiner "Alles war schön und nichts tat weh"-Tour. Seine Musik brachte das Publikum zum Toben – und das kam gut an bei Casper: "Ich muss sagen: Frankfurt ist am verrücktesten bisher."

Hip-Hop-Arme, Moshpits und wilde Fans

Dass der deutsch-amerikanische Künstler zu diesem Schluss kommt, ist kaum verwunderlich. Immerhin herrschte in der Jahrhunderthalle eine Atmosphäre wie auf einem Festival – und das vom ersten gespielten Song "Alles war schön und nichts tat weh" an. Auf Caspers Frage: "Frankfurt, habt ihr Bock durchzudrehen?", folgten 90 Minuten freudige Eskalation.

Ein Meer aus sich bewegenden Armen in Hip-Hop-Manier, riesige Moshpits mit sich gegeneinander werfenden Körpern und fliegende Trinkbecher blieben nie lange aus – Bierduschen inklusive. Die pulsierende Stimmung brachte auch Casper schnell zur Beobachtung: "Ihr seid wild heute Abend!"

Von Rap bis Rock bis Indie bis Pop

Mit vibrierendem Bass, harten Hip-Hop-Beats, rockigen E-Gitarren-Klängen und gewohnt rauer Rap-Stimme spielte Casper eine ganze Bandbreite seiner Songs und zeigte damit einmal mehr, dass seine facettenreiche Musik längst nicht nur einem Genre entspricht.

Passend zum Titel der Tour spielte Casper, mit bürgerlichem Namen Benjamin Griffey, gemeinsam mit seiner Band die meisten Songs seines fünften im Februar erschienenen Studioalbums "Alles war schön und nichts tat weh".

Lieder wie "Lass es Rosen für mich regnen", "Billie Jo" oder "Wo warst du?" sang und rappte der 40-Jährige Schlag auf Schlag. Aber auch einige seiner erfolgreichsten Singles von anderen Alben performte Casper: "So perfekt", "Ganz schön okay" oder "Im Ascheregen" – letztere Single wurde mehr als 40 Millionen Mal allein bei Spotify gestreamt. Entsprechend textsicher und laut ging es gerade bei diesem Song zu.

Deutschrap mal anders

Seine Stimme ist kratzig, die Beats teilweise hart. Und doch bewies Casper während seines Frankfurter Konzerts erneut, dass sein Deutschrap in keine bestehende Schublade passt, zu reflektiert und teils melancholisch sind seine Texte. Der Rap-Rock-Künstler singt über Depressionen und mentale Gesundheit, Krieg und Naturkatastrophen.

Dass die Themen ihm wichtig sind, merkte man auch an wechselnden Botschaften auf der Rückwand der Bühne. Anti-Krieg-Statements, brennende Wälder oder der Aufruf, sich bei einer Depressionserkrankung professionelle Hilfe zu holen, dominierten zeitweise das Bühnenbild.

Casper performt auf der Bühne in der Jahrhunderthalle

Nicht nur die Inhalte seiner Texte standen teilweise im Kontrast zur Härte der Musik. Abgesehen von den eingeblendeten Botschaften ging es nahezu paradiesisch auf der Bühne in der Jahrhunderthalle zu. Ein lebensgroßer Baum, grüne Sträucher und unzählige bunte Blumen erinnerten im Gesamtbild an eine Kulisse des Garten Eden. Auch die Band, die Casper mit Gitarren, Keyboard, Schlagzeug, Cello und Background-Gesang begleitete, stand auf einem von Blumen eingewachsenen Podest.

Abgesehen von seiner Band hatte Casper noch weitere Unterstützung: Die Rapper Vega, Ahzumjot und Tua kamen für jeweils einen Song zu Casper auf die Bühne. Tua allerdings war nicht nur für den gemeinsamen Song "TNT" dabei, er war auch der Opener des Abends. Und war ebenfalls von dem euphorischen Frankfurter Publikum angetan: "Danke, dass ihr mich so warm aufgenommen habt", sagte der 36-Jährige am Ende seiner Performance, "das ist so auch nicht normal".

Ein Konzert, das in Erinnerung bleibt

Den Künstlern und vor allem dem Publikum dürfte dieser Konzertabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle also im Gedächtnis bleiben. Einem Fan übrigens ganz besonders: Casper reagierte auf ein Plakat, auf dem eine junge Frau ihn darum bat, ihr künftiges Tattoo zu zeichnen. Dieser Bitte kam er nach und ließ kurzerhand das Publikum über das Motiv abstimmen.

Zur Auswahl standen eine schöne Blume oder ein frecher Geist. Das Wahlergebnis war eindeutig: es wurde der Geist. Und so verließen Caspers Fans nach insgesamt knapp drei Stunden Rap-Musik die Halle in Unterliederbach: mit klebenden Schuhen, Bierresten in den Haaren und Tattooidee – eben fast wie bei einem Festival.