Eintracht rutscht immer tiefer in die "Scheiß-Phase"

Eintracht Frankfurt ergibt sich in Dortmund schnell in das eigene Schicksal und rutscht in der Tabelle immer weiter ab. Markus Krösche und Oliver Glasner finden deutliche Worte für die aktuelle Lage. Die Analyse in fünf Punkten.

Junior Dina Ebimbe am Boden beim Spiel in Dortmund
Junior Dina Ebimbe am Boden beim Spiel in Dortmund Bild © Imago Images
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Die Eintracht-Pressekonferenz nach dem Dortmund-Spiel

PK_Glasner
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Eintracht Frankfurt hat in Dortmund eine deutliche Niederlage kassiert: Das Spiel beim BVB am Samstagabend ging mit 0:4 (0:3) verloren. Für die Hausherren trafen Jude Bellingham (19. Minute), Donyell Malen (24./66.) und Mats Hummels (41.).

1. Neue Abwehr, alte Probleme

Einmal mehr musste Eintracht-Trainer Oliver Glasner seine Abwehr umbauen: Christopher Lenz lief für den verletzten Kristijan Jakic als linker Innenverteidiger auf - Jakic hatte seinerseits zuletzt den verletzten Evan N'Dicka vertreten. In den letzten 20 Minuten kam gar der 19-jährige Dario Gebuhr in der Dreierkette zu seinem Bundesliga-Debüt, weil Glasner schlicht die Alternativen fehlten.

Zurück in der Startelf waren der zuletzt gesperrte Mario Götze und Junior Dina Ebimbe, Ansgar Knauff übernahm zudem den Part von Lenz auf der linken Seite. Doch die Probleme blieben die alten: Hinten machte man es dem Gegner viel zu leicht, vorne fehlten Effizienz und Überzeugung. Aber der Reihe nach.

2. Erste Halbzeit bricht Eintracht das Genick

Denn obwohl die Eintracht in der ersten Halbzeit selbst gute Chancen durch Götze, Ebimbe und Aurelio Buta hatte, waren die Verhältnisse bereits zur Pause klar. Der BVB nutzte seine Chancen eiskalt, von 7:6 Torschüssen in den ersten 45 Minuten konnten sich die Frankfurter nichts kaufen. "Dortmund hat uns vorgemacht, wie das geht mit der Effizienz", bilanzierte Kapitän Sebastian Rode treffend.

Bezeichnend war zudem das Abwehrverhalten bei den Gegentoren. Vor dem 1:0 von Bellingham hebelte der BVB die gesamte Eintracht-Defensive mit einigen wenigen Pässen und Bewegungen aus. Dem 2:0 von Malen gingen ein Abschlag von Keeper Gregor Kobel und zwei Kopfball-Duelle voraus, in denen Makoto Hasebe und Tuta erschreckend deutlich unterlegen waren. Und das 3:0 von Hummels leitete Hasebe per Fehlpass ein. Drei viel zu billige Gegentore aus Frankfurter Sicht.

3. Aufbäumen? Fehlanzeige!

Offenbar hatte man zur Pause in den Reihen der Hessen schon das Gefühl, das Spiel verloren zu haben. Ein echtes Aufbäumen gab es jedenfalls nicht, auch wenn Glasner es noch mit ein paar offensiven Wechseln (die zuletzt glücklosen Daichi Kamada und Rafael Borré kamen) versuchte, die aber auch nichts ausrichten konnten. Dortmund spielte alles seriös zu Ende und setzte gar noch einen Treffer drauf, während sich die Frankfurter in ihr Schicksal ergaben.

Nach den drei Gegentoren sei man "gebrochen" gewesen, so Glasner. "Mit der Halbzeit war das Spiel entschieden, das müssen wir uns eingestehen." Das sah die Mannschaft offenbar ähnlich und bemühte sich im zweiten Durchgang gar nicht mehr groß um einen überraschenden Punktgewinn gegen den angehenden Tabellenführer.

4. Rückrunden-Tristesse und deutliche Worte

Dass Eintracht Frankfurt im Laufe einer Rückrunde in der Tabelle immer weiter abrutscht, kennen langjährige Fans leider zu Genüge. Auch im Frühling 2023 ist der Glanz der Hinrunde längst verflogen. Seit acht Bundesliga-Spielen haben die Frankfurter nicht gewonnen, magere vier Pünktchen haben sie im März und April gesammelt.

Kaum zu glauben: Nach der Hinrunde waren BVB und SGE noch punktgleich. Während die Dortmunder nun Richtung Meisterschaft stürmen, ist die Eintracht auf Rang neun durchgereicht worden und droht, die Europapokal-Plätze zu verfehlen. Sportvorstand Markus Krösche gibt sich noch kämpferisch: "Wir hatten viele gute Phasen, jetzt haben wir eine Scheiß-Phase. Es geht nicht darum zu lamentieren, sondern sich auf die nächsten Wochen zu konzentrieren. Wir haben 34 Spiele – und dann wird abgerechnet." Die deutlichen Worte von Krösche wiederholte Glasner im Anschluss in der Pressekonferenz: "Ja, wir sind in einer Scheiß-Phase."

5. Systemumstellung als Rettung?

Acht Spiele, acht Niederlagen - so lautet inzwischen die traurige Bilanz von Glasner gegen Borussia Dortmund. Wobei dem Coach deutlich mehr auf den Magen schlagen dürfte, dass er nun auch acht Bundesliga-Spiele am Stück mit den Frankfurtern nicht gewinnen konnte. "Och, ich habe schon alles erlebt. Ich bin schon 30 Jahre im Fußball", gab er sich in der Pressekonferenz betont gelassen.

"Wir werden das Spiel sehr sachlich und nüchtern analysieren. Jetzt heißt es, Lösungen zu finden", so Glasner, der zudem laut über eine Systemumstellung zurück zur Viererkette nachdachte. "Wir schauen, ob das möglich ist, dass wir zwei Innenverteidiger und zwei Außenverteidiger finden, die das gewohnt sind zu spielen. Weil es macht ja keinen Sinn, die Jungs irgendwo reinzudrängen, wo sie dann schlecht aussehen." Im Heimspiel gegen Augsburg am kommenden Samstag (15.30 Uhr) sollte die Abwehr jedenfalls besser aussehen als die überforderten Tuta, Hasebe und Lenz in Dortmund, um die Sieglos-Serie zu stoppen.

Quelle: hessenschau.de/Sonja Riegel