Neuer Städteslogan "Soul OF Hessen": Jetzt hat auch Offenbach ein Alleinstellungsmerkmal

Die Stadt Offenbach will etwas für ihr Image tun. Und was liegt da näher als ein neuer Slogan? Mit "Soul OF Hessen" will die Stadt vor allem Unternehmer anlocken. Damit steht sie in einer guten, alten Tradition.

Blick auf offenbach-schriftzug im stil von hollywood
2016 verlieh sich Offenbach einen Hauch von Hollywood. Die neue Imagekampagne soll Herz und Seele der Stadt passender erfassen. Bild © Imago Images
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"An Hessen führt kein Weg vorbei." Und das schon seit 2007. Zumindest wenn man der Imagekampagne Glauben schenken mag, die sich das Land vor nunmehr 16 Jahren für rund zwei Millionen Euro auf den Leib hat schneidern lassen. Mit dem Slogan wollte der damalige Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) nicht nur die Identifikation der Einwohner mit ihrer Heimat steigern, sondern auch für die Vorteile des Wirtschaftsstandorts werben.

Doch Rhiel hat gelogen. Das hat die taz vor einigen Jahren gnadenlos aufgedeckt. Vier Wege, so schrieb die Tageszeitung, führten eben doch an Hessen vorbei. Zumindest mit dem Auto.

Kämpferherz hier, Champagner dort

Woran heutzutage wirklich kein Vorbeikommen scheint, das sind pfiffige Slogans, die sich Länder und Städte geben (oder von Marketingagenturen gegen gutes Geld geben lassen), um Alleinstellung zu zelebrieren und dem eigenen Fleckchen Land eine überregionale Bedeutung zu verleihen. Oder einfach nur, um zu zeigen, was man hat. Weshalb sonst sollte die betuchte Kurstadt Bad Homburg mit "Champagnerluft und Tradition" werben?

"Um attraktiv zu sein, muss man weder besonders schön noch exorbitant reich oder glamourös sein", verkündete Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) bei der Präsentation des neuesten, stadteigenen Slogans am Freitag. Das mag zwar keine Replik auf Bad Homburg gewesen sein, fest steht aber: Chamagner wäre als Unique Selling Point für Offenbach eher nicht geeignet.

Die Stadt will fortan als "Soul OF Hessen" Bekanntheit erlangen. Der Spruch werde der Stadt "mit Kämpferherz und Seele" gerecht, sagte Schwenke, der aus Frankfurt stammt, dem großen Nachbarn Offenbachs, dessen Einwohner seit jeher aufreizend abschätzig über die Stadtgrenze gen Südosten blicken.

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Offenbacher Gesichter für die Glaubhaftigkeit

Wie auch der damalige Hessen-Slogan soll Offenbachs neuer Markenkern vor allem in den Chefetagen Anklang finden. Und zwar ganz betont nicht nur in jenen von Dax-Konzernen oder anderen Wirtschaftsriesen, sondern dort, wo man sich zu einem Big Player wenn überhaupt erst noch entwickeln will. "Es geht darum, in Zukunft noch mehr Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmen sowie kreative und lebensfreudige Menschen zu umwerben und von Offenbach zu überzeugen", sagt OB Schwenke.

Jungen Menschen Chancen bieten, das ist tatsächlich etwas, mit dem Offenbach punkten kann. Daher nutzt die Stadt für ihre Marketing-Offensive auf Plakaten, Werbeflächen und in den Sozialen Medien bewusst keine glattgebügelten Models, sondern echte Geschäftsleute aus echten Unternehmen, die auch echt in Offenbach angesiedelt sind. Und das erscheint echt authentisch. Im Gegensatz zu dem von den Hollywood Hills inspirierten "Offenbach"-Schriftzug, den sich die Stadt 2016 gegönnt hatte.

Gekostet hat die "Soul"-Kampagne übrigens vergleichsweise schlanke 126.000 Euro, wie die Offenbach Post vorrechnet.

Kassel macht aus Häme eine Tugend

Attraktivität kann darüber hinaus auch aus Häme und Gehässigkeit entstehen, wie die Stadt Kassel mit Blick auf ihr Städtemotto "Ab nach Kassel" erklärt: Ursprünglich soll der französische Kaiser Napoleon III. mit diesen Worten bedacht worden sein, als er im Jahr 1870 in Gefangenschaft und damit nicht ganz freiwillig die Reise nach Kassel-Wilhelmshöhe antreten musste.

Heute, so teilt die Stadt Kassel stolz mit, sei das Motto "Ab nach Kassel" deutschlandweit bekannt. Es zeigt sich auch hier: An Hessen und seinen Eigenarten führt kaum ein Weg vorbei. Außer jemand bemüht sich, die Fakten zu checken.

Anmerkung: Der Autor hatte die Gefangenschaft Napoleons fälschlicherweise ins Jahr 1776 verlegt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und bedanken uns bei User "MC" für den Hinweis.

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Sendung: hr4, 3.3.2023, 16.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de/Fabian Weidenhausen