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Bürger in Biebergemünd beschweren sich über Baustelle

Wegen einer Baustelle fühlen sich die Menschen in zwei Dörfern im Main-Kinzig-Kreis abgeschnitten - oder zu einem Umweg von 37 Kilometern gezwungen. Aus Sicht der Verkehrsbehörde Hessen Mobil übersehen sie die Alternativen.

Nur knapp zwei Kilometer liegen zwischen den Biebergemünder Ortsteilen Roßbach und Bieber (Main-Kinzig-Kreis). Würde sich die B276 hier nicht schwungvoll zur Kurve biegen und würden entlang der Straße nicht hohe Bäume wachsen, könnte man problemlos vom einen Dorf ins andere schauen. Eigentlich. Aktuell scheinen Welten zwischen Roßbach und Bieber zu liegen. Schuld ist eine Baustelle.

"Das muss man sich mal vorstellen", sagt Janine Rüppel kopfschüttelnd. Die 31-Jährige lebt in Bieber und arbeitet in Roßbach. In der Mittagspause fahre sie immer nach Hause, helfe ihrer Großmutter bei der Einnahme von Medikamenten und gehe mit dem Hund Gassi. Statt der üblichen paar Kilometer müsste sie mit dem Auto dafür jetzt fast 40 Kilometer fahren. "Es ist einfach krass, was einem hier zugemutet wird", findet sie.

Bürgerinitiative gegründet

Weil die Fahrbahn der B276 seit Beginn der Sommerferien saniert wird, ist die Straße gesperrt. Alternativen als Verbindung der beiden Orte gibt es keine. Die offizielle Umleitung führt über die Biebergemünder Ortsteile Lanzingen, Kassel und Wirtheim über Bad Orb, Jossgrund und Flörsbach - das macht insgesamt rund 37 Kilometer. Mal eben zum Lieblingsbäcker im Nachbardorf, zum Arzt oder ins Freibad, all das ist jetzt mit größerem Aufwand und langen Umwegen verbunden. Zahlreiche Menschen fühlen sich schlicht abgeschnitten.

Karte der Umleitungsstrecke.

Vor den Bauarbeiten gründete sich deshalb sogar eine Bürgerinitiative. Die startete eine Petition, hing Plakate auf und rief zu einem Demonstrationszug auf. "Es ist ungeheuerlich, was da passiert ist", schimpft Gernot Hauf, der mit der Bürgerinitiative versuchte, die Vollsperrung und damit die Monster-Umleitung zu verhindern.

Hessen Mobil weist Kritik zurück - und Alternativen auf

Der Rentner kritisiert die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. Die habe die Menschen vor Ort nicht in die Planungen einbezogen, sondern einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden. "Da wird gesperrt, Umleitung läuft, ihr müsst fahren, fertig!", beschwert sich Hauf.

Kritik, die Hessen Mobil zurückweist: Man habe unter anderem mit der Gemeinde nach Alternativen und Lösungen gesucht. Eine halbseitige Sperrung der B276 zum Beispiel sei aber nicht möglich gewesen, erklärt Helmut Klein, Dezernent für Planung und Bau. Das liege an Regelungen des Arbeitsschutzes und zum Schutz der Verkehrsteilnehmer: Vorgeschriebene Abstände könnten dann nicht eingehalten werden, die Straße sei schlicht zu schmal. Es gebe an der Stelle einfach keine Alternative zur Vollsperrung.

Man könnte zum Beispiel mit dem Fahrrad fahren

Klein glaubt außerdem, dass die meisten Roßbacher und Bieberer nicht nur vom einen Dorf ins andere fahren, sondern darüber hinaus. Somit ergebe sich für die wenigsten von ihnen tatsächlich eine Umleitung von 37 Kilometern Länge. "Neben der B276 verlaufen außerdem ein sehr gut ausgebauter Radweg und parallel dazu ein gut ausgebauter Fußweg", zeigt Klein Alternativen auf.

Biebergemünder Ortsteile Roßbach und Bieber

Für den Busverkehr gibt es zudem eine Sonderlösung über einen Wirtschaftsweg der Gemeinde. Diese Busse fahren während der Bauarbeiten in erhöhtem Takt.

Anwohnerin Janine Rüppel stellt all das nicht zufrieden. "Mir fehlt da ganz einfach die Empathie", sagt sie. Ganz klar: Die Fronten sind verhärtet. Immerhin: Die Vollsperrung soll nach Angaben von Hessen Mobil schon in zwei Wochen und damit noch deutlich vor dem Ende der Sommerferien aufgehoben werden.

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