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Diese Spinnen und Insekten werden in Hessen heimisch

Das ist nichts für schwache Krabbeltier-Phobiker-Nerven: Durch das mildere Klima breiten sich Insekten und Spinnen aus dem Süden nun auch bei uns aus. Obwohl ihr Anblick furchterregend sein kann, sind sie für den Menschen meist harmlos - bis auf eine Ausnahme.

Weil die Winter milder und die Sommer wärmer werden, breiten sich einige exotische Tiere, die eigentlich im Süden heimisch sind, auch hierzulande aus. Manche dieser Arten, wie etwa die Gottesanbeterin, verbreiten sich laut Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) stark. Andere Tiere, wie die Hyalomma-Zecke, können sogar für den Menschen eine Gefahr darstellen.

Nosferatu-Spinne - kann sogar Glaswände hochlaufen

Zoropsis spinimana, so der wissenschaftliche Name der Nosferatu-Spinne, stammt laut Naturschutzbund (NABU) aus dem Mittelmeerraum und könnte über den stetig wachsenden Güterverkehr zu uns gelangt sein. 2005 wurde sie demnach das erste Mal in Deutschland nachgewiesen.

Nahaufnahme einer Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Die Nosferatu-Spinne spinnt zum Beutefang keine Netze, sondern verfolgt ihre Beute und stößt dann blitzartig vor. Sie kann beißen - und damit auch dem Menschen wehtun: Wer ihr zu nahe kommt, könnte ihren Biss zu spüren bekommen. Der ist im Prinzip zwar giftig, für den Menschen aber ungefährlich. Er sei ungefähr so schmerzhaft wie ein leichter Bienenstich, erklärt Frank-Uwe Pfuhl vom NABU. Die Wahrscheinlichkeit, von ihr angegriffen zu werden, tendiert seiner Einschätzung nach aber gegen null.

Das besondere an der Spinne: Sie kann selbst an senkrechten Glaswänden hochklettern - also dort, wo viele andere Spinnenarten abrutschen würden. Möglich sei das durch spezielle Hafthaare an den Beinen. Ihr Körper könne demnach rund zwei Zentimeter groß werden, die Beine spannten sich über sechs Zentimeter. "Stattlich, aber nicht rekordverdächtig", heißt es vom NABU. Die in Deutschland verbreitete Große Winkelspinne sei mit zehn Zentimetern Spannweite größer.

Gottesanbeterin - vor allem in Südhessen verbreitet

Ein weiteres eher ungewöhnliches Tier, das vor allem in Südhessen immer wieder gesichtet wird, ist die Europäische Gottesanbeterin. Gerade im Kreis Bergstraße hätten sich die Tiere besonders ausgebreitet, erklärt NABU-Experte Pfuhl. Die Gottesanbeterin zählt nicht zu den Heuschrecken, sondern zu den Fangschrecken. Siie kann bis zu acht Zentimeter groß werden.

Nahaufnahme einer Gottesanbeterin, die auf den Betrachter:innen blickt

Im Jahr 2004 soll das Insekt das erste Mal in Südhessen gesehen worden sein, seit 2017 erfasst das HLNUG sein Vorkommen. Es gilt demanch als "in Hessen etabliert". Wer eine Gottesanbeterin sieht, kann die Sichtung im Meldeportal des HLNUG dokumentieren.

Das Tier kann fliegen - dennoch ist es laut HLNUG fraglich, ob es alleine dadurch aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland gekommen ist. Den Angaben nach kann nicht ausgeschlossen werden, dass es unbemerkt in einem Auto mitgereist ist.

Wespenspinne - die Weibchen fressen die Männchen

Schön anzusehen sind sie, sofern man nicht unter Arachnophobie, der Angst vor Spinnen, leidet. Der Hinterleib der Wespenspinne ist gelb, schwarz und weiß gestreift und erinnert damit sehr an ihren Namensvetter, die Wespe. Wegen der schwarz-weißen Streifen wird sie gelegentlich auch Zebraspinne genannt.

Nahaufnahme einer Wespenspinne im Netz

Auch dieses Tier stammt aus dem Süden, hat sich aber laut NABU in den letzten Jahrzehnten weit verbreitet - nicht nur nach Hessen. Mittlerweile habe die Wespenspinne ihr Verbreitungsgebiet bis nach Nordeuropa ausgedehnt. 2004 sei sie das erste Mal in Norwegen gesichtet worden.

Die Ursachen für diese Ausbreitung sind nicht genau bekannt, auch hier vermutet der NABU die Klimaerwärmung als treibende Kraft. Am liebsten hält sich das Tier dort auf, wo es warm ist: Brachflächen entlang von Gleisanlagen und an Bahndämmen seien geradezu ideal für Wespenspinnen. In Mittelgebirgslagen komme sie stattdessen eher seltener vor.

Weibchen können den Angaben des NABU zufolge eine Körperlänge von bis zu 25 Millimetern erreichen. Die kleinen, unscheinbaren Männchen sind hellbraun und werden dagegen nur bis sechs Millimeter groß. Meist fielen nach dem Geschlechtsakt die Männchen dem angeborenen Kannibalismus der Weibchen zum Opfer, weshalb zum Herbst hin fast nur noch die Weibchen angetroffen werden.

Hyalomma-Zecke - kann Krankheiten übertragen

Auch dieses Tier stammt laut HLNUG aus dem Mittelmeerraum und bevorzugt warme und trockene Sommer. Die Zecken der Gattung Hyalomma seien über Zugvögel zu uns gelangt, dank des Klimawandels könnten sie sich möglicherweise ausbreiten. Die Zecke kann mit ihren Augen bis zu zehn Meter weit sehen und ihre Beute gezielt verfolgen.

Nahaufnahme einer 'Riesenzecke' am Grashalm

Das HLNUG beschreibt die Hyalomma-Zecke als "gesundheitlich relevant", denn sie kann für den Menschen tatsächlich gefährlich werden. 2019 konnte erstmals nachgewiesen werden, dass sich ein Mann über eine Hyalomma-Zecke mit Fleckfieber angesteckt hat. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden, wie das Ärtzeblatt berichtete. Außerdem soll die Hyalomma-Zecke fähig sein, das Krim-Kongo-Fieber zu übertragen.

Links eine normale Zecke ("Gemeiner Holzbock"), rechts eine deutlich größere Hyalomma-Zecke

Laut dem Hessischen Landeslabor (LHL) können Weibchen bis zu etwa zwei Zentimeter groß werden. Die Tiere haben demnach gegliederte Beine, mit denen sie überraschend schnell laufen können. Große Säugetiere, wie Pferde oder Rinder, würden von ihnen befallen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bewertet die Verbreitungschancen im Jahr 2020 ungewiss. "Es ist unklar, ob die im Winter überlebenden Tiere ausreichen, um langfristig eine eigene Population in Deutschland aufzubauen", so das RKI.