Die Zeichnung zeigt eine Ausgrabungsstätte. Insgesamt elf Forscherinnen und Forscher sind an verschiedenen Stellen damit beschäftigt, Sand zu sieben, Schubkarren voller Erde wegzubringen oder Fotoaufnahmen zu machen.

Abenteuerliche Expeditionen und Schatzfunde à la Indiana Jones: So stellen sich viele Archäologie vor. Alles Quatsch, meint Archäologin Daniela Heller und zeichnet dagegen an. Ihre erste Graphic Novel gewann direkt einen Preis.

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Schluss mit dem Mythos um die Archäologie! Ein Comic klärt auf

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Archäologin und Comic-Autorin: Beide Berufsbezeichnungen treffen auf die Kasselerin Daniela Heller zu. In ihrem Debüt-Comic "Pfostenloch" verbindet sie ihre beiden Expertisen miteinander und wurde noch vor der eigentlichen Veröffentlichung mit dem renommierten Max-und-Moritz-Preis für das beste deutschsprachige Comic-Debüt ausgezeichnet.

"Pfostenloch": Aus dem Alltag einer Archäologin

In den ersten Szenen des Comics "Pfostenloch" gräbt ein Archäologe hinter einem Bauzaun vorsichtig in der Erde. Ein Passant spricht ihn an: "Und? Habt ihr schon Gold gefunden?" Die Antwort wartet er nicht ab, sondern gibt zum Besten, dass er Archäologie toll fände und als Kind auch unbedingt Archäologe werden wollte.

Solche Szenen habe Daniela Heller selbst schon so oft erlebt. Und immer öfter habe es sie geärgert, dass sich das Bild vom weltfremden Idealisten, der zum Spaß und aus Abenteuerlust in der Erde buddelt, hartnäckig hält: "Die Leute romantisieren meinen Beruf und haben den Eindruck, es ist gar keine richtige Arbeit, sondern eher so eine Art von Spaß."

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Was ist eigentlich ein Pfostenloch?

In der Archäologie lässt sich anhand von Überresten erkennen, wo einst ein Holzpfosten senkrecht in den Boden gestellt wurde. Das sogenannte Pfostenloch kann so Hinweise zu Bauten liefern.

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Ein Comic klärt auf

Es hat etwas gedauert, bis die 35-Jährige eine Form gefunden hat, um das verdrehte Bild ihres Berufes richtigzustellen: "Als ich das erste Mal auf so einer Ausgrabung war, hatte ich eigentlich schon diesen Wunsch gefasst, anderen Leuten durch Bilder davon zu erzählen." Sie habe schon immer gerne gezeichnet, sagt Daniela Heller. Das habe ihren Blick geschärft: Das Setting einer Grabung eigne sich hervorragend als Hintergrund für eine Erzählung.

Daniela Heller ließ Taten sprechen: Gleich nach dem Archäologie-Studium in Freiburg setzte sie noch eins für Comic und Illustration an der Kunsthochschule Kassel drauf. Und stellte dabei fest: Ein Comic ist ideal, um zu vermitteln.

Zeichnung von Ärchäologen bei einer Ausgrabung

Kein erklärender Oberstudienrat-Duktus, keine Bleiwüsten, dafür die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven spielerisch einzubringen und Zeitebenen durcheinanderzuwerfen – der Comic habe eindeutig große Vorteile, meint Daniela Heller. Also verknüpfte sie in ihrer Abschlussarbeit ihre beiden Leidenschaften. Noch bevor ihr Comic veröffentlicht wurde, durfte die Kasselerin bereits einen großen Erfolg feiern: Ihre Graphic Novel erhielt den Max-und-Moritz-Preis.

Eine künstlerische Hommage an die Archäologie

Mittlerweile ist "Pfostenloch" auf dem Markt - ein mulmiger Moment für die 35-jährige Autorin. Wie würden ihre Archäologie-Kolleginnen und -Kollegen reagieren? "Da war ich sehr nervös. Ich hatte durchaus ein bisschen Angst, dass sie sich vielleicht nicht richtig repräsentiert fühlen."

Pfostenloch Comic

Die Angst war unbegründet: Die meisten erkannten Alltagssituationen oder auch Typen wieder - genauso sei es, waren die Rückmeldungen. Für Daniela Heller war das eine Erleichterung, denn dieser Comic, dieses Herzensprojekt, sollte ja kein Bloßstellen sein, "sondern einfach eine Art Hommage."

Daniela Heller kann sich durchaus vorstellen, auch weiter neben ihrem Beruf als Ärchäologin Comics zu zeichnen. Allerdings muss es dann nicht zwingend wieder zum Thema Archäologie sein, meint Daniela Heller. "Ich glaube, ich hätte jetzt auch mal Lust, was anderes zu machen."

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