16.000 Menschen betroffen Weltkriegsbombe in Hanau kontrolliert gesprengt

Der Kampfmittelräumdienst hat in Hanau eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe erfolgreich gesprengt. Von den Evakuierungen waren 16.000 Menschen betroffen. Die Entschärfung gestaltete sich anders als geplant.

Wagen der Einsatzkräfte vor der Main-Kinzig-Halle in Hanau, wo die von der Evakuierung betroffenen Menschen betreut wurden
Wagen der Einsatzkräfte vor der Main-Kinzig-Halle in Hanau, wo die von der Evakuierung betroffenen Menschen betreut wurden Bild © Lars Hofmann/hr
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Bombe in Hanau erfolgreich gesprengt

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Bild © hessenschau.de
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In Hanau ist eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe kontrolliert gesprengt worden. Das teilte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) um 20.19 Uhr auf Facebook mit. "Der Sperrbereich ist aufgehoben. Kommen Sie gut nach Hause", postete der Oberbürgermeister wenig später an die Adresse der Anwohner, die ihre Wohnungen verlassen mussten.

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Kampfmittelräumdienst entscheidet sich zu sprengen

Die Entschärfung der Bombe lief nicht planmäßig. Ein Zünder habe sich ausbauen lassen, der andere nicht, hatte Kaminsky gegen 17 Uhr mitgeteilt. Daher habe der Kampfmittelräumdienst entschieden, die Bombe am Mittwochabend kontrolliert zu sprengen.

Am Mittwochmorgen war das Gebiet um die Fundstelle der Bombe evakuiert worden. Die Evakuierung war um 13.26 Uhr abgeschlossen worden, wie die Stadt auf Twitter mitgeteilte. Betroffen von der Evakuierung waren rund 16.000 Menschen. Die Main-Kinzig-Halle wurde als Notunterkunft zur Verfügung gestellt.

Produktion bei Unternehmen eingestellt

Die Werkfeuerwehr des Technologieunternehmens Heraeus hatte die Bombe am Dienstagvormittag auf dem Betriebsgelände nahe der Hanauer Innenstadt gefunden. Der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt sicherte danach das Gelände - und legte den Sicherheitsbereich auf 750 Meter um die Fundstelle fest.

Auch 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Heraeus konnten am Mittwoch nicht zur Arbeit gehen. Die Produktion ruhte am Morgen. "Wir können das ganz gut händeln. Aber es ist auch ein bisschen aufregend", sagte Unternehmenssprecherin Diana Büchner. Für solche Situationen gebe es Notfallpläne. Auch das Metallverarbeitungsunternehmen Vacuumschmelze war von der Evakuierung betroffen.

Karte von Hanau mit Verortung des Bombenfundorts und der Evakuierungszone.
Bild © OpenStreetMap-Mitwirkende, hessenschau.de

Klinikum: "Relativ entspannt"

Von der Sperrung betroffen war auch das Klinikum. Etwa 70 Patientinnen und Patienten wurden bereits am Dienstag in andere Krankenhäuser und ein Bürgerhaus in der Umgebung gebracht. Rund 180 Patienten, darunter 50 Intensivpatienten, konnten innerhalb des Klinikums in gesicherte Bereiche verlagert werden. Rund 100 Patienten wurden planmäßig entlassen.

"Wir haben das gestern Nachmittag und Abend schon gestemmt", sagte Janina Sauer, Pressesprecherin des Klinikums. "Das ist abgeschlossen. Jetzt können wir heute relativ entspannt sein."

Außenansicht des Klinikums Hanau
Das Klinikum Hanau wurde - mit Ausnahme der Intensivpatienten - bereits am Dienstag evakuiert. Bild © picture-alliance/dpa

Schulen und Kitas betroffen

Auch das Altenzentrum Bernhard Eberhard war evakuiert worden. Im Sicherheitsradius befanden sich zudem die Anne-Frank-Schule und die Brüder-Grimm-Schule. Geschlossen blieb auch die Ludwig-Geissler-Schule.

Außerdem waren folgende Kindertagesstätten betroffen: Kita Janusz-Korczak, Kita Brüder-Grimm, Kita Margareten, Kinderhaus Saalburgstraße, Kinderburg und Kita Tümpelgarten, Kita St. Josef, Familienzentrum der Kathinka-Platzhoff-Stiftung und das Angebot "Mittendrin" der Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Alle Kitas außerhalb des Sicherheitsradius blieben geöffnet.

Ebenfalls geschlossen wurde das Nachbarschaftshaus Tümpelgarten, das Stadtteilzentrum Süd-Ost, die Jahnhalle, der Hauptfriedhof und der Bürgerservice Hanau.

Als eine Notunterkunft fungierte die Main-Kinzig-Halle. Über Twitter gab die Feuerwehr bekannt, dass Menschen mit Gehbehinderung zu Sammelstellen gebracht würden und sich zahlreiche ehrenamtliche Helfer bereithielten. Insgesamt waren nach Angaben der Stadt mehr als 700 Rettungskräfte im Einsatz - von Polizei und Feuerwehr über das Technische Hilfswerk bis hin zu Mitarbeitern mehrerer Rettungsdienste. Hinzu kamen unter anderem Mitarbeitende des städtischen Ordnungsamtes, des Regierungspräsidiums Darmstadt, des Main-Kinzig-Kreises und der Stadtwerke Hanau.

Zwei ältere Anwohner sitzen in einer Sporthalle in Hanau auf einem Holzstuhl.
Die 89-jährige Anneliese Gersting und ihr Nachbar Bruno Kaucic gehören zu den ersten evakuierten Anwohnern in Hanau. Bild © picture-alliance/dpa

Bahnstrecke Friedberg-Hanau teilweise gesperrt

Auch auf den Bahn- und Busverkehr wirkte sich der Bombenfund aus: Die Bahnstrecke zwischen Friedberg und Hanau war bereits am Dienstag teilgesperrt. Die Züge fuhren nur bis zum Bahnhof Hanau-Nord und von dort wieder Richtung Friedberg, anstatt bis zum Hauptbahnhof durchzufahren.

Zwischen dem Hanauer Hauptbahnhof und Hanau-Nord fuhren ersatzweise Busse, wie der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) am Mittwoch mitteilte. Auch bei der S6 kam es zu Einschränkungen: Die Linie fährt zwischen Frankfurt-Süd und Groß-Karben im 30-Minuten Takt. Die Busse des Öffentlichen Nahverkehrs fuhren bis zur offiziellen Sperrung des Gebiets.

Weitere Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.03.2023, 22.25 Uhr

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Quelle: hessenschau.de/Meliha Verderber, Andrea Bonhagen, Michelle Goddemeier, dpa/lhe