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Bringt Fernsehfahndung Wende in Rodgauer Vermisstenfall?

Bildkombination: links Polizeifoto Harald Oehlschläger, rechts Leuchttafeln mit den Logos und Schriftzügen der TV-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst"

Wo ist Harald Oehlschläger? Diese Frage stellen sich nicht nur dessen Kinder, seit der 69-Jährige vor 15 Monaten spurlos verschwand. Die Polizei steht vor einem völligen Rätsel. Jetzt soll die Bevölkerung mithelfen.

Ein außergewöhnlicher Vermisstenfall beschäftigte am Mittwochabend die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst“. Vor mehr als einem Jahr verschwand der damals 69 Jahre alte Harald Oehlschläger aus Rodgau (Offenbach) vollkommen spurlos. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, steht allerdings vor einem Rätsel.

Polizei spricht von "sehr mysteriösem" Fall

"Das ist defintiv sehr mysteriös", sagt Thomas Leipold, Sprecher der Polizei Südosthessen. "Wir haben alles an Ermittlungsmaßnahmen ausgeschöpft." Bislang allerdings ohne jegliches Ergebnis. Harald Oehlschläger hatte sich am 16. Mai 2021 noch mit Freunden in Münster (Darmstadt-Dieburg) getroffen.

Zwei Tage später, am 18. Mai, ließ er sich an einem Bankautomaten in der Nähe seiner Wohnung im Stadtteil Nieder-Roden Kontoauszüge ausdrucken. Das belegen Aufnahmen der Überwachungskamera. Auf den Bildern ist der Hobbymusiker in beiger Hose und Kapuzenpulli zu sehen, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Seine Brille hängt an einem Band um seinen Hals.

Letzte Spur: EC-Karte im Lebensmittelmarkt benutzt

Eine halbe Stunde nach der Entstehung der Aufnahmen wurde in einem einige hundert Meter entfernten Lebensmittelmarkt mit der EC-Karte Oehlschlägers ein Einkauf bezahlt. Vermutlich durch ihn selbst, hundertprozentig belegt sei das aber nicht, so der Polizeisprecher.

Was danach geschah, weiß niemand. Nachdem tagelang keine Kontaktaufnahme mit "Öli", wie ihn seine Musikerfreunde nennen, möglich war, ging die Polizei zusammen mit dem nebenan wohnenden und kurz zuvor aus einer Reha zurückgekehrten Bruder des Vermissten in dessen Wohnung. Dort fand sie eine halbgefüllte Tasse Tee, das Licht brannte.

Sohn: "Als wäre er nur mal kurz rausgegangen"

"Es sah aus, als sei er nur mal kurz rausgegangen und würde jeden Moment wiederkommen", berichtet Oehlschlägers Sohn Aaron. Tabak, Klamotten, Gitarren – alles war an seinem Platz. Der Laptop stand auf dem Tisch. Nur Handy und Geldbörse fehlten, Dinge also, die man mitnimmt, wenn man kurz das Haus verlässt.

Auch Oehlschlägers Auto stand verschlossen in der Garage. Nach Aussage seines Sohnes benutzte es der Vermisste auch für kurze Wege, da er nicht besonders gut zu Fuß war. So soll er laut Polizei wegen eines Hüftleidens einen langsamen, unrunden Gang haben.

Flugblätter und Soziale Medien brachten keinen Hinweis

"Wir haben alles versucht, um ihn zu finden“, sagt Aaron Oehlschläger. Flugblätter, Soziale Medien, Befragungen von Nachbarn – nichts hat auch nur den Ansatz eines brauchbaren Hinweises ergeben. "Es ist, als sei der Erdboden aufgegangen, habe ihn hineingezogen und sich wieder verschlossen."

Dass sein Vater sich bewusst abgesetzt haben könnte, schließt der 30-Jährige aus. Für einen Suizid, das bestätigt auch die Polizei, gebe es ebenfalls keinerlei Hinweise. Über Krankheiten ist nichts bekannt, für einen Unfall fehlen jegliche Anhaltspunkte. "Ich persönlich gehe von einem Fremdverschulden aus", sagt Sohn Aaron und meint damit ein mögliches Verbrechen.

Polizei schließt Verbrechen nicht aus

Die Polizei hat bis heute keine neuen Erkenntnisse und schließt deshalb auch nichts von vornherein aus. "Ein Verbrechen ist möglich", so Polizeisprecher Leipold. Es habe aber auch Fälle gegeben, wo jemand in eine hilflose Lage geriet und erst Jahre später in einem Waldstück gefunden wurde, so wie kürzlich in Dreieich (Offenbach).

In die Fernsehsendung setzen Ermittler und Familie große Hoffnungen. "Ich weiß, dass das viele Leute sehen", sagt Aaron Oehlschläger. "Vielleicht erinnert sich doch irgendjemand an eine komische Situation." Eine Situation, der man womöglich bislang keine große Bedeutung beigemessen hat.

XY-Redaktion: Unerklärlicher Fall

Selbst für der Redaktion von "Aktenzeichen XY... ungelöst" ist der Fall aus Rodgau unerklärlich. Sie habe sich den Beitrag noch einmal angeschaut, sagt Chefredakteurin Ina Reize-Wildemann und gibt zu: "Man sitzt da und sagt sich: Das kann nicht sein, so etwas gibt es doch gar nicht."

Sie selbst gehe nicht so sehr davon aus, dass sich während der Sendung jemand meldet, der wisse, wo sich Oehlschläger befindet. Aber ein Hinweis aus der Menge der Zuschauer, der die Ermittler noch einmal in eine andere Richtung blicken lasse, wäre schon etwas. "Ein Kontakt, ein Zusammenhang, irgendwas."

Erste Hinweise, aber keine heiße Spur

Die Hoffnung auf den Durchbruch erfüllte sich kurz nach der Sendung noch nicht. Polizeisprecher Leipold sagte am Donnerstag, es seien einige Hinweise eingegangen. Vorrangig seien sie von Anrufern gekommen, die Harald Oehlschläger nach dem Datum seines Verschwindens an verschiedenen Orten gesehen haben wollen.

Die Anrufe würden nun auf Stichhaltigkeit überprüft. Eine "heiße Spur" sei noch nicht darunter. Ebenso gebe es keinen konkreten Hinweis, der auf ein Verbrechen hindeutet, wenngleich ein solches weiterhin nicht ausgeschlossen werden könne.

Der Wunsch: Ein Ende der Ungewissheit

Für Aaron Oehlschläger und seine zwei Jahre ältere Schwester Sarah wäre es eine Riesen-Erleichterung, wenn die Ungewissheit bald ein Ende hätte. "Am Anfang ist man total aufgewühlt, versucht sich vorzustellen, was passiert sein könnte", sagt der 30-Jährige. Doch das bringe nichts. "Irgendwann merkt man, dass das Leben irgendwie weitergehen muss."

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