Künstler und Designer Johannes Ehemann

Von seiner Zeit als Eishockey-Spieler ist Johannes Ehemann nicht viel mehr geblieben als eine Zahnlücke. Der 26-Jährige konzentriert sich jetzt in seinem Atelier in Offenbach auf Kunst und Design - und das mit großem Erfolg.

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Johannes Ehemann: Vom Eishockey-Profi zum Design-Künstler

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Johannes Ehemann bezieht gerade sein neues Atelier in Offenbach, in einem Hinterhof im Mathildenviertel. "Das habe ich bei Ebay Kleinanzeigen gefunden. Unter Hobbyräume." Mit den neuen Räumlichkeiten könne er sein Künstlerdasein richtig nach Außen repräsentieren, sagt er. Dabei ist das Atelier noch gar nicht fertig, an der Wand hängen bislang nur wenige Werke, wie etwa eine gefaltete, rote Plexiglasscheibe, die im Licht schimmert. Die Aufschrift: "Smile you are the greatest". Dieses Werk gehe jetzt an einen Kunden raus.

Dass es im Atelier so leer ist, sei ein gutes Zeichen, sagt Ehemann. Denn er sei quasi ausverkauft. Nur ein unfertiges Holzgemälde stehe noch in seinem Büro und ein paar Basketball-Skulpturen. Seine Kunst verkaufe der 26-Jährige mittlerweile in die ganze Welt, von Berlin bis nach San Francisco.

Am Anfang war das Eishockey

Als Künstler und Designer Erfolg zu haben, das hatte der im bayerischen Schwabach geborene Johannes Ehemann nach eigenen Angaben nicht geplant. Eigentlich habe er Eishockey-Profi werden wollen. Schon als Dreijähriger habe er auf dem Eis gestanden, wie auch schon sein Großvater. Sein Weg habe direkt ins Nachwuchszentrum der Eisbären Berlin geführt, eine Profi-Karriere stand in Aussicht und tatsächlich schaffte er es bis in die 3. Liga bei den Saale Bulls in Halle.

Zu viel Business, zu wenig Individualität

Eine Verletzung während seiner aktiven Zeit habe ihm die Augen über den Profisport geöffnet. "Das war das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass der Sport natürlich auch ein Business ist", erzählt Ehemann. Die Trainer hätten damals schnell das Interesse an ihm verloren. Und auch etwas anderes habe ihn zunehmend gestört: "Durch das Eishockey war es so, dass man seine Individualität in einem Team an der Kabinentür abgibt". Es habe sich bei ihm der Drang breit gemacht, etwas für sich selbst zu haben. "Und das war dann eben die Kunst."

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Modischer Außenseiter in der Sportkabine

Und so richtig ins Team gepasst habe er nie, in der Kabine sei er mit seiner modischen Kleidung, seiner Sneaker-Sammlung und seiner Leidenschaft für das Malen der "Odd-Man-Out" gewesen, der Außenseiter. Schließlich habe ihn der Geschäftsführer des Vereins in der Kabine auf sein Hobby angesprochen. "Er hat gefragt, ob ich nebenberuflich schwarz malen würde, ob das Gehalt nicht ausreichen würde. Ich habe dann gesagt: Nein, ich male Bilder". Kurzerhand habe der Geschäftsführer drei Gemälde von ihm gekauft. "Ab dann war ich wohl Künstler." Zudem habe er ein Modedesign-Studium begonnen.

Klare Entscheidung für die Kunst

Vom Eishockey geblieben ist Ehemann seine Zahnlücke, beruflich widme er sich nun 100-prozentig der Kunst. "Irgendwann stand ich an dem Punkt, an dem ich mich entscheiden musste. Sie haben gesagt: Wir können dich in der Galerie nicht aufnehmen, wenn du nicht 100 Prozent professioneller Künstler bist." Wie man Kunst macht, habe er sich selbst beigebracht.

Ex-Eishockey-Profi Johannes Ehemann in seinem Frankfurter Atalier

Um die 5.000 Euro für einen echten Ehemann

Geholfen habe allerdings das Technische Zeichnen, das er beim Modedesign-Studium gelernt habe. Statt auf dem Eis zu stehen, fotografiere er heute, male mit Acryl auf Holz oder zerknülle und falte Plexiglas. Um die 5.000 Euro müssen Interessierte zum Beispiel für seine online angebotenen Acrylgemälde zahlen. "Ich bin stolz darauf, dass ich mittlerweile davon leben kann", sagt er. Das Geld sei aber nicht entscheidend. "Wenn man von einem finanziellen Gedanken getrieben wird, dann rutscht man sehr schnell in den Kommerz."

In Zukunft möchte Johannes Ehemann mehr Kritik in seiner Kunst unterbringen. "Ich liebe es, Herr über meine Gedanken und meine Arbeit zu sein", sagt er. Aber es sei auch langsam an der Zeit, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. "Ich will auch andere dazu motivieren, dass jeder der Odd-Man-Out sein kann."

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