Erleichterung beim SVWW: Martin Angha nimmt Trainer Nils Döring nach Abpfiff in den Arm.

Der SV Wehen Wiesbaden quält sich in die Relegation und lernt aus dem Feier-Fiasko der vergangenen Saison. Kuriose Szenen gibt es nach der Niederlage gegen St. Pauli dennoch.

Videobeitrag

Video

Highlights: Wehen Wiesbaden - St. Pauli

Im Hintergrund sieht man ein Fussballstadion, davor links das Logo vom SV Wehen Wiesbaden und rechts das Logo von Hamburg St. Pauli
Ende des Videobeitrags

Der Gegner wusste sofort, dass er etwas zu feiern hatte: Die Fans des St. Pauli fluteten nach der Partie am Sonntagnachmittag in Wiesbaden das Feld und bejubelten ausgiebig den 2:1-Auswärtssieg und ihre Zweitliga-Meisterschaft. Dazwischen standen die etwas ratlosen SVWW-Spieler und warteten. Und warteten. Und warteten. Denn eine quälend lange Spielunterbrechung in der Nachspielzeit in Rostock, wo Fans Pyrotechnik zündeten, ließ die Wiesbadener im Unklaren, ob es trotz Niederlage für den Einzug in die Relegation um den Ligaverbleib reichen würde.

"Es hat mich ein bisschen an letzte Saison erinnert", gab Gino Fechner im Anschluss zu und spielte auf den letzten Spieltag der Saison 2022/2023 an, als Spieler und Fans zu früh den vermeintlichen Aufstieg gefeiert hatten. "Das kam mir sehr bekannt vor - mit einem kleinen unangenehmen Gefühl", bestätigte Florian Stritzel. Beide gehörten zu den Spielern, die sich schließlich gemeinsam mit Teambetreuern, Journalisten sowie einigen mit Bier und Burgern ausgestatteten Akteuren des FC St. Pauli die letzten drei Minuten des Rostock-Spiels auf einem Bildschirm in der Mixed Zone ansahen, als im Ostseestadion nach rund einer halben Stunde wieder angepfiffen wurde.

Vukotic brüllt auf Mixed-Zone-Bildschirm ein

Und obwohl Hansa in jenen drei Minuten zwei Tore gebraucht hätte, um den SVWW doch noch abzufangen, war die Anspannung spürbar. Abwehrhüne Aleksandar Vukotic kommentierte nahezu jede Szene aufgeregt und brüllte nach Ablauf der Nachspielzeit "Finish the game!" in Richtung Fernseher - mit exakt dem grimmigen Gesichtsausdruck, mit dem er sonst seine Gegenspieler bekämpft. Der herbeigesehnte Abpfiff kam und die Wiesbadener hatten sich erfolgreich in die Relegation gezittert - nicht durch das eigene Ergebnis, sondern dank der Schützenhilfe der Paderborner, die 2:1 in Rostock gewannen.

Wiesbaden war selbst gegen St. Pauli lange gut im Spiel und führte zur Halbzeit durch den Treffer von Franko Kovacevic, ehe die Kiezkicker doch noch Lust auf die Zweitliga-Meisterschaft bekamen und die Partie drehten. Beim SVWW verlor zwischenzeitlich auch Trainer Nils Döring die Nerven, schoss bei einer strittigen Schiedsrichter-Entscheidung eine Wasserflasche weg und sah die Rote Karte. "Ich habe mich entschuldigt. Ich war voller Emotionen, pures Adrenalin in meinem Körper", sagte er hinterher.

Hankammer: "Wir haben jetzt zwei Finals"

Die Partie beschrieb der Coach, der vor drei Wochen das Amt von Ex-Trainer Markus Kauczinski übernommen hatte, als "extremes Wechselbad der Gefühle". "Großes Kompliment an die Mannschaft", sagte er. Man habe "gegen eine absolute Spitzenmannschaft das Tor erzwungen" und "alles in die Waagschale geworfen". Am Ende hätte das jedoch fast nicht gereicht und das zehnte sieglose Spiel in Folge hätte den direkten Abstieg bedeuten können. "Wir sind glücklich, die Relegation spielen zu dürfen."

Aufbauende Worte gab es vom Präsidenten. "Die Jungs haben es sich verdient. Sie hatten in den letzten Wochen nicht das entscheidende Quäntchen Glück", so Markus Hankammer. "Wir haben jetzt zwei Finals und es ist alles drin. Jetzt heben wir uns das Glück für die nächsten zwei Spiele auf."

Und nach den quälenden Minuten nach dem Abpfiff hoffen sie in Wiesbaden nun doch wieder auf ein Déjà-vu - nämlich einen Triumph in der Relegation wie in der vergangenen Saison. Am kommenden Freitag sowie am darauffolgenden Dienstag geht es jeweils um 20.30 Uhr gegen den Drittliga-Dritten Jahn Regensburg.

Videobeitrag

Video

Die SVWW-PK nach dem Spiel gegen St. Pauli

SVWW-Trainer Nils Döring
Ende des Videobeitrags