Stürmer Hugo Ekitiké Der Lichtblick im Eintracht-Mittelmaß

Mangelnde Fitness, mangelnder Tor-Drang. Hugo Ekitiké hielt in seinen ersten Wochen bei der Eintracht oft nicht mit. Nun ist es umgekehrt. Der Franzose ist zum Lichtblick geworden, während viele seiner Mitspieler stark abfallen. Im Sommer muss sich einiges ändern.

Ekitiké Kopf an Kopf mit Andrich
Kopf an Kopf mit Andrich: Jungspund Ekitiké lässt sich nichts gefallen. Bild © picture-alliance/dpa
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Im Hintergrund sieht man ein Fussballstadion, davor links das Logo von Eintracht Frankfurt und rechts das Logo von Bayer 04 Leverkusen
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Diese Szene sagte viel über Hugo Ekitiké aus. Nein, nicht sein sehenswertes Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Bayer Leverkusen vom Sonntag. Gemeint ist vielmehr die 74. Minute, als Ekitiké urplötzlich Nase an Nase mit Leverkusens Abwehrchef Robert Andrich stand. Andrich hatte den schnellen Eintracht-Stürmer zuvor zu Boden gestoßen und sich dem Franzosen dann noch in den Weg gestellt. Nicht mit Ekitiké.

Der 21-Jährige suchte den Gesichtskontakt, Andrich guckte verständnislos, möglicherweise, weil er nicht ganz verstand, was ihm Ekitiké da auf Französisch zurief. Eines zeigte diese Szene: Ekitiké lässt sich nichts gefallen. Sich als Bundesliga-Neuling gleich mit einem der Liga-Raubeine anzulegen, ist nicht jedermanns Sache. Schließlich sieht Andrich mit seinem langen Bart und den geschorenen Schläfen eher aus wie ein Krieger, eine Bestbesetzung für jeden Wikinger-Film.

Ekitiké ist aktuell der Hingucker bei der Eintracht

Ekitiké ist derzeit der Lichtblick im sonst arg mittelmäßigen Spiel der Eintracht: in Sachen Schnelligkeit, in Sachen Engagement und in Sachen Torgefahr. In drei Spielen hintereinander, gegen Augsburg, Bayern und Leverkusen, erzielte der Franzose jeweils einen Treffer. Sein Tor gegen Leverkusen zeigte, wie gefährlich Ekitiké ist. Der 21-Jährige löste sich geschickt aus der Leverkusener Abwehr-Bewachung, womit er völlig freistehend zum 1:1 einköpfen konnte.

Ektitiké verbeugt sich vor den Fans und umgekehrt
Ektitiké verbeugt sich vor den Fans und umgekehrt Bild © picture-alliance/dpa

Das ganze Stadion dachte: Das war Abseits. Aber Ekitiké war einfach nur flink. Und er versteht es, mit dem Publikum zu kommunizieren. Der Franzose stachelt die Fans an und er sucht ihre Nähe. Nach seinem Tor gegen Leverkusen jubelte Ekitiké zunächst Richtung Fans, um sich vor dem Anhang dann ganz tief zu verbeugen, inklusive galantem Armschwung. Das kommt an.

Ekitiké rennt und rennt

Der Knoten ist geplatzt. Ekitiké wirkt mittlerweile fit. Schaffte er bei seinem ersten Einsätzen selten länger als 30 Minuten, spielt er mittlerweile fast durch. Und er rennt viel. Und zeigt seine Klasse. Wie in der 42. Minute gegen Leverkusen, als sich Ekitiké den Ball weit in der eigenen Hälfte schnappte, Fahrt aufnahm, die Gegenspieler Odilon Kossounou und Exequiel Palacios stehen ließ wie Slalomstangen, um dann butterzart Torjäger Omar Marmoush in den Lauf zu passen.

Ein unvollendetes Kunstwerk allerdings, denn der Ägypter ballerte die Großchance ganz Marmoush-untypisch weit über das Tor. Fragte man sich nach seiner Verpflichtung Anfang Februar wochenlang, ob Ekitiké überhaupt jemals mit dieser Eintracht-Mannschaft mithalten wird, fragt man sich das mittlerweile eher umgekehrt. Denn während der Franzose immer besser wird, wird die Eintracht - mit Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Augsburg - eher schlechter.

Mit welcher Eintracht läuft Ekitiké in der nächsten Saison auf?

Egal ob die Eintracht ihren scheinbar zementierten sechsten Tabellenplatz in den restlichen Saisonspielen in Gladbach und gegen Leipzig halten kann oder nicht: Es wird sich einiges ändern müssen im Sommer. Die Mannschaft braucht wieder Charakter, Spieler wie der schon lange gehandelte Pascal Groß (Brighton), der von der Eintracht geschätzte Mainzer Nadiem Amiri oder Jeff Chabot vom 1. FC Köln würden helfen. Denn die aktuelle Mannschaft ist oft zu zahm und naiv, auf dem Platz wird kaum geredet.

Hugo Ekitiké gegen LEV
Hier gehöre ich hin: Hugo Ekitiké zuletzt mit drei Tore in drei Spielen Bild © picture-alliance/dpa

Robin Koch macht das noch hier und da, die meisten anderen Kandidaten wie Mario Götze oder Ellyes Skhiri haben mehr mit sich selbst zu tun. Liga-Neuling Ekitiké stößt in dieses Machtvakuum. Er kann - obwohl erst 21 Jahre alt - in der kommenden Spielzeit durchaus auch führen. In der Bundesliga und im Europapokal. Und da eröffnen sich der Eintracht derzeit - trotz mittelmäßiger Saison - ungeahnte Möglichkeiten.

Sollte Borussia Dortmund, die am Dienstag ins Champions-League-Finale einzogen, dieses auch gewinnen, dann lockt auch für die Eintracht die Königsklasse. Denn landen die Dortmunder in der Bundesliga - wie aktuell - nur auf dem fünften Platz und holen gleichzeitig den Champions-League-Titel, reicht in dieser Bundesliga der sechste Tabellenplatz für die Teilnahme an der Königsklasse. Und auf dem steht die Eintracht seit Mitte Dezember.

Ekitiké und der Blick in die Zukunft

Europa League oder sogar Champions League, die Eintracht hätte so oder so im Sommer das Geld, personell das Richtige zu tun. Bei Ekitiké ist alles unter Dach und Fach. Ende April aktivierte die Eintracht die Kaufoption des Stürmers, der im Winter von Paris Saint Germain an den Main kam. Sein Vertrag läuft nun bis 2029.

Sollte sich der französische Stürmer in der kommenden Saison so weiterentwickeln wie in den vergangenen Wochen, könnte die lange Vertragslaufzeit schon bald einer Belastungsprobe unterzogen werden.

Quelle: hessenschau.de