Oliver Glasner im Dezember 2022.

Eintracht Frankfurt reist ins Trainingslager nach Dubai. Viele Fans kritisieren die Entscheidung aufgrund der Menschenrechtslage und Freiheitsbeschränkungen im Emirat. Trainer Oliver Glasner hat dafür kein Verständnis und verweist auf deutsche Urlauber.

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Glasner: Müssen uns nicht rechtfertigen

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Gesprächsthema war es seit einigen Wochen, am Dienstag wurde es dann offiziell: Eintracht Frankfurt reist in der Wintervorbereitung vom 4. bis 14. Januar zum Trainingslager nach Dubai. In vielen Fan-Foren und den sozialen Netzwerken äußerten nun Eintracht-Anhänger ihr Unverständnis für den Plan des Klubs. Denn der Stadtstaat am Persischen Golf steht aufgrund von Menschenrechtsverletzungen, Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter und Einschränkungen von Freiheiten schon lange in der Kritik.

Wie viele andere Twitter-User kommentierte der User @JohnBalluff in Richtung des Vorstands: "Axel, das hätte ich jetzt echt nicht erwartet von euch. Schwaches Bild." Der langjährige Dolmetscher der Eintracht Stéphane Gödde schrieb auf Twitter: "Hey Eintracht! Sobald Du Dich auf Deine Werte, die auch die meinigen sind, besinnst, folge ich dir gerne wieder. Reist du tatsächlich nach Dubai, stehe ich Dir sprachlich und stimmlich nicht mehr zur Verfügung." Für viele stehen die Umstände im Land konträr zu den proklamierten Werten von Eintracht Frankfurt.

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Homosexualität verboten

Der Klub hat sein Engagement gegen Diskriminierung und für Toleranz oft bewiesen. Im Zuge des EM-Spiels gegen Ungarn 2021 verkündete Vorstandssprecher Axel Hellmann, dass das Stadion der Eintracht in Regenbogenfarben erleuchtet werde. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai gehört, sind homosexuelle Handlungen verboten und werden bei Anzeige strafrechtlich geahndet.

Vorstandsmitglied Philipp Reschke hatte sich jüngst auf einer Podiumsdiskussion zur WM in Katar so geäußert: "Das Thema Menschenrechte, aber auch Folgethemen wie Arbeitsbedingungen am Bau und weitere rechtliche Aspekte, können die Verbände dezidiert in die Ausschreibungsprozesse einbinden, um klare Kriterien zu schaffen und ohne Rechtsrisiken solche Turniere den Nationen wieder entziehen zu können." Auch in Dubai prangern NGOs immer wieder Verletzungen der Menschenrechte und schlimme Arbeitsbedingungen an.

Amnesty berichtet von Folter in Dubai

Das Handelsblatt berichtete schon 2008 von fehlenden Lohnzahlungen und Arbeit in der Hitze bei Gastarbeitenden im Land. "Luxuswelt aus Sklavenhand", titelte der Spiegel. Der London High Court hat den Herrscher des Emirats in dessen Abwesenheit wegen Folter und Entführung seiner Töchter schuldig gesprochen.

Laut Amnesty International wurden in diesem Jahr neue Gesetze in Kraft gesetzt, die das Recht auf freie Meinungsäußerung erheblich einschränken. Der Menschenrechtsverteidiger Ahmed Mansoor sei beispielsweise ein Jahr lang in Einzelhaft genommen worden; die Umstände erfüllten den "Tatbestand der Folter", so Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für die Region von Amnesty, auf hr-Sport-Nachfrage. Sie sagt weiter: "Auch Fußballvereine tragen eine menschenrechtliche Verantwortung – die Verantwortlichen sollten sich über die Lage im Gastland informieren und kritische Punkte ansprechen."

Für die Eintracht ist es eine rein sportliche Reise

Bei Eintracht Frankfurt verweisen sie darauf, dass die Entscheidung für den Ort rein sportliche Gründe gehabt habe und - anders als bei der Japan-Reise - keine PR-Aktivitäten geplant seien. Eine Unterstützung der DFL für Klubs, die die Auslandsvermarktung der Bundesliga durch ihre Reisen beispielsweise in die USA forcieren, gebe es in diesem Fall nicht. Gegen die Optionen Südeuropa und USA haben fehlende Hotelkapazitäten oder Testspielgegner gesprochen, für Dubai die vergleichsweise kurze Anreise, das Wetter und die sportlichen Bedingungen. Zwischen Frankfurt und Dubai besteht eine Städtepartnerschaft.

Am Mittwoch äußerte sich nach dem Training auch Coach Oliver Glasner sehr deutlich in einer Medienrunde. "Ich kann die Kritik an unserer Dubai-Reise nicht nachvollziehen. Jedes Jahr fliegen eine Million Deutsche nach Dubai in den Urlaub." Und weiter: "Wir müssen uns nicht dafür rechtfertigen, dass wir nach Dubai ins Trainingslager fahren. Das ist meine Meinung."

Glasner: "Müssen wir uns zu jedem Missstand äußern?"

In den Augen von Glasner bildet die Kabine mit verschiedenen Religionen, Sprachen und Nahrungsausrichtungen schon ein Zeichen für gelebte Integration ab. "Aber wenn sich der Fußball oder der Sport insgesamt immer zu allen Missständen äußern würde, wären wir jede Woche nur damit beschäftigt. Es gibt viele Missstände auf der Welt, in vielen Ländern. Aber müssen wir uns als Sportler bei jedem Pflichtspiel dazu äußern? Wo fängt man dann an und wo hört man auf?!"

Es sei wichtig, dass man die Augen offen halte und sich positioniere. Der Trainer schloss seine Ausführungen mit der Einschränkung: "Aber wir dürfen unseren Fokus nicht verlieren und müssen uns auf unseren Job konzentrieren."