Tische mit Menschen in Messehalle

Das Herz der Frankfurter Buchmesse schlägt im Geheimen: Im Agentenzentrum werden heute die Rechte an den Büchern für morgen gehandelt. Für Messebesucher ist der Bereich tabu.

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Was Verleger und Buchhändler von der Buchmesse erwarten

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Der abgegrenzte Bereich in Halle 4.2. ist für Besucher der Buchmesse tabu. Nur Verleger und Lektoren, Agenten und Scouts dürfen hier rein: Die einen bieten im Auftrag von Autoren Bücher an, die anderen beobachten ausländische Märkte. 456 Tische stehen in engen Reihen dicht an dicht. Jeder Termin dauert exakt 30 Minuten.

An Tisch F21 treffen sich an diesem Morgen Sabine Pfannenstiel und Jo Lendle. Pfannenstiel ist bei der Londoner Agentur Andrew Nurnberg Associates für den Verkauf der Übersetzungsrechte britischer und US-amerikanischer Autoren nach Deutschland zuständig, Lendle ist Geschäftsführer des Hanser-Verlags. Worüber genau die beide verhandeln ist - wie alles hier - natürlich streng vertraulich.

Angebote, Verhandlungen – Unterschriften

Rund 100 Titel hat Pfannenstiel mit nach Frankfurt gebracht, sie erwartet aber nur eine einstellige Zahl an Abschlüssen. "Die Buchmesse ist nicht der einzige Ort, Bücher zu verkaufen, aber ein wichtiger", sagt die Agentin, die seit 18 Jahren für die Londoner Agentur arbeitet. Manchmal sei man sich schon vorher einig geworden, manchmal erst "im Nachklapp": "Man braucht einen langen Atem."

Tische mit Menschen in Messehalle

"Viele von den heißen Sachen werden in der Woche vorher angeboten", verrät Lendle. "Montag und Dienstag sind für den Einkauf eigentlich die interessanteren Tage." Man treffe sich im "Frankfurter Hof" oder anderen Hotels. "Auf der Messe wird dann nachgeputzt". Verträge unterschrieben würden allerdings eher selten, das passiere in den Wochen danach. "Hier gibt's die Gentlemens- und Ladies-Agreements."

Wenn Agenten und Verlagsvertreter einig sind, kommt eine weitere Berufsgruppe ins Spiel: die Übersetzer. Sie haben auf dieser Buchmesse mehr Platz als in früheren Jahren. Zum ersten Mal gibt es ein "Internationales Zentrum für Übersetzung" in Halle 4.0. Es soll ein Ort der Begegnung für diese Berufsgruppe sein, aber auch ein Schaufenster für Leser.

Abgegrenzter Bereich für Messebesucher tabu

Ingo Herzke, der aus dem Englischen übersetzt, und Annette Kopetzki, Übersetzerin aus dem Italienischen, wollen die Arbeit der Übersetzer auf der Buchmesse "sichtbar machen", wie Kopetzki sagt. Es gibt einen "Translation Slam", bei dem Übersetzer Vorschläge aus dem Publikum aufgreifen, eine Live-Übersetzung, die mit dem Publikum diskutiert wird, oder einen "gläsernen Übersetzer", der Comics übersetzt.

Königlicher Besuch bei spanischen Übersetzern

Am Stand von spanischen Übersetzern in Halle 4.1. kam gleich am ersten Tag höchster Besuch: das spanische Königspaar. "Wir sind noch etwas durch den Wind", sagt die Madrider Übersetzerin Isabel Garcia Adánez, nachdem sich die Royals von ihrem Stand verabschiedet haben. "Die beiden sind wirklich sehr nett und nah." Im Gastland-Pavillon gibt es ein Spiel mit unübersetzbaren deutschen und spanischen Redewendungen wie "Sitzfleisch" oder "Kummerspeck", das Garcia Adánez mitentwickelt hat. Das Königspaar habe "richtig Spaß daran gehabt und sich darüber lustig gemacht", sagt sie.

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Spanisches Königspaar besucht die Frankfurter Buchmesse

Königspaar auf Buchmesse
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Der Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) vertritt rund 1.400 Mitglieder. Vom Übersetzen leben können nach Schätzungen des Verbands nur ein paar Hundert, die meisten müssen ihre Arbeit querfinanzieren. "Dauerthema" der Branche ist daher die aus Sicht des VdÜ viel zu geringe Vergütung. Die Beteiligung an den Erlösen sei besser geworden, die Honorare seien durch Nicht-Erhöhung "faktisch gesunken", sagt Herzke.

Rechte für Hörbücher oder Verfilmungen

Übersetzer auf die Bühne zu holen, war überfällig, das weiß auch die Buchmesse. "Nur durch die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern können wir die Literaturen anderer Sprach- und Kulturräume verstehen, neue Perspektiven einnehmen und so engere Verbindungen schaffen", sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Tische mit Menschen in Messehalle

Und damit schließt sich der Kreis zum Rechtezentrum: "Der Handel mit Übersetzungsrechten steht traditionell im Zentrum der Messe", sagt Boos. Aber im Agentenzentrum geht es um mehr. Hier werden auch die Rechte für Hörbücher oder Verfilmungen gehandelt. So lautet das Motto der 74. Buchmesse denn auch "Translate. Transfer. Transform."

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