Franz-Peter Tebartz-van-Elst

Der Papst hat dem Limburger Bischof vorerst die Führung der Amtsgeschäfte entzogen. Mitten in seiner Amtskrise wird Franz-Peter Tebartz-van Elst beurlaubt, ein neuer Generalvikar übernimmt. Für wie lange, ist ungewiss.

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Nach seiner Audienz beim Papst am Montag war es still um den Limburger Bischof geworden, aber am Mittwoch ging dann alles ganz schnell: Papst Franziskus lässt Tebartz-van Elst vorerst im Amt. Im täglichen Bulletin des Heiligen Stuhls heißt es aber, in der Diözese sei es zu einer Situation gekommen, in der der Bischof seinen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben könne. Der Heilige Stuhl gewährt Tebartz-van Elst bis zum Abschluss der Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn demnach eine Zeit außerhalb der Diözese. "Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden", heißt es in der Mitteilung weiter. Das Bistum kündigte für 15.30 Uhr eine Pressekonferenz in Limburg an. 

Die "Bild"-Zeitung (Mittwoch) will erfahren haben, dass der Bischof noch im Laufe des Mittwochs Rom verlassen wird. Ziel soll ein französisches Kloster sein, das ihm zunächst Schutz vor der Öffentlichkeit bieten könnte.

Kaspar auch in der Kritik

Papst Franziskus benannte den designierten Limburger Generalvikar Wolfgang Rösch mit der vorübergehenden Leitung der Amtsgeschäfte im Bistum Limburg. Rösch, der als Vertrauter von Tebartz-van Elst gilt, sollte seinen Dienst ursprünglich erst im Januar antreten und dann den bisherigen Generalvikar Franz Kaspar ablösen. Dieser hatte gemäß Kirchenrecht bereits im Mai zu seinem 75. Geburtstag den Verzicht auf sein Amt angeboten. Tebartz-van Elst hatte ihn jedoch ausdrücklich gebeten, bis auf weiteres im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger ernannt werde. 

Kaspar war im Zusammenhang mit Berichten über einen Indienflug mit Tebartz-van Elst Anfang 2012 in die Schlagzeilen geraten. Nach Angaben des Bistums hatte der Generalvikar vor allem aus seinen Bonusmeilen ein Upgrade in die Erste Klasse finanziert. Die Hamburger Staatsanwaltschaft beantragte gegen Tebartz-van Elst einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Erklärungen. Dabei geht es um seine Aussagen im Zusammenhang mit dem Flug.

"Papst ist de facto Bischof von Limburg"

Wann und ob Tebartz-van Elst sein Amt wieder ausüben wird, ist unklar. Kirchenrechtler Thomas Schüller hält eine Rückkehr für ausgeschlossen. Auch im Bulletin des Vatikans werde von einer möglichen Rückkehr des angeschlagenen Kirchenmannes nichts erwähnt, sagte er am Mittwoch. "Der Papst hat die Zügel in die Hand genommen. De Facto ist er jetzt Bischof von Limburg." 

Die vorübergehende Suspendierung des Bischofs sei "systemkonform", betonte Schüller. Der Papst warte nun ab, bis die Unterlagen zum kostspieligen Bau des Bischofssitzes untersucht worden seien und Fakten vorlägen. "Hätte er den Bischof direkt zum Amtsverzicht gezwungen oder des Amtes enthoben, wäre das einer Vorverurteilung gleichgekommen", sagte Schüller. Wichtig sei vor allem, dass mit der vorgezogenen Amtsübernahme Röschs als Generalvikar und Stellvertreter des Bischofs Kaspar "weg ist und nichts mehr vertuschen kann". Kaspar sei neben Tebartz-van Elst der Hauptverantwortliche für den Finanzskandal.

Prüfkommission untersucht Finanzierung

Tebartz-van Elst, der im Januar 2008 sein Amt angetreten hatte, steht seit Monaten in der Kritik. Dem 53-Jährigen wird Verschwendung beim Bau der neuen Residenz am Domberg vorgeworfen. Inzwischen sollen Baukosten von mindestens 31 Millionen Euro anfallen, ursprünglich waren 2,5 Millionen Euro genannt worden. Eine Prüfkommission der Deutschen Bischofskonferenz untersucht seit Freitag die Finanzierung. 

Die Limburger Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Bischof eröffnet. Es waren mehrere Anzeigen wegen Untreue eingegangen.

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Wolfgang Rösch

Wolfgang Rösch stammt aus Wiesbaden und wuchs in Erbach im Rheingau auf. 1990 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Rösch kehrte nach Limburg zurück und wurde Kaplan in Wetzlar, später in Hadamar. 1997 berief ihn der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus zum Leiter des Priesterseminars in Limburg. 2003 bis 2010 war er Pfarrer in den Königsteiner Pfarreien, anschließend Stadtdekan in Wiesbaden.

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