Souzan Nassri, Tamriko Shoshyashvili, Olena Iskorostenska und Haytham Abu Taleb (v.l.n.r.) - vier von sechs Redakteurinnen und Redakteurinen bei Amal Frankfurt.

"Nur wer weiß, was passiert, kann sich beteiligen und mitreden" - diesem Motto widmet sich ein neues Onlineportal, das Nachrichten aus dem Rhein-Main-Gebiet aufbereitet. Auf Ukrainisch, Arabisch und Persisch.

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Nachrichtenportal von Geflüchteten

Screenshot von der Webseite amalfrankfurt.de
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Dass Peter Feldmann neulich wegen Vorteilsannahme verurteilt worden ist, habe eigentlich kein Ukrainer so wirklich verstanden, sagt Tamriko Shoshyashvili. Als Journalistin habe sie versucht, den Fall des ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeisters für ihre ukrainischen Landsleute verständlich zu erklären. "Aber in der Ukraine geht jeder davon aus, dass alle Politiker korrupt sind – da hat keiner bei Feldmann einen Skandal gesehen", sagt Shoshyashvili und lacht.

In Kiew hat die 36-Jährige als Schriftstellerin gearbeitet, hat Bücher über das Verhältnis von Frauen und Männern und das jeweilige Verständnis für das andere Geschlecht geschrieben. Jetzt sieht sie sich als eine Art Immigrations-Beraterin. "In meinen Artikeln gebe ich praktische Hinweise zum besseren Einleben in Deutschland", sagt sie.

Tamriko Shoshyashvili, Redakteurin bei Amal Frankfurt.

Shoshyashvili ist eine von bislang sechs Journalistinnen und Journalisten von Amal Frankfurt. Eine Medienplattform, die am Dienstag mit ihrer Homepage offiziell an den Start gegangen ist, auf deren Social Media Accounts aber schon seit vergangenem Oktober regelmäßig Artikel erscheinen. Für die arabische, persische und ukrainische Community in und um Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet.

"Wir liefern Nachrichten von hier mit Relevanz für ukrainische Geflüchtete, schreiben über Events, die sie hier interessieren könnten und geben praktische Tipps für die deutsche Bürokratie" sagt Shoshyashvili. Gerade die Bürokratie stelle eine große Hürde für Flüchtlinge aus der Ukraine dar.

Mit dem Herz noch in der Ukraine

"Die meisten von ihnen sind mit ihrem Herz noch zuhause, wollen so schnell wie möglich wieder zurück und sehen gar nicht den Sinn, sich in Deutschland zu integrieren", sagt Shoshyashvili, die 2014 zum ersten Mal nach Wiesbaden kam und fünf Jahre blieb, ehe sie zwischenzeitlich wieder in die Ukraine zurückkehrte.

"Meine Erfahrungen will ich weitergeben, damit die neu hier Angekommenen schneller ein besseres Leben leben können." Doch, das sei auch klar: "Was für Ukrainer interessant ist, kann für Afghanen oder Iraner komplett irrelevant sein", sagt sie. Weil zum Beispiel afghanische oder syrische Flüchtlinge schon viel länger hier lebten als ukrainische Flüchtlinge - und dadurch zum einen Sprache und System besser verstünden und zum anderen eine andere Mentalität entwickelt hätten. "Für Syrer kann ihre Heimat nach mehreren Jahren hier ja ganz weit weg sein", sagt Shoshyashvili.

"Politik macht nur Kopfschmerzen"

"Politik macht nur Kopfschmerzen", sagt Souzan Nassri, die seit 2016 in Mainz lebt und an der Frankfurter Goethe-Uni Germanistik studiert. Sie schreibe lieber über gesellschaftliche Themen oder kulturelle, sagt die 27-Syrerin. Ihre Zielgruppe sei eine andere, als die von Shoshyashvili. "Mir ist es wichtig, Relevantes für über 40-Jährige zu berichten", sagt Nassri.

Souzan Nassri, Redakteurin bei Amal Frankfurt.

Die jüngere Generation an Syrern verstehe längst Deutsch, doch deren Eltern bekämen durch Amal nun täglich Nachrichten auf Arabisch, über die sie sonst keinen Überblick hätten. "Wir wollen zudem eine Perspektive liefern, die deutsche Medien eher nicht abdecken", sagt Nassri.

So habe sie zum Beispiel gerade einen Artikel über Fahrkarten-Kontrolleure im Nahverkehr geschrieben. "Dort arbeiten viele Syrer oder arabischstämmige Menschen", sagt sie. "Und viele von ihnen werden von Fahrgästen schlecht behandelt."

Förderung durch die Evangelische Kirche

Gefördert wird Amal von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), einem breiten Bündnis aus Landeskirchen, Stiftungen und durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Ihren Sitz hat die Redaktion am Standort des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik im Mertonviertel. Hauptförderer in Frankfurt ist die Crespo Foundation, eine gemeinnützige private Stiftung deren Schwerpunkte auf Kultur und Bildung liegen.

Schwerpunkte, die auch Haytham Abu Taleb für sich sieht. "Dabei schreibe ich nicht über Nachrichten aus Syrien in Deutschland, sondern über Nachrichten aus Deutschland auf Arabisch", sagt der 31-Jährige, der als Palästinenser in Syrien aufgewachsen ist und gerade seinen Master in Marburg erhalten hat. "Wir machen Lokaljournalismus aus dem Rhein-Main-Gebiet für die arabische Community", fasst Abu Taleb zusammen.

Haytham Abu Taleb, Redakteur bei Amal Frankfurt.

Diese Community umfasse aber nicht nur Geflüchtete aus Syrien oder aus dem Iran. "Gerade in Frankfurt leben ja ganz viele Menschen zum Beispiel aus Marokko oder Tunesien, die hier in dritter oder vierter Generation längst heimisch geworden sind", sagt er. Auch diese Menschen wolle er und wolle Amal Frankfurt erreichen.

"Nur wer weiß, was passiert, kann sich beteiligen und mitreden", lautet das Leitwort der Plattform. Amal, was auf Arabisch Hoffnung bedeutet, gibt es auch schon in Berlin und Hamburg, wo das Angebot eigenen Angaben zufolge gut angenommen wird. Amal Berlin hat 110.000 Follower auf Facebook, das Schwesterprojekt in Hamburg 17.000.

"Und auch in Frankfurt gibt es schon großes Interesse an unseren Themen", sagt Abu Taleb. Hier fülle Amal eine Lücke, die es in der bisherigen Berichterstattung von und für Menschen mit Migrationshintergrund bisher nicht gegeben habe.

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