Intendant Dieter Wedel spricht und gestikuliert.
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Regisseur Dieter Wedel ist nach wiederholten Vorwürfen wegen angeblicher sexueller Übergriffe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den 75-Jährigen.

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Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Regisseur Dieter Wedel wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat. Es liege ein Anfangsverdacht gegen den 75-Jährigen vor, sagte am Montagabend (22.01.18) eine Behördensprecherin der Deutschen Presse-Agentur in München. Zuvor hatte die Bild darüber berichtet.

Ausgangspunkt für das Ermittlungsverfahren sei ein Bericht im Zeit-Magazin, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sie betonte, dass die Einleitung des Ermittlungsverfahrens noch kein Hinweis für eine Schuld Wedels sei. Dies gelte es nun herauszufinden.

Wedel widerspricht Anschuldigungen

Am Montagnachmittag war der Star-Regisseur als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Der 75-Jährige könne seine Aufgaben für die Theater-Festspiele nicht weiter wahrnehmen, erklärte eine Sprecherin Wedels.

In einer persönlichen Stellungnahme erklärte Wedel, er sehe sich seit mehr als zwei Wochen einer "nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigen und Vorwürfen ausgesetzt."

Im Zeit-Magazin vom 3. Januar hatten mehrere Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen Wedel erhoben, die bis hin zum erzwungenen Sex reichten. Wedel widersprach den Anschuldigungen per eidesstattlicher Erklärung. Unterstützung erhielt er zuletzt auch vom Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos), der selbst von einer "Hexenjagd" sprach.

Nach Herzattacke in Klinik

Wedel liegt derzeit nach einer Herzattacke im Krankenhaus. Das teilte eine Sprecherin der Festspiele am Montag mit. Zuvor hatte die Bild darüber berichtet. Der Regisseur selbst schrieb dazu in seiner Rücktrittserklärung: "Der Umfang, die Art und Weise der Darstellung, die Anfeindungen haben für mich in meinem 76sten Lebensjahr ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten."

Wedel bestritt in dem Schreiben die Vorwürfe gegen ihn erneut und beklagte angesichts der Berichterstattung der vergangenen Wochen ein Klima der Vorverurteilung. Die Anschuldigungen, die teilweise über 20 Jahre zurückliegen, hätten ihn "zutiefst verstört und erschüttert", so Wedel. "Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer."

Hinkel übernimmt - Festspiele 2018 finden statt

Joern Hinkel
Joern Hinkel Bild © picture-alliance/dpa

Er wolle sich von nun an nicht mehr öffentlich zu den Vorwürfen äußern, so Wedel. Die Bad Hersfelder Festspiele wolle er "aus der diffarmierenden Diskussion um meine Person heraushalten". Deswegen habe er dem Bad Hersfelder Bürgermeister Fehling seinen Rücktritt angeboten. Als seinen kommissarischen Nachfolger empfahl Wedel seinen bisherigen Stellvertreter und künstlerischen Leiter Joern Hinkel.

Der Magistrat der Stadt nahm Wedels Rücktrittsangebot an und benannte Hinkel zum kommissarischen Nachfolger der Festspiele. Das teilte ein Stadtsprecher am Montagabend mit. Der 47 Jahre alte Hinkel inszenierte bisher zahlreiche Opern und Theaterstücke, aber auch Kurz- und Dokumentarfilme. Laut der Stadt Bad Hersfeld sollen die nächsten Festspiele wie geplant stattfinden. Sie sind vom 6. Juli bis 2. September vorgesehen.

Hersfelder Bürgermeister: "Heute ist ein trauriger Tag"

Wedel war im Herbst 2014 Intendant der Bad Hersfelder Festspiele geworden. Seitdem habe er es geschafft, die künstlerische Qualität der Festspiele zu steigern und sie mit renommierten Schauspielern wieder bundesweit als Marke zu etablieren, teilte Rathauschef Fehling in einer ersten Reaktion auf Wedels Rücktritt mit. Er sprach von einem "schmerzlichen Schritt für die Festspiele und die Stadt".

Fehling dankte Wedel "für seine herausragende Leistung und sein unermüdliches Engagement". Wedels Rücktritt verbunden mit der Hoffnung, weiteren Schaden von Bad Hersfeld abzuwenden, nötige ihm großen Respekt ab.