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"Zeitenwende" zum Wort des Jahres gekürt

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat "Zeitenwende" zum Wort des Jahres 2022 gekürt. Geprägt hat es Bundeskanzler Scholz im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Auf Platz zwei und drei folgen die Wendung "Krieg um Frieden" und die "Gaspreisbremse".

"Zeitenwende" ist das Wort des Jahres 2022. Diese Entscheidung gab die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. 

"Zeitenwende" steht im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und wurde unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aufgegriffen und geprägt. "Der russische Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Er bedroht unsere gesamte Nachkriegsordnung", hatte er Ende Februar gesagt. Bundespräsident Steinmeier sprach im gleichen Zusammenhang von einem "Epochenbruch". Das Wort "Zeitenwende" sei keineswegs neu, habe aber bisher speziell für den Beginn der christlichen Zeitrechnung, in allgemeinerer Bedeutung auch für jeden beliebigen Übergang in eine neue Ära gestanden, so die Jury.

Auch die Wendung "Krieg um Frieden" auf Platz zwei entstand im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Die weiteren Top-10-Begriffe "Gaspreisbremse", "Inflationsschmerz" und "neue Normalität" beschreiben die Auswirkungen, die der Krieg auf die deutsche Gesellschaft hatte.

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Die zehn "Wörter des Jahres 2022"

  1. Zeitenwende
  2. Krieg um Frieden
  3. Gaspreisbremse
  4. Inflationsschmerz
  5. Klimakleber
  6. Doppel-Wumms
  7. neue Normalität
  8. 9-Euro-Ticket
  9. Glühwein-WM
  10. Waschlappentipps
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Mehr als 2.000 Vorschläge

Bei der Aktion "Wort des Jahres" werden regelmäßig Begriffe ausgewählt, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland nach Ansicht der Jury in einem Jahr sprachlich besonders bestimmt haben. Diesmal gingen mehr als 2.000 Einsendungen ein.

2021 war "Wellenbrecher" das "Wort des Jahres". Das aus dem Küstenschutz und Schiffbau bekannte Wort wurde als Sammelbegriff für alle Schutzmaßnahmen benutzt, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Für einen Platz auf der Liste ist nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache nicht die Häufigkeit entscheidend, sondern die Bedeutsamkeit und Popularität.

"Mit keinerlei Wertung verbunden"

Die ausgewählten Wörter und Wendungen seien mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden, erläuterten die Sprachwissenschaftler. Erstmals war das "Wort des Jahres" 1971 gekürt worden ("aufmüpfig"), seit 1977 wird es jedes Jahr gewählt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache ist eine politisch unabhängige Vereinigung zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache mit Sitz in Wiesbaden und wird von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz gefördert. Der 1947 gegründete, gemeinnützige Verein bietet unter anderem auch Sprachberatung bei Fragen rund um Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung an.

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